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Hannover will Sitz von Internet-Institut werden

Bewerbung Hannover will Sitz von Internet-Institut werden

Die Landeshauptstadt Hannover rechnet sich gute Chancen aus, das geplante neue Deutsche Internet-Institut und damit Wissenschaftler aus der ganzen Welt nach Niedersachsen zu holen. Es soll sich Fragen rund um Recht, Ethik und wirtschaftlicher Zukunft einer Gesellschaft mit Robotern und autonom fahrenden Autos widmen.

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Blick in Richtung City: Auf dem Parkplatz an der Kreuzung Appelstraße/Schneiderberg sollen Hochschulgebäude entstehen - im Falle eines Zuschlags auch das geplante Internet-Institut.

Quelle: Samantha Franson

Hannover. Hannover will Standort des vom Bundeswissenschaftsministerium geplanten Deutschen Internet-Instituts werden - und ist bei der Bewerbung unter den fünf Finalisten. Das Institut, das zur Leibniz-Uni gehören würde, hat ein so spannendes wie hohes Ziel: Es soll den gesellschaftlichen Wandel durch das Internet erforschen.
Dabei soll die Einrichtung kein Elfenbeinturm für Computer-Nerds werden, sondern vielmehr dazu beitragen, die Digitalisierung besser zu verstehen und zum Wohle der Gesellschaft einzusetzen, wie Sibylle Quenett vom Bundeswissenschaftsministerium betont. Hannover hat gute Chancen, den Zuschlag für das Projekt zu erhalten, das vom Bund über fünf Jahre mit 50 Millionen Euro gefördert wird.  Bis zum 1. März muss das zuständige niedersächsische Konsortium L3S - eine gemeinsame Einrichtung der Metropolregion Hannover, Braunschweig, Göttingen, Wolfsburg - eine erneute Bewerbung einreichen. Vier weitere Projekte aus Berlin, München, Karlsruhe und Bochum bewerben sich um das Prestigeobjekt.

Das Internet-Institut soll den rechtlichen, ethischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Aspekten des digitalen Wandels auf den Grund gehen. Erforscht werden sollen etwa Datenschutz und Urheberrecht, Wissensverbreitung oder der Missbrauch des Internets durch Extremisten und Populisten.

Der Gedanke dahinter: Das Leben hat sich durch das Internet nachhaltig verändert - und das so schnell, dass die Gesellschaft oft noch nicht hinterhergekommen ist. „Viele rechtliche oder ethische  Fragen um Roboter oder autonom fahrende Autos sind ungeklärt“, sagt der Leiter des Bewerber-Konsortiums, Prof. Wolfgang Nejdl. In Zeiten von Big Data und Fake-News sei es besonders wichtig, die Bürger in digitale Entwicklungen einzubeziehen. Zudem gelte es, bei der Weiterentwicklung des Internets Rückstände aufzuholen.

Das Konsortium hat auch bereits Immobilien für das Projekt im Visier. „Für den Übergang würden wir ein Gebäude mieten, das sehr zentral zwischen Stadtmitte und Universität liegt“, sagt Nejdl. Langfristig könne ein Institut mit rund 3000 Quadratmetern auf dem Areal Appelstraße/Schneiderberg errichtet werden, für das die Planung für Hochschulbauten bereits laufe.

„Hier passiert schon einiges“

Absolutes Neuland in Sachen digitaler Forschung würde die Stadt mit dem Internet-Institut nicht betreten. „Hier passiert schon einiges an Forschung zu allen möglichen Phänomenen, die das Internet bringt“, betont Holger Bleich vom Computermagazin „c’t“. Das Forschungszentrum L3S etwa treibe die Entwicklung des Word Wide Web voran. Direkt an der Leibniz-Universität findet sich zudem das Institut für Rechtsinformatik, dessen Expertise etwa zum Datenschutz- und Urheberrecht im Internet sehr gefragt ist. Bleich hält viel von der Idee, einen Thinktank einzurichten, in dem Wissenschaftler aus vielen Disziplinen zur Digitalisierung forschen. Auch Oberbürgermeister Stefan Schostok hält Hannover für den idealen Standort: „Auch Hannover selbst macht sich auf dem Weg zur digitalen Stadt: in der Forschung, der Kreativwirtschaft, in einer wachsenden Start-up-Szene und in der Verwaltung selbst“, sagt er.Professoren aus unterschiedlichen Fachrichtungen wie Medizin, Jura, Maschinenbau, Germanistik oder Informatik sollen dann künftig am Internet-Institut forschen. 45 davon arbeiten schon jetzt in entsprechenden Disziplinen an der Leibniz-Universität, dazu kämen 20 neue Stellen und 150 weitere wissenschaftliche Mitarbeiter. Im Frühsommer wird die Entscheidung für den Standort fallen, mit der Arbeit soll 2018 begonnen werden.

Nachgefragt bei...

...Prof. Wolfgang Nejdl, dem Leiter des Bewerber-Konsortiums

Herr Prof. Nejdl, wo sollen die Schwerpunkte des neuen Internet-Instituts liegen?

Alle Belange rund um das Internet sind relevant. Ob in puncto  Roboter und Zukunft der Arbeit, Medizin und des personalisierten Patienten, intelligenter Mobilität oder auch Demokratie in Zeiten von Fake-News. Die Digitalisierung nimmt einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft ein, diese Entwicklung und deren Auswirkungen auf Politik, Wirtschaft und Recht sollen stärker erforscht werden.

Wie würde sich ein Team im Internet-Institut zusammensetzen?

Soziologen, Psychologen, Juristen, Mediziner, Maschinenbauer und natürlich Informatiker werden dabei sein. Aber auch Germanisten, die sich mit dem Thema Social Media in der Kommunikation auseinandersetzen. In jedem Fall muss das Thema Digitalisierung raus aus dem Elfenbeinturm. Wir wollen Ansprechpartner für Industrie, Politik und vor allem auch Bürger sein.

Wie stehen Ihrer Meinung nach die Chancen, dass Hannover den Zuschlag erhält?

Ich denke unsere Chancen stehen gut. Schließlich verfügt die Leibniz Universität bereits seit 15 Jahren über ein Forschungszentrum für digitale Bildung, das unlängst um die Schwerpunkte Internet und Web Science erweitert wurde. Die Forscher entwickeln hier innovative Technologien, die einen nahtlosen Zugang zu Informationen im Web ermöglichen sowie das Internet mit der realen Welt und ihren Institutionen verbinden. Wir greifen also auf reichlich Erfahrung zurück, und sind mit einem 8-Millionen-Euro-Jahresbudget auch sehr gut aufgestellt. Ein Zuschlag würde den Standort Hannover daher noch weiter stärken.

Interview von Susanna Bauch

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