Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
"Was ist mit der CDU los, Herr Toepffer?"

Hannovers Parteichef im Interview "Was ist mit der CDU los, Herr Toepffer?"

In Berlin hat die CDU herbe Verluste hinnehmen müssen - und auch in Hannover liegt sie mit 24 Prozent weit unter den selbstgesteckten Erwartungen. Hannovers Parteichef Dirk Toepffer spricht im Interview über die Verluste in Großstädten, die Partei als "Supertanker" und das "Schwimmen im eigenen Saft".

Voriger Artikel
Bus und Bahn für Schüler bald umsonst?
Nächster Artikel
"Wie ist das Leben als Flüchtling in Hannover?"

Dirk Toepffer

Quelle: Thomas/Archiv

Herr Toepffer, die CDU hat bei der Wahl in Berlin herbe Verluste hinnehmen müssen, in Hannover dümpelt sie bei rund 24 Prozent herum. Ist die CDU nicht großstadttauglich?

In den Großstädten hat es die CDU schwer. Das hat folgenden Grund: Gesellschaftlicher Wandel zeigt sich zuallererst in den großen Städten. Soziale Veränderungen müssen die Parteien aufnehmen und eigene Strategien entwickeln. Volksparteien fällt ein Kurswechsel naturgemäß schwerer. 

Aber große Parteien haben auch mehr Personal, mehr Mittel. 

Stellen Sie sich die CDU als einen Supertanker vor. Ihn auf einen neuen Kurs zu bringen ist eine Kraftanstrengung. Für Klientelparteien wie die Grünen ist das deutlich einfacher. 

Geben Sie uns ein Beispiel. 

In den Großstädten wird mit dem Thema Homosexualität heute völlig anders umgegangen als vor 20 Jahren. Die CDU muss eine Position zu der Frage finden, ob ein Adoptionsrecht für schwule Paare sinnvoll ist. In der CDU gibt es aber so viele verschiedene Strömungen mit ihren jeweiligen Interessen, dass es lange dauert, bis sich zu solchen Fragen eine zeitgemäße Antwort herausbildet.

Zur Person

Dirk Toepffer führt die hannoversche CDU schon seit 14 Jahren. Vielen Hannoveranern dürfte Toepffer noch als Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters bekannt sein. Im Jahr 2006 stellte er sich zur Wahl, unterlag aber seinem Herausforderer von der SPD, Stephan Weil. Toepffer ist ein hannoversches Gewächs: Kindheit in der Südstadt, Abitur am Ratsgymnasium, Jura-Studium an der Leibniz Universität. Der Landtagsabgeordnete wohnt mit seiner Familie in Wettbergen. 

Kommen wir auf Hannover zu sprechen. Was müssen Sie tun, um großstädtischer zu werden? 

Zunächst einmal müssen wir als CDU-Verband Hannover ein eigenes Image, eine eigene Note entwickeln. Das ist zum Beispiel der Hamburger CDU unter Ole von Beust sehr gut gelungen. Wir müssen nicht nur als Merkel-CDU wahrgenommen werden, sondern auch als hannoversche Christdemokraten. 

Vermutlich auch, weil mit der Merkel-CDU derzeit kein Blumentopf zu gewinnen ist. Aber wie wollen Sie dieses eigene Image kreieren? 

Wir setzen auf lokale Themen und Trends. Um im Beispiel zu bleiben: Auch hier vor Ort ist die Lesben- und Schwulen Union (LSU) aktiv.

Von der wir noch nie etwas gehört haben. 

Sehen Sie, genau das ist das Problem. Wir müssen Kontakte pflegen, Netzwerke ausbauen, gesellschaftliche Entwicklungen mit sensiblen Antennen registrieren und darauf reagieren. 

Ein bisschen konkreter, bitte. 

Wir haben uns im Wahlkampf bei der geplanten Bebauung des Steintorplatzes eindeutig positioniert und gegen die rot-grünen Pläne argumentiert. Jetzt schreiben mir Bürger, dass sie deswegen zum ersten Mal CDU gewählt haben. Im selben Atemzug bitten sie mich, bei möglichen Koalitionsverhandlungen mit der SPD hart zu bleiben. 

Die Jusos werfen Ihnen jetzt vor, unfair gewesen zu sein und alles schlechtgeredet zu haben. Trifft Sie das?

Nein, im Wahlkampf wird nun einmal gestritten. Ich könnte der SPD umgekehrt ankreiden, dass ihre Mittel nicht ganz fair waren, als sie auf Großplakaten mit Oberbürgermeister Stefan Schostok für sich warb.

Dennoch hat die CDU ihr schlechtes Ergebnis von 2011 gerade so halten können. Ist das nicht ernüchternd? Schließlich kämpfen Sie schon seit Jahren für eine „moderne Großstadt-CDU“. 

Das Ganze ist ein langwieriger Prozess. Einige Entwicklungen haben wir verschlafen. So müssen wir uns noch stärker mit Migranten in der Stadt beschäftigen. Auch in der Familienpolitik haben wir recht spät die alleinerziehenden Mütter in den Fokus gerückt. Wir schwimmen leider oft noch im eigenen Saft. Im Übrigen bin ich gar nicht so unzufrieden mit dem Wahlergebnis. 

Wo sehen Sie Grund zum Jubeln?

Die CDU hat ihr Ergebnis im Wesentlichen gehalten, trotz des Drucks von rechts, vor allem vonseiten der Alternative für Deutschland (AfD). Natürlich hat auch die CDU an die AfD verloren. Aber wir haben diese Verluste weitgehend durch neue Wähler aus anderen Milieus kompensiert. Zudem hat Rot-Grün zum ersten Mal keine Mehrheit im Rat – das alles ist schon ein Erfolg. 

Und zum ersten Mal kommt die CDU als Koalitionspartner ins Spiel. Wie weit werden Sie der SPD entgegenkommen?

Verhandlungen sind immer eine Frage von Leistung und Gegenleistung. Beide Partner müssen sich aufeinander zubewegen. Am Ende muss das Profil der CDU in einer Koalition deutlich erkennbar sein. Eine Grenze ist da erreicht, wo Außenstehende den Eindruck gewinnen, dass sich in der Kommunalpolitik nichts verändert hat. Das ist der Grund, weswegen ich die Bildung eines Dreierbündnisses zwischen CDU, SPD und Grünen völlig ausschließe.

Wie modern eine Partei ist, hängt wesentlich von Personen ab. Wer steht beispielhaft für die Großstadt-CDU in Hannover?

An prominentester Stelle sicher unsere Bundestagsabgeordnete Ursula von der Leyen. Im Jugend- und Sozialbereich unser früherer Stadtrat Thomas Walter. Aber neben diesen bekannten Personen viele andere, auch und gerade jüngere Mitglieder, die in den nächsten Jahren an die Spitzen von Partei und Fraktion drängen werden.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Hanova zieht in Bürogebäude am Klagesmarkt

Jahrelang wurde um die Bebauung der historischen Marktfläche gestritten 
– jetzt ist das erste Gebäude nutzbar. Am Montag ziehen die Mitarbeiter der Wohnungsgesellschaft Hanova ein.