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Abschied von Robert Enke

Hannover wird zum Ort der Trauer


Andächtiges Schweigen: Auch rund um das Stadion und in der Innenstadt nahmen Menschen von nah und fern leise Abschied von Robert Enke, dem 96-Kapitän und Torwart der Nationalmannschaft und dem Idol und Vorbild für viele.
Trauer am Stadion um Robert Enke.

Trauer am Stadion um Robert Enke.

© lni

Auf den ersten Blick ist es wie immer. Nachdem in der AWD-Arena die Scheinwerfer ausgegangen sind, zieht es viele Stadionbesucher hinüber in die „Nordkurve“. Doch sind es an diesem Tag weder Siege noch Niederlagen, die bei einem Bier in der Fankneipe diskutiert werden. Es sind die Erinnerungen an einen großartigen Torwart, von denen sich die Menschen nach der Trauerfeier erzählen. Und wo sonst nach Bundesligaspielen noch lange geschimpft oder gejubelt wird, ist es auffällig still. Aus den Musikboxen klingen leise traurige Melodien. Über die Bildschirme flackern Schwarz-Weiß-Fotos des verstorbenen 96-Profis, der erst vor wenigen Minuten im Sarg aus dem Stadion getragen wurde.

Auch Jürgen Hanisch und Uwe Scholz sitzen bei einem Bier in der 96-Kneipe zusammen und erzählen sich von Robert Enke. Und das an einem Ort, an dem sich die beiden Braunschweig-Fans nach einem Eintracht-Gastspiel ansonsten nicht aufhalten würden. „Das spielt heute keine Rolle“, sagt Hanisch. Bei so einer Tragödie gebe es keine Rivalitäten. „Wir sind gekommen, um einen großartigen Menschen und Torwart zu ehren.“ Die Männer in 96-Schals drumherum nicken zustimmend. „Schön, dass ihr da seid“, sagt einer von ihnen.

So wie Hanisch und Scholz sind an diesem Trauertag Fußballfans nicht nur aus der Region, sondern auch aus der ganzen Republik gekommen. Viele von ihnen stehen schon in den frühen Morgenstunden vor den Stadiontoren. Auf dem Vorplatz am Stadion tragen sich Anhänger mit Trikots in den verschiedensten Vereinsfarben in die Kondolenzbücher ein. Zwischen den unzähligen Kerzen vor der Geschäftsstelle liegen Schals aus Bremen, Hamburg, Dortmund oder München. Vertreter des hannoverschen Fanklubs von Besiktas Istanbul haben einen Kranz für den verstorbenen Torhüter mitgebracht und sprechen von einem „beispielhaften Sportler“, den auch die türkischen Bürger in Deutschland bewunderten. Sie legen den Blumenschmuck feierlich nieder und gehen ins Stadion. Es ist kurz vor elf. Die Trauerfeier beginnt.

Während auf dem Grün in der Arena die Zeremonie beginnt, füllt sich auch langsam der Platz vor dem Stadion. Spaziergänger bleiben vor der eigens aufgebauten Leinwand stehen und verfolgen still die Fernsehbilder. Vom Maschsee kommen Fahrradfahrer und Jogger herüber, um für einen Moment zu verharren und einen Blick von der Trauerfeier in der AWD-Arena zu erhaschen. Aus Neugier wird Trauer, aus dem Moment eine Stunde.

Auch Kellnerin Oda Grote verfolgt zur gleichen Zeit die Fernsehbilder mit am Tresen aufgestützten Ellenbogen in der Innenstadtkneipe „Klickmühle“. Neben ihr liegt eine Packung Taschentücher. „Ich hätte es nicht ausgehalten, zum Stadion zu gehen. Ich kann jetzt schon kaum an mich halten“, sagt sie und wischt sich die Tränen aus dem Gesicht. Auch Peter Rebscher, einer von rund einem Dutzend Gästen, ist bewusst nicht in die AWD-Arena gegangen. „Trauer ist eine persönliche, sehr intime und leise Angelegenheit“, sagt er. Dabei wolle er nicht von klatschenden Menschen umgeben sein. Kaum ist die Trauerfeier über den Bildschirm geflimmert, stehen die Gäste auf und bezahlen.

Draußen auf den Straßen ist es an diesem Sonntag still in der Innenstadt. Am Maschsee spazieren die Menschen nach der Trauerfeier nachdenklich nach Hause oder sitzen zusammen auf Bänken, um sich auszutauschen über das, was geschehen ist. Die beiden Braunschweig-Anhänger Hanisch und Scholz bleiben noch ein wenig in der „Nordkurve“ sitzen und unterhalten sich mit 96-Fans. Es ist ein Tag des gemeinsamen Innehaltens. Es ist ein Tag, an dem Fußball nicht das Wichtigste ist.

von Stephan Fuhrer und Stefanie Nickel

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