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Hannoveraner zeigen ihre Lieblingsstücke aus dem Museum

Bei schlechtem Wetter Hannoveraner zeigen ihre Lieblingsstücke aus dem Museum

Das Ferienwetter ist trübe: Eigentlich die optimale Zeit, in den Museen Hannovers die Ausstellungsstücke besuchen zu gehen, die einem am Herzen liegen. Hannovers Ausstellungsmacher haben uns ihre persönlichen Favoriten gezeigt.

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Der Museumsdirektor Wolfgang Schepers präsentiert im Museum August Kestner sein Lieblingsstück, einen riesigen Kussmund.

Quelle: Tobias Kleinschmidt

Hannover. Hineinlümmeln verboten

Als politisch korrekter Museumsdirektor hat Wolfgang Schepers natürlich offiziell gar kein Lieblingsstück im Museum. „Alle Stücke sind mir gleich lieb“, betont der Chef des Museums August Kestner. Doch da Schepers eine Schwäche für gutes Design hat, lässt er sich dann doch entlocken: „Das Kussmund-Sofa mag ich schon gerne.“

Entworfen haben die roten Lippen zum Hinsetzen 1972 Salvador Dalí und Oscar Tusquets. Schepers hat es Anfang 2000 für das Museum August Kestner gekauft. „Ich habe mich schon immer dafür interessiert, wie die Kunst das Design beeinflusst hat“, erklärt er. Damals habe er sich mit der Zeit um 1968 beschäftigt. „Die Pop-Art hat seinerzeit auf das Design abgefärbt“, erklärt er. Natürlich hat Schepers auch schon einmal auf dem Sofa gesessen. „Es ist richtig bequem“, findet er. Die Besucher dürfen allerdings nicht darauf Platz nehmen. Ein Ausstellungsstück ist schließlich nicht zum Hineinlümmeln bestimmt – selbst wenn es so einladend aussieht, wie der knallrote Kussmund.

Regenwetter: Die optimale Zeit, in den Museen Hannovers die Ausstellungsstücke zu besuchen, die einem am Herzen liegen. Hannovers Ausstellungsmacher haben uns ihre persönlichen Favoriten gezeigt - so auch Wolfgang Schepers, Direktor des August-Kestner-Museums, der am Freitag in Hannover sein Lieblingsausstellungsstück das Lippensofa präsentiert.

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Die Poesie des Sommers

Für Carina Plath, stellvertretende Direktorin des Sprengel Museums, ist es einer dieser flüchtig-federleichten Augenblicke, die man kaum zu fassen bekommt: Die US-amerikanische Malerin Helen Frankenthaler hat in ihrem Bild „Noon“ just einen solchen Moment getroffen. „Ich liebe diese Leichtigkeit und die Energie, die dieses Bild ausstrahlt“, erklärt die Kuratorin, die das großformatige Werk des Abstrakten Expressionismus aus dem Depot geholt hat.

„Zudem ist das Bild wunderbar poetisch“, sagt die stellvertretende Direktorin. Auch die Direktheit, mit der die Künstlerin die ungrundierte Leinwand bearbeitet hat, gefällt der Kunstexpertin. „Sie hat die Acrylfarben direkt darauf gegossen“, erklärt Plath. „Diese Energie überträgt sich auf den Betrachter“, ist die Malereiexpertin überzeugt. Zudem sei Frankenthaler eine der wenigen Frauen in einer Zeit gewesen, die es neben so berühmten männlichen Kollegen wie Jackson Pollock zu einigem Ruhm gebracht hätte. „Als Frau war sie in dieser Zeit schon eine Besonderheit“, stellt Plath fest.

Erinnerungen an die Ferien

Es ist ein Urlaubsbild: Max Liebermann malte 1908 den Strand bei Noordwijk. Man sieht die Gischt der an den Strand rollenden Wellen. Wolken, die sich am Himmel türmen. Die weißen Kleider der Frauen, die am Strand spazieren gehen. Man fühlt geradezu die frische Brise, die an diesem sommerlichen Tag über das Land zieht.

Katja Lembke, Direktorin des Landesmuseums, erinnert das Werk vor allem an das Licht des Nordens. Es ist ihr Lieblingsstück. „Das Motiv verbinde ich mit Familienurlauben auf der Nordseeinsel Amrum. Das Bild erinnert mich aber auch an die Besuche im Nolde-Museum in Seebüll“, erklärt sie. Lembke kennt das Gemälde, das in der Landesgalerie hängt, schon seit vielen Jahren. „An den genauen Zeitpunkt, an dem ich das Bild zum ersten Mal gesehen habe, kann ich mich nicht mehr erinnern. Das ist jedenfalls schon sehr lange her. Aber als eines der herausragenden Werke des Museums hat es mich immer wieder hierher gezogen“, berichtet die Direktorin. Doch natürlich habe sie auch noch weitere Lieblingsstücke im Haus.

Die Ironie des Alltags

Immer, wenn Gisela Vetter-Liebenow Absurdes im Alltag begegnet, wenn jemand einfach behauptet „Ja, so ist es“, muss die stellvertretende Direktorin des Wilhelm Busch Museums an eine Zeichnung von F. K. Waechter denken. „Ja, so ist es“ hat der Künstler seine Karikatur genannt, die in der Tradition von Wilhelm Busch steht und die das Lieblingsstück von Vetter-Liebenow ist. „Mit leichter Hand gezeichnet, hat es eine vibrierende Spannung in der Komposition und ist dank des knappen Bildtextes ein satirisch-philosophisches Kabinettstück“, erklärt sie.

Derzeit ist das 1988 entstandene Blatt außer Haus und mit weiteren rund 130 Arbeiten in der Ausstellung „Zeichenkunst“ im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt am Main zu sehen. Doch im Katalog ist es immer präsent. „Für mich ist sie ein Meisterwerk, das die Tradition von Wilhelm Busch in die Gegenwart fortschreibt: mit subtilem Humor ein wenig am Lack der Selbstgefälligkeit zu kratzen und die Wahrheit als das zu zeigen, was sie oft ist: eine Möglichkeit von vielen.“

Ein Ding mit Bedeutung

Was mag das nur sein? Eine Zitronenpresse? Normalerweise ist der Direktor der Kestnergesellschaft, Veit Görner, nicht auf den Mund gefallen. Doch beim Anblick dieses seltsamen Objekts war er sich einen Moment lang unschlüssig. Da stand einer der mächtigsten Medienmenschen Hannovers vor ihm und präsentierte ihm ein Ding, das aussah wie die Zitronenpresse von Alessi, nachdem sie kurz in der Metallpresse gewesen war, und fragte erwartungsvoll den Neuhannoveraner: „Und? Was ist das?“ „Eine Zitronenpresse?“, fragte Görner zurück.

Nicht überliefert ist, wie der Aufsichtsratsvorsitzende der Mediengruppe Madsack, Friedhelm Haak, auf diese Vermutung reagierte. Jedenfalls erklärte er Görner, dass das Ding das Anzeigerhochhaus sei. „Und da August Madsack ja einer der Gründungsväter der Kestnergesellschaft war, bekam das Objekt plötzlich eine ganz neue Bedeutung“, meint Görner. Es ist inzwischen sein Lieblingsstück. Schließlich sei in der Ikonografie ein Schutzpatron auch immer mit einer kleinen Kirche in der Hand abgebildet worden.

Was ist Ihr Lieblingsstück?

Hinter jedem Stück steht eine Geschichte: Wir wollen die Ihres Lieblingsstückes erfahren. Wo haben Sie es erstmals gesehen? Was bringen Sie mit ihm in Verbindung? Und: Wie oft gehen Sie es eigentlich besuchen? Schreiben Sie uns kurz die Geschichte ihres Lieblingsstückes auf und schicken Sie sie uns als E-Mail mit der Angabe einer Rückrufnummer an hannover@haz.de , Stichwort „Lieblingsstück“ . Wir freuen uns auf ihre Geschichten!

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