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Hannoveraner greifen bei Tomaten und Gurken wieder zu

Die Sprosse war’s! Hannoveraner greifen bei Tomaten und Gurken wieder zu

Die Sprosse war’s! Händler und Kunden in Hannover sind erleichert, dass die Quelle des EHEC-Keims gefunden scheint. Viele greifen bei Tomaten und Gurken wieder zu, doch mancher traut dem Frieden noch nicht.

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Tomaten, jetzt auch wieder ganz offiziell genießen: Mareike Behmann hat in den vergangenen Wochen auf nichts verzichtet, freut sich aber, dass nun die Quelle der Epidemie gefunden scheint.

Quelle: Martin Steiner

Hannover. Einen blauen Jutebeutel haben sie auf den Stephansplatz mitgebracht. Elke Hintze und Peter Wittke waren in den vergangenen Wochen seltener auf dem Markt. Wozu auch, frisches Gemüse, so sagten sie es ja überall, sollten sie eh nicht essen. Wegen EHEC. Jetzt aber, knapp zwei Stunden, nachdem das Robert Koch-Institut (RKI), das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) einmütig bekannt gegeben haben, dass die Warnung vor Gurken, Tomaten und Blattsalaten nicht mehr gelte, gehen die beiden wieder einkaufen. Eben jene Lebensmittel, die der 61-Jährige und die 59-Jährige in den vergangenen Wochen so penibel gemieden hatten: Eine Gurke, Tomaten, Blattsalat und zwei Paprika haben sie nun bei Herrn Rippke auf dem Markt erstanden. „Heute Abend gibt’s Salat“, verkündet Elke Hintze und lacht. Die frohe Kunde vom unbedenklichen Gemüse hat die beiden per Handy ereilt, eine SMS eines Nachrichtendienstes hat sie informiert. „Zuvor hatten wir uns wirklich Sorgen gemacht, uns zu infizieren – und deshalb auf diese Gemüsesorten verzichtet“, sagt die kaufmännische Mitarbeiterin. Tiefkühlkräuter, Kartoffeln und Quark hätte sie viel gegessen, „dabei bin ich doch sonst so ein Salatesser“, sagt Elke Hintze. Doch jetzt scheint ja alles wieder gut zu sein an diesem Mittag in der Südstadt.

Eckhard Rippke steht hinter seinem Gemüsestand und nickt. Der Händler von Gemüse Bruns aus Springe hat es ja die ganze Zeit gewusst: Dass sein Gemüse in Ordnung ist, dass er und seine Kollegen vom Markt nichts für die schlimmen Krankheitsfälle können. Trotzdem ist sein Umsatz in der EHEC-Krise der vergangenen Wochen um die Hälfte eingebrochen. „Die Kunden haben uns einfach gemieden, die waren verunsichert“, sagt er. Doch er sieht das irgendwie auch pragmatisch: Bei früheren Skandalen seien die Fleischer betroffen gewesen, dann die Eierproduzenten, und jetzt habe es eben ihn getroffen. Die Waren bezieht Rippke zum Großteil von einem Bauern in Wettbergen, der hat gleich ein Gutachten in Auftrag gegeben und sein Gemüse untersuchen lassen. Ergebnis: kein EHEC. Das haben sie auf Zettel geschrieben, es den Kunden gesagt. Geholfen hat es nicht. „Jetzt bin ich erleichtert und hoffe, dass das Geschäft wieder besser wird“, sagt der Händler. Doch die Nachricht müsse erst mal in den Köpfen der Kunden ankommen, sagt er. Zumindest Elke Hintze und Peter Wittke waren ja schon einmal da.

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Es gibt die eine Front, und es gibt die andere beim Thema EHEC. Da sind einmal die Hintzes und Wittkes, die als Vorsichtsmaßnahme lieber auf alles Verdächtige verzichten, und dann gibt es Verbraucher wie Mareike Behmann. Die 28-Jährige steht an diesem Freitag wie so oft an einem Gemüsestand in der Markthalle. „Ich habe nichts gemieden in den vergangenen Wochen“, sagt die Vegetarierin. Dass jetzt definitiv die Sprossen die Quelle des Unglücks sein sollen, dem Braten traut die junge Frau trotzdem nicht so ganz. „Ich habe das Gefühl, dass man zwanghaft versucht, einen Verursacher zu finden – doch am Ende wird man nichts ausmachen können“, glaubt Behmann. Vor allem die deutschen Bauern täten ihr leid: „Es ist schade, dass die Landwirte nun so in Verruf geraten sind, gerade im Biobereich“, sagt sie. Ihr Bauchgefühl hätte ihr vermittelt: Wenn du weiter Bio kaufst und auf Hygiene achtest, wird dir nichts passieren. Dabei ist es gerade die Gruppe der jungen, gesundheitsbewussten Frauen wie sie, die auffällig häufig von dem Darmkeim betroffen war.

Während die Ärzte in den Kliniken den Keim bekämpfen, kämpft Gemüsehändler Muzaffer Seyrek von der „Grünen Insel“ in der Markthalle mit den wirtschaftlichen Folgen der EHEC-Epidemie. „Wir haben enorme Umsatzeinbußen, es war ja kaum noch ein Kunde da“, sagt er. 32 Jahre schon betreibt er hier den Obst- und Gemüsestand, aber so was hat er noch nie erlebt. „Nach der Katastrophe von Tschernobyl waren die Leute auch vorsichtiger, aber so ein Umsatzminus gab es damals nicht.“ Immerhin, schon in den ersten Stunden nach der Aufhebung der Warnung zieht das Geschäft bei Seyrek wieder an. Auch Gurken würde er jetzt wieder auf dem Großmarkt einkaufen, eine Woche hatte er das grüne Gemüse nicht im Angebot. „Ich musste es ja eh wegschmeißen.“

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Zurück auf dem Stephansplatz. „Hoffentlich wird es bei Ihnen auch besser“, ruft Ulrike Herr ihrem Gemüsehändler Wilfried Rabe noch zu, als sie mit ihren Tüten auch schon weitereilt. Auch Rabe aus Rodewald im Landkreis Neustadt am Rübenberge hat die EHEC-Krise schwer getroffen: Auf den Märkten seien die Kunden weggeblieben, der Großhandel habe erst gar nichts bestellt. Dabei war sein selbst angebautes Gemüse ja die ganze Zeit in Ordnung, auch das Veterinäramt hatte Stichproben gemacht. „Das ist schon eine Erleichterung jetzt“, sagt Rabe. Doch der Biobetrieb in Bienenbüttel, der den Keim verbreitet haben soll, tue ihm leid.

In einem Biosupermarkt in der Marktstraße packt gerade Winfried Harries seine Dosentomaten in den Rucksack. Davon, dass er jetzt auch wieder frische Tomaten essen könnte, hat er noch nichts gehört. „Man kann sich ja auch mal ein paar Wochen in den Lebensgewohnheiten umstellen“, sagt der 75-Jährige. Ihm sei das ja nicht so wichtig, seine Frau sei da ängstlicher. Aber nächste Woche wollen sie in den Urlaub fahren, da wollten sie nicht riskieren, krank zu werden. Aber das sei ja dann jetzt kein Problem mehr, sagt er.

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Darmkeim

Die Ursache für die EHEC-Seuche scheint definitiv klar zu sein: Niedersachsens Agrarminister Gert Lindemann (CDU) erklärte am Freitag, eine „lückenlose Indizienkette“ zeige, dass die Sprossen von einem Gemüsehof aus Bienenbüttel bei Uelzen die Auslöser der Epidemie waren.

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