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Aus der Stadt Hannover nimmt Abschied von Bernd Strauch
Hannover Aus der Stadt Hannover nimmt Abschied von Bernd Strauch
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00:22 18.10.2015
Von Gunnar Menkens
Hannover nimmt Abschied von Bernd Strauch. Quelle: Dröse
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Hannover

Etliche Menschen hatten sich bereits unter ihren Schirmen versammelt und warteten darauf, dass die schweren Türen der Marktkirche sich endlich öffneten. Es regnete, kühl, unangenehm und ausdauernd, die Kirche sollte Schutz bieten, doch als um 13 Uhr die Pforte aufging, ließ der Regen plötzlich stark nach. Als fände da, wo Bernd Strauch anwesend ist, so etwas Unsympathisches wie Regen keinen Platz.

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800 Trauergäste kamen am Donnerstag zum Gottesdienst, um sich von dem langjährigen Bürgermeister und Ratspolitiker zu verabschieden. Bernd Strauch ist am 28. September gestorben, er wurde 66 Jahre alt, und nun blickte er noch einmal freundlich von diesem Schwarz-Weiß-Porträt, einen Strauß weißer und roter Rosen neben sich, vom Altarraum auf die Bänke im Kirchenschiff. Auf seine Familie und Freunde, die vielen Vertreter aus Politik und Kultur, Wirtschaft und sozialen Verbänden, Bruchmeister und früheren Mitarbeiter. „Eben noch hatte er uns bezaubert mit seinem Lächeln, mit seiner charmanten Jugendlichkeit unter dem weißen Schopf. Und dann muss so einer, den man so lieben kann, krank werden“, sagte Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann in seiner Ansprache.

Natürlich wurde auch Jazz gespielt. Bernd Strauch war selbst Schlagzeuger, aber in der Marktkirche musste es sein Trio ohne ihn schaffen, nur mit Saxofon, Klarinette und Keyboard. „These Foolish Things“, von Wehmut getragen; „Stranger on the Shore“, das sich Strauch für seine Trauerfeier einmal gewünscht hatte; am Schluss, beinahe schon fröhlich, „Louisiana Fairytale“.

Ministerpräsident Stephan Weil erzählte in wenigen Sätzen, wie er Bernd Strauch erlebt hat. „Er war ein durch und durch freundlicher, bescheidener und sozialer Mensch. Wie groß die Lücke ist, die er hinterlassen hat, das spüre ich erst jetzt.“ Strauch leitete 18 Jahre lang die Sitzungen des Stadtparlamentes, mit Weil arbeitete er ebenso zusammen wie mit Herbert Schmalstieg, einem engen Freund. „Uns bleibt die Erinnerung an einen großartigen Menschen, einen wirklichen Meister für die Bürger“, sagte Schmalstieg. Oberbürgermeister Stefan Schostok fragte in seinem Beitrag, „wo die Zeit geblieben“ sei, und würdigte Strauch als Menschen, „der sich im besten Sinne um seine Heimatstadt verdient gemacht“ habe. Anrührend dann, als im Anschluss Matthias Brodowy ein Stück von Leonard Cohen sang, „Hallelujah“.

Die Trauergäste haben von den Rednern noch ein wenig erfahren aus dem letzten Lebensjahr von Bernd Strauch. Wie ihn die Nachricht vom Tumor in seinem Kopf erschütterte. Die Mengen an Genesungswünschen, die er nach seiner Operation im vergangenen Mai erhielt, so viel, dass die Familie nicht alle Briefe und Karten beantworten konnte. John Strauch berichtete den Trauergästen, dass er sie alle seinem Vater vorlas und sie Bernd Strauch das Gefühl gaben, weiter am Leben teilzunehmen. Spaziergänge und Gespräche im Tiergarten, Stadtrundfahrten und Musik mit Freunden gehörten zu seinem letzten Jahr. Mit der Familie Gespräche über den Tod und die schöne Zeit, als die Kinder noch klein waren. Herbert Schmalstieg sagte ihm bei einem Besuch, ihm falle nichts ein, was ihm an Bernd Strauch nicht gefalle. Strauch, dieser bescheidene und zurückgenommene Mensch, wusste da schon etwas, aber dieses Beispiel, sagte Schmalstieg in der Marktkirche, das habe auch nicht gestimmt. Gegen Ende seines Lebens war all dies nicht mehr möglich. Im Pflegeheim St. Ägidien zählte nur noch, dass seine Frau Ulrike, Kinder, Enkel, Familie und Freunde einfach da waren.

Nach der Trauerfeier ging das Leben weiter. Beim Empfang im Neuen Rathaus, wo Kaffee, Kuchen und warme Suppe bereitstanden und das Knut Richter Quartett milden Jazz spielte, war an den Stehtischen schon wieder mancher Scherz zu hören. Man darf vermuten, dass es Bernd Strauch so gefallen hätte. Hans-Martin Heinemann sagte es in der Marktkirche: Strauch war ein Mensch, der sich das Lachen nicht nehmen ließ, der heiter blieb, ohne oberflächlich zu sein. Der Stadtsuperintendent kam zurück auf die Musik: „Der Swing darf bleiben, und nicht nur der Blues. Aufs Leben sollen wir schauen, und nicht auf den Tod.“

Die Urne von Bernd Strauch wird im engsten Familien- und Freundeskreis auf dem Anderter Friedhof beigesetzt. 

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