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Salafisten planen Zentrum in Hannover

Verfassungsschutz alarmiert Salafisten planen Zentrum in Hannover

Der Verein „Der Schlüssel zum Paradies“ lässt die Alarmglocken beim Verfassungsschutz läuten. Die Salafisten wollen Hannover zu einer Drehscheibe ihrer Aktivitäten ausbauen. Nach außen hin geben sie sich lammfromm. Die Behörden bezweifeln das. Am Sonnabend machte die Gruppe Werbung für ihr Anliegen in der City.

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In Hannovers Innenstadt verteilen Salafisten bereits jetzt regelmäßig Gratis-Exemplare des Korans.

Quelle: Kießler

Hannover. Der als fundamental-islamisch verrufene Verein „Schlüssel zum Paradies“ plant, ein Missionszentrum in Hannover zu eröffnen. Das kündigt die 2013 in Hannover gegründete Gruppe auf ihrer Internetseite an. In dem sogenannten Dawah-Zentrum wollen die Salafisten nach eigenen Angaben Infomaterial für Muslime und Nicht-Muslime herstellen sowie Unterricht für die Dawah (Ruf zum Islam) geben. „Das auf ihrer Internetseite angekündigte Dawah-Zentrum wäre eine neue Anlaufstelle für die salafistische Szene in Niedersachsen“, sagt Frank Rasche, Sprecher des Niedersächsischen Verfassungsschutzes. „Sie wäre geeignet, um die gegen die verfassungsmäßige Ordnung gerichtete Ideologie weiter zu verbreiten und neue Anhänger zu generieren.“

Seit 2011 beobachtet der Verfassungsschutz die salafistische Bewegung in Deutschland. Ihre ultrakonservativen Anhänger orientieren sich an ursprüngslichsten Form des Islam und streben die Errichtung eines Gottesstaates an, in dem nur die Gesetze des Korans gelten. Für dieses Vorhaben werben sie in ganz Deutschland um Anhänger.

Ob die Eröffnung des hannoverschen Missionszentrums wirklich kurz bevorsteht oder es sich nur um eine leere Ankündigung handelt, ist bisher unklar. Zwar schreibt der Verein auf seiner Internetseite, dass nach langer Suche eine geeignete Immobilie gefunden sei. Wo aber das neue Zentrum für „Schlüssel zum Paradies“ entstehen soll, wollte der Vorsitzende Dennis Rathkamp auch auf Anfrage der HAZ nicht sagen. Angeblich fehlen für die Anmietung der Räume nur noch Kaution und Maklerprovision in Höhe von 2000 Euro. Um diesen Betrag zusammenzubekommen, wirbt die Gruppe aktuell um Spenden.

Mit Hilfe des Geldes soll ein Zentrum entstehen, in dem künftig auch bekannte Salafisten-Prediger wie Pierre Vogel zu Muslimen und Nicht-Muslimen sprechen könnten. Schon für den 29. März ist eine Veranstaltung mit Abu Hamza, so lautet Vogels islamischer Name, und Sven Lau angekündigt. Lau, der mit Rathkamp im vergangenen Jahr die Gruppe „Schlüssel zum Paradies“ gründete, wurde jedoch vergangenen Monat in Mönchengladbach verhaftet. Der 33-Jährige soll Geld für den gewaltsamen Kampf gegen den syrischen Staat gesammelt haben. Er hatte einen ausrangierten Notarztwagen gekauft, mit dem zwei Männer offenbar versuchten, das restliche Bargeld nach Syrien zu schmuggeln – getarnt als humanitäre Hilfsfahrt.  Der ermittelnden Stuttgarter Staatsanwaltschaft zufolge war das Geld für eine dschihadistische Gruppierung  in Aleppo bestimmt.

Der Verfassungsschutz ordnet die etwa 300 Salafisten in Niedersachsen derzeit hauptsächlich dem politischen Salafismus zu, „der sich vor allem missionarisch und propagandistisch betätigt und Gewaltanwendung zur Erreichung der Ziele dem Grundsatz nach ablehnt“. Dennoch werde man die zukünftige Entwicklung des Vereins auch in Zukunft aufmerksam verfolgen, heißt es bei den Extremismusbeaobachtern.

Der hannoversche Verein kritisierte schon am Sonntag auf seiner Internetseite die öffentliche Aufmerksamkeit für das geplante Zentrum. Zweck der Berichterstattung in den Medien sei offenbar, den gefundenen „Vermieter auf uns aufmerksam zu machen, in der Hoffnung, dass dieser uns die geplante Räumlichkeit nun doch nicht mehr zur Verfügung stellt“, klagten die Initiatoren. Schon in der ursprünglichen Ankündigung über die Eröffnung des Dawah-Zentrums hatte der Verein von Problemen bei der Suche nach einer geeigneten Immobilie berichtet. Die scheinen nun gelöst zu sein.

Am Sonnabend verteilten fünf junge Männer Infomaterial an einem Stand in der Innenstadt gegenüber vom Hauptbahnhof. Das Verhalten der Hannoveraner gegenüber dem Verein habe sich durch die aktuellen Berichte über das neue Dawah-Zentrum nicht verändert, sagte einer der Männer. „Wir werden genauso angefeindet, wie in der Vergangenheit.“ Zu den Plänen für das Zentrum wurde auch im Infostand keine Auskunft erteilt.

Der Konvertit aus Peine

Dennis Rathkamp ist der Vorsitzende des hannoverschen Vereins „Der Schlüssel zum Paradies“. Gemeinsam mit Sven Lau hat Rathkamp, der erst 2010 zum Islam konvertierte, die Gruppe im vergangenen Jahr gegründet. Zuvor war der gelernte Automechaniker, der aus Hohenhameln im Kreis Peine stammt, nach Ägypten gereist. In Alexandria wollte er sich zu einem guten Muslim ausbilden zu lassen und Arabisch lernen.

Der 25-Jährige wuchs gemeinsam mit seiner jüngeren Schwester auf. Mit 14 wurde Rathkamp konfirmiert. Schon während des Unterrichts begann er, an seiner Religion zu zweifeln, berichtete er 2012 der HAZ. Er habe zeitweise überlegt, zum Katholizismus überzutreten,  den Gedanken jedoch wieder verworfen. Er machte den Realschulabschluss und begann eine Ausbildung zum Vermögensberater. Irgendwann trat er sogar in die SPD ein und überlegte, dort für ein Amt zu kandidieren.

Doch dann sah Rathkamp 2009 das YouTube-Video des salafistischen Predigers Pierre Vogel. Er bestellte sich den Koran. Nachdem er die Heilige Schrift des Islam gelesen hatte, beschloss er, Muslim zu werden. 2010 konvertierte er Glauben und nennt sich seitdem Abd al-Malik, Diener des Herrn. Bereits 2012 verteilte Rathkamp in der hannoverschen Innenstadt kostenlos Korane an Passanten. Anfang 2013 reist er nach Ägypten, wo er bei Sven Lau, dem Kopf der salafistischen Bewegung in Deutschland, unterkommt. Später in diesem Jahr gründen die beiden den Verein „Der Schlüssel zum Paradies“ in Hannover.

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