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Hannoveraner haben Angst vor Missbrauch im Ferienlager

Kinderfreizeiten Hannoveraner haben Angst vor Missbrauch im Ferienlager

Berichte über sexuellen Missbrauch im Feriencamp sorgen für Verunsicherung – vor allem bei den Betreuern. Gerade jetzt zur Ferienzeit haben Eltern und Betreuer Angst, etwas falsch zu machen.

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Für viele Kinder gehört eine Jugendfreizeit zum Sommer dazu. Eltern sorgen sich deshalb, wenn die Betreuung mangelhaft ist.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. Kinder missbrauchen Kinder, und ein Pfarrer gesteht, sich an einem Zehnjährigen vergangen zu haben. Die Berichte über die Übergriffe von Jugendlichen auf Gleichaltrige in einem Ferienlager in Ameland im vergangenen Sommer werfen in diesen Tagen noch einmal lange Schatten. Es ist wieder Ferienzeit. Hunderte Kinder und Jugendliche aus Hannover und dem Umland freuen sich auf Zeltlager und Feriencamps, packen Schlafsack und Luftmatratze ein. Nun wurde ein neuer Fall von sexuellem Missbrauch bekannt: Ein katholischer Priester aus Salzgitter hat gestanden, in den vergangenen Jahren mehrere Jungen missbraucht zu haben, darunter einen zehnjährigen Schüler. Am Wochenende hätte der Pfarrer gemeinsam mit Jugendlichen für eine Woche nach Frankreich reisen sollen. Dazu kam es nicht mehr. Der 46-Jährige sitzt inzwischen in Haft.

„Diese Vorfälle bringen jeden zum Nachdenken“, sagt Daniel Imhof. Er ist Sprecher der Regionsjugendfeuerwehr Hannover, die in der vergangenen Woche ein riesiges Jugendcamp für den Feuerwehrnachwuchs aus Stadt und Umland veranstaltet hat. Fast 1200 Jugendliche schlugen in Neustadt am Rübenberge für sieben Tage ihre Zelte auf. „Der Fall Ameland hat für Verunsicherung gesorgt. Vor allem unter den Betreuern“, sagt Imhof. Bereits im vergangenen November veranstaltete die Regionsjugendfeuerwehr deswegen ein Seminar zum Thema „Sexualisierte Gewalt“; die Jugendbetreuer hatten darum gebeten. „Wir müssen erkennen, dass es auch in unserem eigenen Umfeld zu Übergriffen kommen kann. Wir müssen achtsam sein“, sagt Imhof. Nur ist das im Alltag gar nicht so leicht. Wie weit zum Beispiel darf ein Betreuer gehen, wenn er ein Kind tröstet, das Heimweh hat?

Der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM) hat klare Regeln aufgestellt und einen „Campleitfaden“ entwickelt. In der kommenden Woche findet in Wedemark-Abbensen das „Intercamp“ mit Jugendlichen aus der ganzen Welt statt. „Wir haben uns dem Thema Missbrauch intensiv gewidmet, alle Mitarbeiter, auch die ehrenamtlichen, haben eine Schulung durchlaufen“, sagt Generalsekretär Martin Germeroth. Was sie dort gelernt haben, ist schwer in Worte zu fassen. Ein Gespür sollen sie bekommen für kritische Situationen und mögliche Signale, die darauf hindeuten könnten, dass ein Kind zum Opfer geworden ist. „Die Betreuer müssen sich gegenseitig überprüfen“, sagt Germeroth. Beim herzlichen Umgang mit Kindern und Jugendlichen könnte mitunter sensible Grenzen überschritten werden – völlig unbewusst. „Das muss angesprochen werden, und zwar ohne dass der Betreuer dabei unter Verdacht gerät“, sagt der CVJM-Generalsekretär. Er weiß: Das ist schwierig und kostet Überwindung. Wichtig sei ein unverkrampfter Umgang mit dem Thema. Dass ein Kind sich bei einem Betreuer auf den Schoß setzt oder eine männliche Aufsicht eine Hütte betritt, in der Mädchen untergebracht sind, ist beim CVJM inzwischen tabu.

Auch Sportvereine haben auf die Berichte über Missbrauchsfälle reagiert. Im Juni hat das Präsidium des Niedersächsischen Fußballverbandes beschlossen, dass Trainer in Zukunft einen Verhaltenskodex unterschreiben müssen. Unangemessener Körperkontakt und ein sexualisierter Sprachgebrauch werden nicht toleriert. Um die Trainerlizenz ausgestellt zu bekommen, muss ab sofort ein erweitertes Führungszeugnis vorgelegt werden. Dort sind – im Gegensatz zum regulären Führungszeugnis – Vergehen aufgeführt, die in einem niedrigen Strafbereich liegen, darunter Misshandlung von Schutzbefohlenen und exhibitionistische Handlungen.

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Von Redakteur Vivien-Marie Drews

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