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Hannoveraner verkaufen ihren Schmuck und setzen auf Goldbarren

Gestiegener Preis Hannoveraner verkaufen ihren Schmuck und setzen auf Goldbarren

Der Goldpreis steigt und steigt – und treibt Besitzer kleinerer Mengen zum Verkauf. Schmuckstücke, Zahngold und Münzen werden dieser Tage zu Geld gemacht. In den Banken herrscht ein entgegengesetzter Trend: Hier machen die Kunden ihr Bares zu Gold.

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Juwelier Mehmet Suveren aus Hannover prüft die Qualität eines goldenen Schmuckstücks.

Quelle: Insa Catherine Hagemann

Hannover. Der Ring war ein Geschenk und gefällt ihr einfach nicht. „Ich mag allgemein keinen Schmuck“, sagt Marcela Fischer. Und so steht sie mit Ehemann Sören im Juweliergeschäft von Mehmet Suveren in der Georgstraße und versucht, ihren Ring zu Geld zu machen. Der Juwelier prüft die Qualität, wiegt das Schmuckstück und ermittelt im Internet den aktuellen Goldpreis. 27 Euro zahlt er schließlich der Studentin für den Ring aus 330er-Gold, was acht Karat entspricht.

Der Goldpreis steigt und steigt in diesen Tagen. Und insbesondere Besitzer kleinerer Mengen des Edelmetalls versuchen nun davon zu profitieren und ihr Gold zu Geld zu machen. Die Ankäufer in der Innenstadt, meist kleine Juwelierläden, beobachten derzeit zwar noch nicht den ganz großen Ansturm, wohl aber eine gestiegene Verkaufslust der Kunden. Wenn sonst fünf Leute am Tag ihr Gold feilböten, seien es nun bis zu zehn, sagt Juwelier Suveren, der zwei Geschäfte in der Innenstadt betreibt.

Dieser Tage zahlt der Juweilier, nicht der Kunde

Über den Ladentisch gehen Schmuckstücke, Zahngold und Münzen. Und in diesen Tagen zahlt da eben oft der Juwelier, nicht der Kunde vorm Tresen. Gestern Mittag gab es im Höchstfall fast 36 Euro pro Gramm Feingold. Beinahe minütlich ändert sich der Preis um ein paar Cent. „Was morgen passiert, weiß keiner“, sagt Juwelier Ruzkullah Emektas, der ebenfalls einen kleinen Laden in der Georgstraße betreibt. Und daher versuchten viele seiner Stammkunden zu taktieren. „Die warten ab“, sagt er. Denn vielleicht steigt der Preis für das geerbte Geschmeide, das seit Jahren unbeachtet in der Schublade liegt, ja noch weiter ...

Wer verkaufen will, sollte ein bisschen Zeit einplanen. Denn Preisvergleiche können sich lohnen. Eine Juwelierin aus der Innenstadt, die nicht genannt werden will, kaufte gestern das Gramm Feingold für 25 Euro ein. Suveren kalkulierte mit 35,80 Euro. In einer renommierten Kaufhauskette seien für den Ring, der ihr letztlich 27 Euro einbrachte, nur zwölf Euro geboten worden, auf dem Flohmarkt neun, erzählt Studentin Fischer.

Es sind eher kleinere Wünsche, die die Menschen dazu bringen, ihr Gold in die Geschäfte zu tragen. Bei einigen gehe das erlöste Geld in die Urlaubskasse, sagt Suveren. Eine Mutter habe Schmuckstücke verkauft, um den Zoobesuch für ihre Kinder bezahlen zu können, erzählt eine andere Ankäuferin.

Anleger suchen Stabilität im Gold

Bei den hannoverschen Geldinstituten sieht es dagegen anders aus. Kunden, die ihr Gold in Bares verwandeln wollen, rennen den Banken keinesfalls die Türen ein. Im Gegenteil: „Die Nachfrage nach Gold ist ungebrochen“, sagt Nord/LB-Sprecherin Michaela Stamme. Während überall von der Euro-Krise geredet wird, suchten größere Anleger nach Stabilität – und die hoffen sie trotz des gestiegenen Preises beim Gold zu finden. „Die Leute möchten etwas in der Hand haben“, sagt Stamme. Die Banker warnen jedoch davor, das Edelmetall als einzige Anlagemöglichkeit zu betrachten. Gold könne nur ein Teil des Portfolios sein, erklärt Matthias Mollenhauer von der Hannoverschen Volksbank. Das Interesse an kleinen Barren und Münzen sei zwar weiterhin hoch. Der aktuelle Preis verschrecke dann aber viele potenzielle Anleger wieder. Die Spirale scheint sich nicht endlos nach oben zu drehen.

Marcela und Sören Fischer denken derweil nicht in solchen Dimensionen. Sie hoffen, den Ring genau zum richtigen Zeitpunkt verkauft zu haben. „Denn bevor er zu Hause rumliegt ...“, meinen sie.

Sebastian Harfst

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