Hannover. Vertreter der Piratenpartei traten gestern im Umweltaussschuss auf die Bremse und vertagten die Entscheidung. „Wir wollen uns zunächst informieren, ob die neuen Preise für Urnenbeisetzungen wirklich angemessen sind“, sagte Piraten-Fraktionschef Dirk Hillbrecht. Zu bedenken gelte es, dass Urnenbestattungen in Hannover stark nachgefragt werden.
Eigentlich hat der Rat bereits vor drei Jahren sein Plazet zur Gebührenerhöhung gegeben, da sie Teil des Sparpakets war, das die Verwaltung 2009 vorgelegt hatte. Das Sparprogramm erstreckt sich über drei Jahre und überlappt sich in diesem Jahr mit dem neuen Konsolidierungspaket, über das der Rat Ende Februar entscheiden muss. „Das heißt aber noch lange nicht, dass wir die Entscheidungen des alten Rates ungeprüft mittragen“, wendet Hillbrecht ein. Den neuen Ratsmitgliedern müsse Gelegenheit gegeben werden, sich sorgfältig mit der Gebührenerhöhung zu beschäftigen, meint er.
Die Stadt geht davon aus, durch den Preisanstieg Mehreinnahmen von 190.000 Euro zu erzielen. Diese Rechnung geht allerdings nicht auf, wie in der Ausschusssitzung bemängelt wurde. Wenn die Stadt für das laufende Jahr 2000 Urnenbestattungen prognostiziert, wie aus ihrer Kalkulation hervorgeht, kommt sie bei einer Preiserhöhung von 25 Euro pro Urnenbeisetzung auf einen Ertrag von lediglich 50.000 Euro. „Woher kommen denn die fehlenden 140.000 Euro?“, wollte ein Bürger in der Einwohnerfragestunde des Ausschusses wissen. Man gehe davon aus, hieß es vonseiten der Friedhofsverwaltung, dass die Hannoveraner bei der Urnenbestattung auf „höherwertige Angebote“ zurückgriffen. Im Klartext: Die Stadt vertraut darauf, dass die Hannoveraner teurere Urnen kaufen – bei gestiegenen Gebühren.
„Die ganze Kalkulation ist eine Luftnummer“, ärgerte sich FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke. Da die Entscheidung nun ohnehin vertagt sei, könne die Rechnung noch einmal geprüft werden, sagte Umweltdezernent Hans Mönninghoff (Grüne).
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