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Historie

1992 scheiterte das Projekt „Leinesee“

War es Phantasielosigkeit? War es knallharter Realismus? Vor knapp 20 Jahren wurde in Hannover eine ganz ähnliche Idee schon einmal heiß diskutiert – und am Ende verworfen. Damals ging es um den geplanten „Leinesee“, der sich allerdings nicht nordwestlich von Hannover, sondern im Süden erstrecken sollte.

Und das Projekt war mit rund 550 Hektar auch nur halb so groß.

Auch damals schon war Peter Grobe der Impulsgeber. Der Architekt, dessen jahrzehntelanger Hartnäckigkeit Hannover faktisch den aktuellen Wiederaufbau von Schloss Herrenhausen zu verdanken hat und der mit der – letztlich gescheiterten – Idee einer Überdachung der Großen Packhofstraße immer wieder die öffentliche Diskussion bestimmte, präsentierte 1991 ganz unspektakulär seine Idee bei einem Symposium der Industrie- und Handelskammer (IHK).

„Neben Grobes Leinesee macht sich der altbekannte Maschsee wie ein kleiner Vetter aus“, schrieb damals die HAZ. 6,6 Kilometer lang und 800 Meter breit sollte sich der neue See bis zur Ortschaft Harkenbleck hinziehen – das wäre dreimal so groß wie der Maschsee (78 Hektar) oder doppelt so groß wie die Außenalster. Umgerechnet etwa 25 Millionen Euro solle der Aushub kosten, rechnete Grobe damals vor. Mit der Erde wollte er Aussichtsterrassen modellieren, an den neuen Ufern sollten Siedlungen mit klingenden Namen wie „Wülfeler Grachten“ entstehen.Das Ganze sollte auch ein Vorzeigeprojekt zur Weltausstellung Expo 2000 werden, entsprechend war südlich von Hemmingen eine „Expo City West“ mit Seetheater und einer Art Tower-Bridge in Richtung Messe konzipiert – sie hätte die Wilkenburger Straße ersetzt. Die Döhrener Brückstraße wäre den Plänen zum Opfer gefallen. Die Ideen stießen zunächst auf ein gemischtes Echo. Laatzens Stadtdirektor Gottfried Gensch fand den Plan „ökologisch nicht sinnvoll.“ In Pattensen begrüßte Stadtdirektor Detlev Storz den Plan als „außerordentlich interessante und visionäre Angelegenheit“. Der heutige Sozialdezernent der Region, der damalige Landtagsabgeordnete Erwin Jordan (Grüne), spottete, Grobe könne auch gleich noch die Passerelle unter Wasser setzen. Wilfried Prewo, damals wie heute IHK-Hauptgeschäftsführer, sicherte „volle Unterstützung“ zu, weil das Projekt „richtungsweisend für die künftige Stadtentwicklung“ sei. Elf Millionen Kubikmeter Boden hätten ausgehoben werden müssen – für die örtliche Bauindustrie eine gigantische Auftragsmaschine. Das hatte Grobe bereits einkalkuliert: Seiner Planung zufolge sollte die Industrie das Projekt finanzieren und sich das Geld später über den Verkauf lukrativer Ufergrundstücke und Wassersiedlungen wieder hereinholen.

Doch dazu kam es nicht. Hemmingen meldete scharfen Protest an: Um den Höhenunterschied zum hannoverschen Gebiet auszugleichen, seien Böschungen von 17 Meter Höhe nötig, kritisierte der damalige Bauamtsleiter Werner Schillberg. Zudem werde der Grundwasserspiegel durch das Projekt erheblich abgesenkt: „Das funktioniert aus hydrologischen Gründen nicht“, sagte Schillberg. „Völliger Unsinn“, sagt Planer Grobe dazu noch heute. Hannovers langjähriger Gärtenchef Kaspar Klaffke argumentierte mit Expo-Grundsätzen gegen das Expo-Projekt: Ein riesiger künstlicher See sei „kein Beitrag zu dem Ziel, in Hannover selbst den schonenden Umgang mit der Umwelt glaubwürdig zu demonstrieren“. Bis auf vereinzelte Segler sprachen sich auch die meisten Zeitungsleser in seitenlangen Leserzuschriften gegen das Projekt aus. Am Ende fand es keine politische Mehrheit.

med

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