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Hannover sterben die Traditionsgeschäfte weg

Einzelhandel Hannover sterben die Traditionsgeschäfte weg

Erst Lederwaren Risse,
 dann Fisch Hampe, jetzt die Fleischerei Eikemeier –
 Hannover verliert zunehmend seine Traditionsgeschäfte. Wird der Einzelhandel
 künftig austauschbar?

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„Immer noch schwer zu verkraften“: Hans-Hermann Eikemeier schließt seine Fleischerei. 

Quelle: Villegas

Hannover. Fleischereien, Fischgeschäfte, Lederwarenhandlungen: Immer wieder schließen in diesen Tagen hannoversche Traditionsgeschäfte. „Wir erleben einen ziemlich heftigen Strukturwandel im Bereich Demografie und Technologie“, sagt Monika Dürrer, Geschäftsführerin des Handelsverbands. Der „extrem scharfe Wettbewerb“ treffe vor allem kleine und mittelständische Betriebe.

Jüngstes Beispiel: die Fleischerei Eikemeier am Fiedelerplatz in Döhren. Zwar bleibt der Partyservice am neuen Standort in der Seligmannallee (Bult) weiter bestehen. Doch in der Metzgerei ist nach 103 Jahren und in dritter Generation jetzt Schluss für Hans-Hermann Eikemeier. „Die Entscheidung ist mir äußerst schwer gefallen und immer noch schwer zu verkraften“, sagt der 73-Jährige. Der 73-Jährige hat schlichtweg keinen Nachfolger gefunden.

Erst Mitte März hatte mit Fisch Hampe am Lindener Schmuckplatz ein Traditionsbetrieb seine Türen schließen müssen. Zuvor befand sich in dem Haus seit 1906 ein Fischgeschäft, seit 59 Jahren in den Händen der Familie Hampe. Und auch vor dem ältesten Geschäft Hannovers macht der Wandel nicht Halt: Lederwaren Rissmann an der Marktkirche existierte seit 1735, nach 281 Jahren wurde im Dezember 2016 das letzte Mal geöffnet.

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Viele Traditionsgeschäfte in Hannover schließen. Lässt sich der Trend aufhalten?

Beim Handelsverband kennt man die Probleme der alteingesessenen Händler gut. Die Kunden wichen auf große Shoppingcenter aus oder kaufen im Internet - und beklagten sich dann darüber, dass die Stadtteile „immer uniformer“ würden, sagt Dürrer. „Doch sie alle haben den Tante-Emma-Laden nicht gerettet.“ Dabei sei bei vielen die Nachfolger-Frage ein kritischer Punkt. „Viele Söhne und Töchter kennen den Aufwand und die Entbehrungen von ihren Eltern“, sagt Dürrer. „Das wollen einige nicht.“

Auch im Fall der Traditionsfleischerei Eikemeier hätte es eigentlich eine vierte Generation gegeben. Doch die Töchter Julia und Tanja beschränken sich stattdessen auf den 2016 von ihnen gegründeten Partyservice. „Gerne hätte ich eine Unternehmensnachfolge vorgestellt, das war aber leider nicht realisierbar“, sagt Hans-Hermann Eikemeier.

In den vergangenen Jahren haben einige inhabergeführte Fachgeschäfte, die in Hannover eine lange Tradition haben, aufgegeben. Eine Übersicht.

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Auch Stefan Orlow, in dritter Generation Inhaber von Schuhe Orlow am Steintor, spürt die Konkurrenz aus dem Internet. Doch statt aufzugeben, mischt er online mit - „sonst bist du bald weg“. Zudem gibt das Traditionsgeschäft Ende des Jahres seinen Sitz am Steintor auf und zieht in die Georgstraße um. „Das Umfeld hat sich verändert“, sagt Orlow, „dazu kommt die Baustelle in der Kurt-Schumacher-Straße.“ Übernächstes Jahr wird der Betrieb 100 Jahre alt. „Auch wir merken, dass die Kundenfrequenz zurückgeht“, sagt Orlow.

Und auch wenn Stefan Orlow das Geschäft seines Großvaters noch einige Jahre weiterführen will, denkt der 49-Jährige bereits gelegentlich an die Nachfolger-Frage. Sein Sohn Alexander studiere Physik und gehe demnach wahrscheinlich in eine andere berufliche Richtung. Aber Tochter Alina stehe kurz vor dem Abitur „und hat bereits Interesse bekundet“, sagt Stefan Orlow.

Von Peer Hellerling

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