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Wohin zieht die Conti?

Gezerre um Weltkonzern Wohin zieht die Conti?

Hannover? Garbsen? Es war ein kleines Husarenstück, als der CDU-Bürgermeister von Garbsen, Christian Grahl, zur Wochenmitte ankündigte, dem Dax-Konzern ein Grundstück in Garbsen-Mitte anzubieten. Im Gezerre um die Continental-Hauptverwaltung wachen alte Konkurrenzen wieder auf.

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Garbsen hat im Ringen um Continental seinen Hut in den Ring geworfen.

Quelle: dpa (Symbolfoto)

Hannover/Garbsen. Wandert der Weltkonzern Continental mit seiner Hauptverwaltung in die Nachbarstadt Garbsen ab? Hannovers CDU forderte am Donnerstag von Oberbürgermeister Stefan Schostok, er solle das Ringen um den prestigeträchtigen Standort gefälligst zur Chefsache machen. Ein Rathaussprecher konterte kühl: Für Schostok sei das Thema längst Chefsache. Aber offenbar nicht nur für ihn. In der Conti-Konzernzentrale sagte Sprecher Hannes Boekhoff ausdrücklich, man spreche mit „Vertretern kommunaler Einrichtungen sowohl in der Stadt wie auch im Umland der Region Hannover“. Das sitzt.

Es war ein kleines Husarenstück, als der CDU-Bürgermeister von Garbsen, Christian Grahl, zur Wochenmitte ankündigte, dem Dax-Konzern ein Grundstück in Garbsen-Mitte anzubieten. Continental ist auf der Suche nach einem Standort für eine neue Unternehmenszentrale, in der aktuell 750 und langfristig bis zu 1200 Mitarbeiter untergebracht werden können. Hannover bietet unter anderem Grundstücke am Pferdeturm, am Mittellandkanal und gegenüber vom Conti-Stammsitz am alten Hauptgüterbahnhof an, wahrscheinlich auch im Wissenschaftspark Marienwerder nahe dem Stöckener Conti-Werk. Das öffentlich inszenierte Angebot aus der Nachbarstadt kommt da aus Sicht der Landeshauptstadt eher ungelegen. Es erinnert bitter daran: Hannover ist für ein internationales Unternehmen wie Conti beileibe nicht alternativlos. In Garbsen ist die Gewerbesteuer um rund 10 Prozent günstiger, und die Verbindung zu Autobahn und Flughafen ist bestechend gut.

Wegzug wäre allein aus Imagegründen peinlich

Der Wirtschaftsdezernent der Region, Ulf-Birger Franz, wollte sich am Donnerstag nicht dazu äußern, ob es ein regional abgestimmtes Standortmanagement zum Halten der Conti gegeben habe. Kein Kommentar, absolute Diskretion, teilte er nur knapp mit. Horst Schrage, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, fände genau solch ein Management aber wichtig: „Wir versuchen seit 30 Jahren, regionale Ansiedlungskonzepte zu etablieren - meist jedoch ist den Kommunen bei wichtigen Firmen das Hemd näher als die Hose.“ Hannover hat nicht immer ein glückliches Händchen bewiesen beim Versuch, große Firmen an sich zu binden. Als Varta einst über einen Wegzug nachgedacht hatte, musste Hannover ein mit Cadmium, Quecksilber und Blei vergiftetes Grundstück kaufen, die Sanierung hat hohe Millionenbeträge gekostet. Als jüngst Siemens darüber nachdachte, von Laatzen aus umzusiedeln, unterboten sich mehrere Kommunen - am Ende blieb Siemens in Laatzen, dem Vernehmen nach zu verbesserten Konditionen.

Foto: Mögliche (gelb) und bisherige Conti-Standorte in und um Hannover.

Mögliche (gelb) und bisherige Conti-Standorte in und um Hannover.

Quelle:

Bei Continental wäre ein Wegzug allein schon aus Imagegründen peinlich. Das Unternehmen hat seit Gründung 1871 seine Zentrale in Hannover. Insgesamt arbeiten rund 7850 Conti-Mitarbeiter in Hannover: in der Zentrale, in der Reifenerneuerung und der Forschungsabteilung in Stöcken, bei Conti-Tech in Vahrenwald oder bei der Tochter Benecke-Kaliko in Vinnhorst. Wenn Hannovers Grundstücksangebote nicht gut sind, könnten es bald 750 weniger sein.Die Entscheidung soll in den nächsten Wochen fallen.

Garbsens Coup

Auch wenn das niemand offen zugibt: Im hannoverschen Rathaus soll kurz Schockstarre geherrscht haben. Da wagt es doch tatsächlich der kleine Nachbar Garbsen, öffentlich und lautstark seinen Hut in den Ring um die Continental-Standortsuche zu werfen – und will der Landeshauptstadt ein Dax-Unternehmen abspenstig machen. Frechheit?
Nein, keine Frechheit. Jede Kommune darf von ihrem Bürgermeister genau das erwarten. Dass er alles tut, um starke Unternehmen in sein Hoheitsgebiet zu holen; dass er die Ansiedlungsbedingungen verbessert; dass er öffentlich signalisiert: Wir haben Lust auf Arbeitsplätze, auf Innovationen, Gewerbesteuer. Insofern: Hut ab, Herr Grahl!
Natürlich ist vor allem wichtig, dass der Conti-Hauptsitz überhaupt in der Region bleibt. Für die Stadt Hannover aber wäre der Verlust des Konzernsitzes ein Desaster. Die Einbußen wären nicht nur finanziell schmerzhaft, sondern mindestens auch emotional. Deshalb muss die Stadt das Abwandern der Conti verhindern. Dafür muss sie mindestens ebenso gute Argumente haben wie Garbsen.

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