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Hannover reagiert auf Fahrrad-Boom

Fahrradfreundlichste Kommune Hannover reagiert auf Fahrrad-Boom

Auf Strecken von bis zu fünf Kilometern ist das Fahrrad das schnellste Verkehrsmittel. Auch die niedersächsischen Städte müssen sich auf immer mehr Radler einstellen. Dafür sollten sie mehr Geld ausgeben, meint der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club.

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Die Zahl der Radfahrer in Hannover soll steigen, die Zahl der Unfälle sinken.

Quelle: Martin Steiner (Archiv)

Hannover/Oldenburg. Statt morgens im Stau zu stecken oder sich in Bus und Bahn zu drängeln, steigen immer mehr Niedersachsen auf dem Weg zur Arbeit aufs Rad. Der Anteil der Fahrradfahrer am städtischen Verkehr zwischen Harz und Heide nimmt stetig zu, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab. Oldenburg ist dabei die Radfahrstadt Nummer eins, gefolgt von Göttingen und Braunschweig. Mit Aktionsplänen versuchen die Kommunen, der gestiegenen Zahl von Fahrradfahrern Herr zu werden und sie sicher ans Ziel kommen zu lassen. Aus Sicht des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) müsste allerdings noch viel mehr getan werden.

„In Niedersachsen haben Radfahrer einen Anteil von zwölf Prozent am Verkehrsaufkommen. Aber statt zwölf Prozent werden nur ein bis zwei Prozent des Verkehrsetats in die Radinfrastruktur investiert“, kritisierte der ADFC-Landesvorsitzende Volker Bandke. Wenn Politiker Niedersachsen als Fahrradland Nummer eins darstellen und damit werben, sollten sie den Worten auch Taten folgen lassen. Der ADFC setzt sich unter anderem für Radfahrstreifen direkt an der Fahrbahn ein, da hier Radler von Autofahrern meist viel besser gesehen werden als auf abgegrenzten schmalen und häufig holprigen Radwegen.

Hannover ist vor einem Jahr von einer Jury zu Niedersachsens fahrradfreundlichster Kommune gewählt worden. Was die Zahlen angeht, gehört Oldenburg zu Deutschlands Top-Fahrradstädten. Radler haben hier einen sagenhaften Anteil von 42,7 Prozent am Verkehrsaufkommen (Stand 2009). In Göttingen stieg ihr Anteil inzwischen auf 27 Prozent, in Lüneburg auf mehr als 22 Prozent (2007) und in Braunschweig auf 21 Prozent. Hannover will nach einem Ratsbeschluss bis zum Jahr 2018 den Radverkehrsanteil auf 25 Prozent steigern. 2002 waren in der Landeshauptstadt 13 Prozent mit dem Rad unterwegs, im Moment sind es geschätzte gute 15 Prozent. 13 Prozent radeln in Wolfsburg. Osnabrück hatte 2008 zwölf Prozent, geht aber von einer Steigerung aus. Das Bundesland Bremen zählt 25 Prozent.

Bis 2018 soll Zahl der Radunfälle halbiert werden

Im „Leitbild Radverkehr“ formuliert Hannover das Ziel, bis 2018 die Zahl der Radunfälle mit Schwerverletzten und Getöteten zu halbieren. „Einen solchern Masterplan gibt es unseres Wissens in anderen Großstädten bislang nicht“, sagte Stadtsprecher Andreas Möser. Das Trampeln ist zwar gesund, allerdings haben Radler in der Regel ein höheres Unfall- und Verletzungsrisiko als Autofahrer oder Fußgänger. Mit einer Reihe von Aktionen wie Aufklärungskampagnen an Schulen oder der Neugestaltung von besonders unfallträchtigen Punkten versuchen die Kommunen, Unfallzahlen zu senken.

So verunglückten in Hannover im vergangenen Jahr nach Polizeiangaben 887 Radfahrer (28,7 Prozent aller Verunglückten), 2008 waren es noch 1126. In Göttingen lag der Anteil ebenfalls bei knapp 29 Prozent, in Oldenburg bei 37 Prozent, in Osnabrück bei elf Prozent. Insgesamt wurden in Braunschweig der Polizei zufolge bei 8165 Unfällen 833 Menschen verletzt, davon waren 340 Radfahrer (40,8 Prozent aller Verletzten).

„Es ist ein Anstieg bei den Unfallzahlen ab dem Alter von zehn, elf Jahren festzustellen“, berichtete der Sprecher der Polizeidirektion Braunschweig, Wolfgang Klages. „Der Grund hierfür liegt unter anderem an längeren, nicht so bekannten Wegen, die die Kinder zu den neuen Schulen und zu neuen Freunden zurücklegen müssen.“

Fahrradlobbyist Bandke fordert, dass die von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen herausgegeben „Empfehlungen für Radverehrsanlagen“ in Niedersachsen verbindlich eingeführt werden. „Wenn über umweltfreundliche Verkehrspolitik gesprochen wird, hört man zurzeit nur „Elektroauto“. Das Elektroauto löst aber keine Verkehrsprobleme, das könnten allenfalls Elekrotfahrräder, die Pedelecs. Ein klares Bekenntnis der Politik zum Fahrrad steht aus.“

dpa

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