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Hannover trifft sich zum Krimifest

Mord ist ihr Bier Hannover trifft sich zum Krimifest

Hier hält man auf Tradition: Im „Fiasko“ sitzen fünf Autoren, vor jedem steht ein Glas Bier. Okay, manch eines dieser Getränke ist alkoholfrei, doch es handelt sich um Bier - eben so, wie sich das für einen Stammtisch gehört.

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Gutgelaunte Krimispezialisten: Susanne Mischke, Cornelia Kuhnert, Egbert Osterwald, Karola Hagemann und Christian Oehlschäger (v.l.).

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. Und der tagt an diesem spätsommerlichen Dienstagabend in der Lindener Kneipe an der Wilhelm-Bluhm-Straße. Es ist das letzte Zusammentreffen vor dem hannoverschen Krimifest, das am Montag beginnt und bei dem die meisten der Stammtischautoren lesen.

„Schon ewig“ träfen sie sich in dieser Runde, sagt Susanne Mischke, „bestimmt schon zehn Jahre.“ „Na ja“, meint Karola Hagemann, „der Beginn unserer Runde liegt etwas im Dunkeln.“ Irgendwann hätten die hannoverschen Autoren, die Krimis veröffentlichen, beschlossen, sich einfach mal zu treffen. Zumindest jene, die dem „Syndikat“, der Gruppe deutschsprachiger Krimiautoren, angehören. Jetzt sitzen Susanne Mischke, Cornelia Kuhnert, Karola Hagemann, Egbert Osterwald und Christian Oehlschläger um den kleinen, runden Kneipentisch.

Dass für Karola Hagemann zehn Jahre nicht gleichbedeutend mit „ewig“ sind, hängt womöglich mit ihrem Metier zusammen: Ihre Krimis spielen in der Römerzeit. Wer sich 2000 Jahre zurückdenkt, hält ein Jahrzehnt für einen eher kurzen Zeitraum. Hagemann wohnt um die Ecke; die anderen haben einen etwas weiteren Weg ins „Fiasko“. Kuhnert und Oehlschläger, die in Burgwedel leben, kommen gern regelmäßig nach Linden, in die Stadt. Bei ihrem Stammtisch hätten sie eine „gute Balance“, meint Oehlschläger, „wir reden über unsere Arbeit, aber auch über Gott und die Welt.“

Die fünf machen einen entspannten Eindruck. Gibt es keine Konkurrenzen? „Nein, die Claims sind abgesteckt“, sagt Oehlschläger. Seine Krimis spielen im Jäger-Milieu, Hagemann kümmert sich ums Historische, und Kuhnerts neue Reihe ist in Ostfriesland angesiedelt.

Der Stammtisch wirkt wie ein eingeschworener Klub, in dem die Rollen klar verteilt sind. Susanne Mischke ist, zumindest an diesem Abend, die Witzig-Kokette, Kuhnert die Analytische, Oehlschläger ergreift oft das Wort. Und Osterwald mutet ein bisschen wie der „Elder Statesman“ der Runde an. In gewisser Weise ist er das auch: Vor 20 Jahren hat er den ersten Hannover-Krimi, „Eisvogel, flieg“, geschrieben.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich der Regionalkrimi zu einem wichtigen Genre und Umsatzbringer im Buchmarkt entwickelt. Die fünf Autoren haben ihren Anteil daran - nicht nur mit ihren Romanen, sondern auch mit vielen Texten für Anthologien wie „Ein Bier, ein Wein, ein Mord“ und mit zahlreichen Lesungen, die sie jeder für sich und oft auch gemeinsam bestritten haben. „Die klassische Lesung ist out“, sagt Oehlschläger. Man müsse besondere Orte auswählen oder besondere Formate entwickeln, um Publikum zu locken.

Bei allem Erfolg, den die fünf erzielt haben - Cornelia Kuhnert sagt auch: „Man muss schon kämpfen.“ Es werde viel auf den Markt geworfen, ergänzt Susanne Mischke. Und wie sie das sagt, meint sie: zu viel, viel zu viel.

Mischke lebt vom Schreiben, die anderen haben oder hatten einen Brotberuf. Karola Hagemann ist für Fort- und Weiterbildung beim Landeskriminalamt Niedersachsen zuständig, Oehlschläger arbeitet als Förster, und Osterwald ist pensionierter Gymnasiallehrer.

Die „Fiasko“-Runde gehört zur Ü 50-Generation. Krimiautoren, sagt Osterwald, seien selten ganz jung. „Nachwuchsautoren“, meint Cornelia Kuhnert, „schreiben eher Autobiografisches.“ Fehlen der Runde nicht manchmal Neuzugänge? „Wir betreiben keine Stammtisch-Akquise“, sagt Susanne Mischke etwas schnippisch. Für Mord und Totschlag braucht es wohl eine gewisse Lebenserfahrung.

Mörderische Lesungen

Krimineller und größer: Das fünfte Krimifest bietet vom 14. September bis zum
1. Oktober 43 Veranstaltungen in Hannover und Region. Mit gut 5000 Besuchern rechnet Volker Petri, Leiter von Decius an der Marktstraße. Decius und Hugendubel haben, gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartnern, das Festival organisiert. Literaturkritikerin Margarete von Schwarzkopf ist, neben Polizeipräsident Volker Kluwe, „Pate“ beim Krimifest. Die wichtigsten Veranstaltungen, für die es noch Tickets gibt, im Überblick:

16. September, 20 Uhr: Susanne Mischke bei Decius in Laatzen.
17. September, 20.30 Uhr: Christian Oehlschläger im Himmler Hagebaumarkt, An der Weide 12.
18. September, 16 Uhr: „Mit dem GPS auf Agentensuche“, Treffpunkt: Opernplatz.
18. September, 20 Uhr: Åke Edwardson im Pavillon.
23. September, 18 Uhr: Krimineller Stadtspaziergang, Treffpunkt: Neustädter Kirche.
24. September, 18 Uhr: Kriminelles Speeddating, Brauerei Herrenhausen.
25. September, 20 Uhr: Arno Strobel im Central-Hotel Kaiserhof.
27. September, 18 Uhr: Krimitheater spielt Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“, Werkstatt Galerie Calenberg.

Mehrere Lesungen sind bereits ausverkauft. Infos unter: www.krimifest-hannover.de

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