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9,2 Grad im Dezember sind Rekord

Wetter in Hannover 9,2 Grad im Dezember sind Rekord

Der Dezember 2015 wird der wärmste Dezember seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland – und nirgends ist das so deutlich zu spüren wie in Hannover. Mit einer Durchschnittstemperatur von 9,2 Grad Celsius liegen die Temperaturen rund sieben Grad über dem langjährigen Mittel.

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Luisa Lichtnack aus Wolfsburg (vorne) genießt mit ihrer Tante Franziska Lichtnack am Dienstag die Sonne am Maschsee.

Quelle: Surrey

Hannover . Das berichtete Frank Böttcher vom Hamburger Institut für Wetter- und Klimakommunikation gestern. Das ist bundesweit Rekord. In ganz Deutschland lagen die Temperaturen im Dezember sechs Grad über dem Durchschnitt.

Auch Olaf Hausigk hat 2015 Rekordwerte in Hannover gemessen. Der Diplom-Geograf, der seit mehr als zehn Jahren eine Wetterstation in der List betreibt, erinnert an eine zweite Wetteranomalie. „Im Januar und Februar hatten wir keinen einzigen Frosttag“, sagt er. So werden Tage bezeichnet, an denen die Temperatur 24 Stunden lang nicht auf über null Grad Celsius steigt. „So kommen auch die hohen Durchschnittstemperaturen zustande“, sagt der 52-Jährige. Eine Methode, diese zu ermitteln, ist, sogenannte Wärmesummen für jeweils drei Monate zu bilden. Dann werden die Temperaturen der einzelnen Tage in den Monaten März, April und Mai, Juni, Juli und August sowie September, Oktober und November gebildet. „Dabei fällt dieses Jahr auf, dass Frühjahr und Herbst sogar etwas kühler als sonst waren“, sagt Hausigk. Allerdings habe es im Sommer statt der üblichen fünf Hitzetage, an denen das Quecksilber bis über die 30-Grad-Marke klettert, ganze 15 gegeben.

Stürmischer März: Orkantief „Mike“ reißt eine Glasdecke vom Torhaus am Aegi.

Quelle: Dröse

Und so zeigte am Sonnabend vor dem Umzug des größten Schützenfestes der Welt das Thermometer am Institut für Meteorologie und Klimakunde der Leibniz-Uni sogar einen Maximalwert von 39 Grad an. Angesichts einer Luftfeuchtigkeit von nahezu 100 Prozent lockerten die Schützen vorsorglich den Uniformenzwang und richteten Trinkwasserversorgungsstellen an der Wegstrecke ein. So schlimm wie befürchtet kam es aber nicht: Am 5. Juli, dem Tag des Schützenausmarsches, kletterte die Anzeige des Thermometers in Herrenhausen auf nur 31 Grad – im Vergleich zum Vortag wirkte das fast schon kühl. Am Abend brachten Regengüsse Abkühlung.

Sonne und Regen wechselten sich in den nächsten Wochen ab. Am 25. Juli, einem Sonnabend, fegte sogar ein Sommersturm über die Stadt. Der Wind erreicht in einzelnen Böen eine Geschwindigkeit von fast 100 km/h. Im Hochsommer sind solche Wetterlagen eine Rarität – und besonders gefährlich: Die voll be­laubten Bäume bieten eine große Angriffsfläche. Aber die Region hatte Glück, größere Schäden blieben aus.

Heißer Juli: Die Schützen freuen sich über die Wasserdusche – eine willkommene Abkühlung. 

Quelle: Thomas

Anfang August kamen dann noch einmal ein paar Tage, in denen die Temperaturen 35 Grad erreichten. Den Freibädern und dem Zoo verhagelte das insgesamt zu wechselhafte Sommerwetter die Bilanz. Sowohl der August als auch der Juli waren etwas wärmer als im langjährigen Mittel. Und in beiden Monaten fiel deutlich mehr Regen als sonst. Im Juli fielen 74,1 Millimeter, das sind 121 Prozent des langjährigen Mittels, im August sogar mit 109,6 Millimeter 159 Prozent des Vergleichswerts.

„Tschüss Sommer“, schrieb die HAZ am 31. August. Seitdem herrscht eine anhaltende Mischung aus Herbst und Frühling: Beim ungewöhnlich warmen November sprechen Meteorologen vom Martinssommer. 13 Grad maß der Deutsche Wetterdienst in der Nacht zum 23. Dezember in der Landeshauptstadt. So warm war es in einer Dezembernacht noch nie in Niedersachsen.

2014 betrug die Jahresdurchschnittstemperatur 11,8 Grad, das langjährige Mittel liegt bei 9,6 Grad: Es war so warm wie noch nie in Hannover seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. In den Jahren 1943 und 2004, den vorherigen Rekordhaltern, lag die Temperatur im Mittel bei 10,7 Grad.

Von Mathias Klein und Jörn Kießler

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