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Hannover will Shows mit wilden Tieren verbieten

Plan der rot-grünen Ratsmehrheit Hannover will Shows mit wilden Tieren verbieten

Die rot-grüne Ratsmehrheit in Hannover will ein Verbot von Wildtiershows auf öffentlichen Plätzen erreichen. In der kommenden Ratssitzung will Rot-Grün einen entsprechenden Antrag einbringen. Der Zirkus Charles Knie, der derzeit in der Stadt gastiert, kritisiert den Vorstoß. Keiner der Politiker habe sich vor Ort ein Bild von der Lage gemacht.

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Tiertrainerin Laura vom Zirkus Charles Knie hat ihren Patagonischen Seelöwen Flappy seit 16 Jahren. In Hannover können beide möglicherweise bald nicht mehr auftreten.

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Elefanten, die Männchen machen, Seelöwen, die Bälle balancieren - solche Zirkuseinlagen könnten in Hannover bald der Vergangenheit angehören. SPD und Grüne dringen auf ein Auftrittsverbot für Zirkusse mit Wildtieren auf allen öffentlichen Plätzen in Hannover. „Die Stadtverwaltung soll uns einen Vorschlag unterbreiten, wie das möglich wird“, sagt Grünen-Wirtschaftsexpertin Elisabeth Clausen-Muradian. Ein Auftrittsverbot sei im Sinne des Tierschutzes unbedingt notwendig. Die SPD trägt die Forderung der Grünen mit, drückt aber sanft auf die Bremse. „Wir wollen vor allem eine rechtssichere Lösung“, sagt SPD-Finanzexperte Jens Menge. Kommende Ratssitzung soll der gemeinsame Antrag eingebracht werden. Bereits am Freitag forderte Ratsherr Alexander Leineweber (parteilos) im Wirtschaftsausschuss, kommunale Flächen nicht an Zirkusse mit Wildtieren zu vermieten. Die Entscheidung wurde vertagt.

Ein Platzverbot für bestimmte Zirkusse ist eine heikle juristische Angelegenheit. Städte wie Darmstadt und Chemnitz haben sich daran versucht, doch nach Klagen von Zirkussen haben Gerichte die Verbote wieder gekippt. Andere Städte wie Köln und Siegen haben Tiershows erfolgreich von ihren Plätzen verbannt. Ein juristisches Mittel, Bären und Elefanten fernzuhalten, ist eine Widmungsbeschränkung für öffentliche Plätze. Darin muss festgelegt sein, auf welchen Plätzen welche Arten von Tierdarbietungen untersagt sind.

Für die Grünen in Hannover steht fest: „Die Widmungsbeschränkung sollte für alle Plätze gelten“, sagt Clausen-Muradian. Hunde, Katzen, Kaninchen und Ponys müsse man von der Regelung ausschließen. Auch sei zu gewährleisten, dass der Zoo Hannover, der ebenfalls Shows mit Wildtieren anbietet, nicht unter das Verbot falle. „Wir brauchen klare Formulierungen. Darüber muss sich die Verwaltung Gedanken machen“, sagt die Juristin.

Beim Zirkus Charles Knie, der auf dem Schützenplatz noch bis einschließlich Dienstag gastiert, löst die Initiative aus der Ratspolitik heftigen Widerspruch aus. „Wir finden es unmöglich, dass Politiker in Hannover ein Wildtierverbot vorantreiben, aber uns nicht einmal einen Besuch abstatten und sich vor Ort informieren wollen“, sagt Zirkussprecher Patrick Adolph. Charles Knie gehört zu den größten Zirkussen in Europa und hat mehrere Tierdressuren im Programm, unter anderem mit Kamelen, Zebras und Seelöwen. „Der zuständige Amtsveterinär hat in Hannover, wie zuvor in jeder Gastspielstadt, die Tierhaltung bei uns kontrolliert und nichts beanstandet“, betont Adolph. Das Publikum schätze die Tierdarbietungen, alle bisherigen Vorstellungen in Hannover seien sehr erfolgreich gewesen. Er berichtet von zwei kleinen Demonstrationen von Tierschützern vor dem Zirkuszelt.

Mit ihren Initiativen für ein Auftrittsverbot stehen die Kommunen nicht allein. Der Bundesrat fordert die Bundesregierung auf, per Rechtsverordnung das Halten von Wildtieren in Zirkussen zu untersagen. „Das Verbot soll insbesondere für Affen, Elefanten, Großbären, Giraffen und Flusspferde gelten“, heißt es im Antrag des Bundesrats. Weil es Tiere gibt, die lange Zeit in menschlicher Gesellschaft verbracht haben und nicht ausgewildert werden können, müsse es Übergangsfristen geben. Wie sich die Bundesregierung entscheidet, bleibt abzuwarten.

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