Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
Hannovers Juden fürchten neuen Antisemitismus

Zuwanderung Hannovers Juden fürchten neuen Antisemitismus

Angesichts der großen Zuwanderung muslimischer Flüchtlinge auch nach Hannover fragen sich jüdische Mitbürger, was das für sie bedeutet: Müssen sie verstärkt mit Antisemitismus von muslimischer Seite rechnen? Bei der Veranstaltung der türkisch-jüdischen Ülkümen-Sarfati-Gesellschaft wurde darüber diskutiert.

Voriger Artikel
Das Christkind heißt Paula Charlotte Elisabeth
Nächster Artikel
Ein Streifzug durch Hannovers Kneipen

„Ich bin besorgt, und ich bin ängstlich“: Bei der Veranstaltung der Ülkümen-Sarfati-Gesellschaft diskutieren Juden und Muslime über Einwanderung.

Quelle: Eberstein

Hannover. Die Ülkümen-Sarfati-Gesellschaft ist etwas Besonderes: Der 2004 in Köln gegründete Verein setzt sich für türkisch-jüdische Zusammenarbeit ein. Bislang war das nicht unbedingt ein Thema, das die Massen umtreibt. Das ändert sich jedoch gerade. Angesichts der großen Zuwanderung muslimischer Flüchtlinge auch nach Hannover fragen sich jüdische Mitbürger, was das für sie bedeutet: Müssen sie verstärkt mit Antisemitismus von muslimischer Seite rechnen? „Ich bin besorgt, und ich bin ängstlich“, sagt Alisa Bach bei einer Diskussion in der Jüdischen Bibliothek, die die Ülkümen-Sarfati-Gesellschaft organisiert hat.

Alisa Bach leitet den Fachbereich Jugend der Region Hannover. Sie ist dort auch verantwortlich für die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge und betreut eine Gruppe von 15-Jährigen. „Die Mehrheit der Jungen benimmt sich phantastisch, die wollen ihre Chance in Deutschland nutzen“, schildert Bach. Doch den hauptsächlich muslimischen Jugendlichen „werde ich nicht sagen, dass ich Jüdin bin“. Bach, Vorstandsmitglied der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannovers, meint sogar, dass das Land die Sicherheitsvorkehrungen für jüdische Einrichtungen verstärken müsse – „wir fühlen uns auf dem Präsentierteller der Gefährdung“.

Sind alle Flüchtlinge antisemitisch eingestellt? Erst einmal gelte die Unschuldsvermutung, betont Katrin Langensiepen, Grünen-Ratsfrau im Rat der Stadt. Die Flüchtlinge müssten so schnell wie möglich integriert werden, dazu gehöre auch, ihnen unsere Grundwerte zu vermitteln. Die seien nicht zu diskutieren. Das findet auch Gökay Sofuoglu, der nach dem Militärputsch 1980 aus der Türkei nach Deutschland geflohen ist. Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinden in Deutschland sagt von sich: „Ich bin ein Verfassungsdeutscher.“ Dieser „Verfassungsdeutsche“ verschweigt nicht, wie schwierig das Verhältnis vieler muslimischer Migranten zu deutschen Juden und zum Staat Israel ist: „Unser Verband hat gute Kontakte zu jüdischen Gemeinden, doch damit haben wir es in der türkischen Community schwer.“

Bei der Veranstaltung spürt man die Besorgnis der jüdischen Besucher. Und man erfährt von Alisa Bach, dass sie sich für die rund 200.000 jüdischen Kontingentflüchtlinge, die von 1991 an aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion nach Deutschland gekommen sind, ähnliche Unterstützung gewünscht hätte, wie sie Flüchtlinge heute erhalten. Das stimme manche jüdischen Migranten bitter.

Die Gründer der Ülkümen-Sarfati-Gesellschaft, Kemal Önel und Marc Simon, erzählen, dass sie den Verein gegründet haben, um auch die guten Seiten des türkisch-jüdischen Zusammenlebens aufzuzeigen. Gibt es die überhaupt? Bei der Veranstaltung ist viel Besorgnis zu spüren – und Skepsis, ob und wie der Alltag in den kommenden Jahren konstruktiv gestaltet werden kann. Für Gökay Sofuoglu ist allerdings auch klar: „Man kann nicht gegen Antisemitismus sein und zugleich islamfeindlich. Das dürfen wir als Demokraten auch nicht dulden.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Mann bei Messerstecherei in Vahrenwald schwer verletzt

Am Dienstagabend ist ein Mann in Vahrenwald im Zuge eines Streits niedergestochen und schwer verletzt worden.