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Aus der Stadt Was Hannovers neuer Kämmerer alles können muss
Hannover Aus der Stadt Was Hannovers neuer Kämmerer alles können muss
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00:16 05.03.2017
Von Andreas Schinkel
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Hannover

Wer das Geld hat, hat die Macht - nimmt man den bekannten Spruch für bare Münze, müsste das Amt des Finanzdezernenten der einflussreichste Posten in der hannoverschen Stadtverwaltung sein. Steht also der scheidende Kämmerer Marc Hansmann (SPD) noch über dem Verwaltungschef, Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD)? Die Wirklichkeit ist komplizierter. Und auch deshalb ist es derzeit so schwierig, den richtigen Kandidaten zu finden.

Der Kämmerer ist formell nur einer von sechs Dezernenten in der Führungsriege des Rathauses, und doch nimmt er als Hüter der Finanzen eine hervorgehobene Stellung ein. Ein Kämmerer muss diplomatisch vorgehen, ein offenes Ohr für die Wünsche und Probleme seiner Kollegen im Rathaus haben, ein Vertrauensverhältnis mit dem OB aufbauen, gute Kontakte zur Ratspolitik pflegen, aber auch klare Kante zeigen, wenn das Wunschkonzert zu kostspielig wird. Dieser Balanceakt ist Teil des Jobs.

Der aktuelle Finanz- und Ordnungsdezernent wechselt am 1. April in den Vorstand der Stadtwerke. Ende April wählt der Rat auf Vorschlag von Schostok einen Nachfolger. Doch schon Wochen vorher sollte klar sein, wer von den 31 Bewerbern auf die Stellenausschreibung vor dem Rat stehen wird. Es gehört zum guten Ton, dass der Neue eine Runde durch die Fraktionen dreht und sich vorstellt.

Gespräche laufen noch

Dem Vernehmen nach muss die Stadtspitze aber noch mehrere Gespräche mit Bewerbern führen. Der Zeitplan sei nicht in Gefahr, heißt es aus Rathauskreisen. Dennoch zeichnet sich ab, dass es einen Nachfolger nicht im Schnellverfahren gibt. Das sei auch nicht schlimm, sagen Ratspolitiker.

Ein Kämmerer muss sich mit Zahlen auskennen, so viel steht fest. Schließlich besteht seine Hauptaufgabe darin, den Haushalt zu erstellen, ein Konvolut mit Hunderten Seiten und einem Finanzvolumen von mehr als zwei Milliarden Euro. Dabei muss er auch ein Ohr für die Wünsche aus der Ratspolitik haben, vor allem aus den Mehrheitsfraktionen. Und er muss Nein sagen können, wenn die Ausgabenwünsche zu groß werden, darin sind sich selbst Kommunalpolitiker einig. „Der Kämmerer ist ein Korrektiv, auch für den Oberbürgermeister“, sagt CDU-Fraktionschef Jens Seidel. Die Beziehung zwischen Kämmerer und OB ist nicht einfach. Hansmanns Vorgänger, Stephan Weil, hatte nicht selten Differenzen mit seinem damaligen Chef, Herbert Schmalstieg. Auch das Verhältnis zwischen Hansmann und Schostok war anfangs nicht immer harmonisch - vorsichtig ausgedrückt. Das Betriebsklima hat sich nun deutlich verbessert. Beide stehen hinter dem langfristigen Investitionsprogramm, das zugleich die Verschuldung der Stadt hochtreibt.

Gesucht: Ein starker Kämmerer

Und dann ist da noch das Machtgefüge im Rathaus. Der erfahrene Hansmann, letzter verbliebener Dezernent mit SPD-Parteibuch, hinterlässt in der Führungsriege eine beträchtliche Lücke. Großer Einfluss auf OB Schostok werden seinem Büroleiter Frank Herbert und Personaldezernent Harald Härke nachgesagt. Baudezernent Uwe Bodemann lässt sich nicht gerne in seine Arbeit hineinreden, Umwelt- und Wirtschaftsdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette hat mit ihrem Bereich mehr als genug zu tun. Rita-Maria Rzyski (Bildung) und Konstanze Beckedorf (Soziales) sind noch nicht lange im Amt und beschränken sich bisher auf ihre Jobs.

„Ein Kämmerer darf nicht nur Zahlenhuber sein, sondern muss politisches Gespür haben“, sagt Grünen-Finanzexpertin Renee Steinhoff. Hansmann etwa war als Vermittler gefragt, als sudanesische Flüchtlinge ein Protestcamp auf dem Weißekreuzplatz errichteten.Ganz nebenbei ist der Kämmerer für viele Mitarbeiter zuständig: Rund 200 unterstehen ihm im Finanzbereich. Hinzu kommt die Ordnungsbehörde mit etwa 600 Mitarbeitern, deren Aufgabenbereich vom Ausstellen von Personalausweisen bis zur Waffenkontrolle reicht.

Welche Aufgaben warten auf den Neuen?

Der Nachfolger von Finanzdezernent Marc Hansmann (SPD) befindet sich in einer komfortablen Lage. Im Doppelhaushalt sind alle Einnahmen und Ausgaben für zwei Jahre festgelegt, das Investitionsprogramm steht und im Rat entwickelt sich die Ampel-Mehrheit (SPD, Grüne, FDP) zu einem festen Bündnis. Hansmanns Nachfolger dürfte als Ordnungsdezernent mehr zu tun bekommen. Die Sonntagsöffnungen sind noch immer ein Streitthema zwischen Händlern und Gewerkschaften, bei dem das diplomatische Geschick des Dezernenten gefragt ist. Die Sicherheit und Ordnung auf Hannovers Plätzen, insbesondere auf dem Raschplatz, wird Hansmanns Nachfolger weiter beschäftigen. Mit dem heraufziehenden Wahlkampf dürfe das Thema Sicherheit weiteren Schwung bekommen.

asl

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