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Hannovers Kampf gegen die Feuerteufel
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Brandstiftung Hannovers Kampf gegen die Feuerteufel

Woche für Woche
 machen neue
 Brandstiftungen 
in Hannover und
 dem Umland
 Schlagzeilen.
 Unbekannte zünden
 reihenweise
 Strohballen, Scheunen,
 Kinderwagen an. 
Die Motive sind
 so vielfältig wie 
unsinnig. Eine
 Spurensuche im 
dichten Qualm.

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Ein Feuerwehrmann kämpft gegen einen Brand in Neustadt – ein Unbekannter hat einen Schafstall angezündet. Bei keiner Straftat ist das Spektrum der Motive so groß wie bei Brandstiftungen, sagen Experten.

Quelle: Lunitz

Hannover. Die Brandserie in Garbsen ist auch mehr als ein halbes Jahr nach dem Feuer in der Willehadi-Kirche nicht abgerissen. Am vergangenen Wochenende brannte erneut eine Garage in dem Stadtteil Auf der Horst. Wie in den vielen anderen Fällen in diesem und im vergangenen Jahr geht die Polizei nach der Untersuchung der Brandstelle von einer Brandstiftung aus. Das würde heißen, dass in Garbsen seit Januar 2013 genau 45 Feuer gelegt worden sind. Es ist eine Zahl, die einem durchaus Angst machen kann, auch wenn juristisch nicht alle Fälle gleich sind. „In acht Fällen ermitteln wir wegen Brandstiftung“, sagt Polizeisprecher André Puiu. „Der Rest läuft unter Sachbeschädigung durch Feuer.“

Die beiden Straftaten zu unterscheiden, ist nicht immer einfach. „In Brand gesetzte Gegenstände wie Papiercontainer, Bänke, Mülltonnen, die auf freien Flächen stehen, zählen als Sachbeschädigung durch Feuer“, erklärt Uwe Zyzik, Leiter des Kommissariats für Branddelikte der Polizeidirektion Hannover. 550 dieser vorsätzlich gelegten Feuer gibt es jedes Jahr in der Region Hannover – Tendenz gleichbleibend. Auch bei der Anzahl der Brandstiftungen gibt es nur geringe Schwankungen. „250 bis 300 Feuer werden vorsätzlich oder fahrlässig an Häusern, Garagen, Hütten und Lauben gelegt“, so Zyzik. Dabei nehmen die Täter in vielen Fällen in Kauf, dass durch die Flammen auch Menschen gefährdet werden. „Deshalb fallen Sachbeschädigungen in Treppenhäusern auch unter die Rubrik Brandstiftung“, erklärt der Kriminalhauptkommissar. Im vergangenen Jahr wurden in sieben Fällen Kinderwagen in Hausfluren und Treppenhäusern absichtlich angezündet.

Dass bei keinem der Brände in Linden, Lehrte, Garbsen und der List jemand verletzt wurde, ist ein Wunder. „Gerade die Brandstiftungen in Hauseingängen sind unglaublich gefährlich“, sagt Frank Dieter Stolt. Der Sachverständige für Brand- und Explosionsursachenermittlung bildet in mehreren Bundesländer die Brandermittler der Polizei aus. „Nicht die Flammen werden den Hausbewohnern zum Verhängnis, sondern Qualm und Rauch, die entstehen“, sagt der Sicherheitsexperte. Anfang Dezember forderte ein brennender Kinderwagen in einem Hausflur in Hamburg drei Menschenleben. Ein 13-jähriger Feuerwehrmann hatte das Feuer gelegt, bei dem eine 33-jährige Pakistanerin und ihre beiden sechs und sieben Jahre alten Söhne starben.

Aber auch unbeabsichtigt entzündete Feuer können verheerende Folgen haben. Am Sonntag vor knapp drei Wochen verursachten vier Kinder einen Brand in der Sporthalle der Albert-Einstein-Schule in Laatzen. Die Jungen im Alter zwischen neun und zwölf Jahren kokelten während eines Fußballturniers in dem Geräteraum einer Nebenhalle. Durch einen Zufall entdeckte ein Trainer den dichten Qualm früh genug und warnte Kinder und Eltern rechtzeitig. Bei dem Feuer entstand ein Sachschaden von 500.000 Euro. Verletzt wurde außer dem Trainer glücklicherweise niemand. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte der Trainer nicht schnell reagiert und die Teilnehmer des Turniers über die Lautsprecheranlage gewarnt.

„Vor allem die Unberechenbarkeit solcher gefährlichen Feuer macht vielen in der Bevölkerung Angst“, sagt Stolt, den seine Brandermittlungen auch schon ins Ausland führten. „Bei meiner Arbeit fällt mir immer wieder auf, dass es kaum eine Straftat gibt, bei der die Täter aufgrund so vieler unterschiedlicher Motive handeln wie bei Brandstiftung“, so Stolt. Eifersucht kann ein Tatmotiv sein, Frustration oder Profilierung vor Freunden – „wenn es überhaupt ein Motiv gibt und ein Brand nicht aus Versehen gelegt wurde“, sagt Stolt.

Vor allem Brandstiftungen von Kindern sind einer Studie zufolge in 87 Prozent der Fälle nicht gewollt. Es gibt Studien, die davon ausgehen, dass ein Viertel aller Brandstiftungen durch Kinder in einem Alter unter 14 Jahren erfolgt.
Bei den Bränden in der Region Hannover ist der größte Teil der Täter nach Informationen der Polizei zwischen 15 und 35 Jahre alt. Doch es gibt auch Ausnahmen: Derzeit muss sich ein 76-Jähriger aus Kleefeld vor dem Landgericht verantworten, weil er im Keller eines Nachbarhauses Feuer legte. Warum er das tat, konnte er vor Gericht selbst nicht sagen.

„Nicht nur die unklaren Gründe in vielen Fällen sind erschreckend“, sagt Experte Stolt. „Auch die Unwissenheit der Brandstifter über die möglichen Auswirkungen ihrer Tat machen diese so gefährlich.“ Dazu kommt, dass es immer wieder Jahre gibt, in denen sich schreckliche Feuer wie jenes beim Kirchenbrand in Garbsen häufen. In der Öffentlichkeit entsteht dann der Eindruck, dass Brandstiftungen zunehmen. „Das ist aber nicht der Fall“, sagt Polizeisprecher André Puiu. „Die Anzahl der Fälle ist in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt konstant geblieben.“ Allerdings gebe es eine Art Wellenbewegung in der Polizeistatistik. „Allein durch die Serien in Garbsen und Neustadt sind wir für das Jahr 2013 über dem Durchschnitt“, so Puiu.

Zwischen September und Oktober 2013 musste die Neustädter Feuerwehr zu mehr als 13 Einsätzen ausrücken, weil Unbekannte Baucontainer, Lauben und Ställe angezündet hatten. Warum auch immer sie das taten. Einen Täter oder Verdächtigen hat die Polizei bisher noch nicht gefunden.

Willehadi-Kirche in Garbsen

Die Brandserie, die Garbsen seit Januar 2013 in Atem hält, schockt spätestens im Sommer des vergangenen Jahres nicht nur die Region Hannover. In der Nacht auf den 30. Juli legen Unbekannte ein Feuer in der Willehadi-Kirche im Stadtteil Auf der Horst. Das Gotteshaus wird komplett zerstört. Es ist bereits die 31. Brandstiftung – und nicht die letzte.

Nur drei Wochen später geht ein Holzschuppen in Flammen auf, der nur wenige Meter vom ersten Tatort entfernt steht. Auch hier wurde das Feuer vorsätzlich gelegt. Anwohner haben die örtlichen Jugendgangs im Verdacht. Die Stadt reagiert und spricht mit Vertretern der Staatsanwaltschaft, des Jugendamts, der Polizei über eine engere Zusammenarbeit. Wirkung haben die Maßnahmen bis heute nicht gezeigt. Die Zahl der Brandstiftungen liegt mittlerweile bei 46.

Schuppen in Neustadt

Mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln sucht die Polizei in Neustadt im Spätsommer des vergangenen Jahres nach einem Brandstifter. Innerhalb von wenigen Wochen hat der Täter im September und Oktober 13 Brände gelegt.

Höhepunkt der Brandserie ist das Feuer, das der Unbekannte in der Nacht zum 11. September in einem Schuppen legt. 27 Kaninchen verbrennen bei dem Feuer mitten in der Nacht bei lebendigem Leib. Zuvor sind bereits Mülleimer, Container, eine Gartenlaube und ein Motorroller in Flammen aufgegangen. Den Schaden, den der Täter verursacht, schätzt die Polizei auf mehr als 20.000 Euro. Eine Spur zu dem Brandstifter gibt es bisher offenbar noch nicht. Nach dem vorerst letzten Brand am 11. September 2013 reißt die Serie plötzlich ohne einen erkennbaren Grund ab.

Strohballen in Lehrte

Im März 2013 verurteilt das Jugendschöffengericht in Lehrte vier Brandstifter zu Haft- beziehungsweise Bewährungsstrafen von mehr als zwei Jahren. Die vier Männer im Alter zwischen 19 und 22 Jahren hatten zwischen Januar und September 2012 immer wieder Feuer in Lehrte und Umgebung gelegt. Sie zündeten Hunderte Strohballen an, steckten immer wieder Altpapiercontainer in Brand und legten an Hochsitzen Feuer. Sogar vor einem Kita-Häuschen machten die Täter nicht halt.

Bei ihren Taten waren zwar nie Menschenleben in Gefahr, der Oberstaatsanwalt attestiert den jungen Männern aber „erhebliche kriminelle Energie“. Ihre Brandstiftungen hätten zu einer schwerwiegenden Verunsicherung in der Bevölkerung geführt. Allein ihre Aussagebereitschaft bewahrt die Täter vor längeren Strafen.

Kinderwagen in Hannover

Vor einer Woche zünden Unbekannte einen Kinderwagen an, der in dem Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses in Stöcken abgestellt ist. Dafür steigen die Täter bis in den dritten Stock, wo sie das Feuer um kurz vor Mitternacht legen. Durch die dichte Rauchentwicklung kann die 29 Jahre alte Besitzerin des Kinderwagens mit ihrem Säugling offenbar nicht aus dem Gebäude fliehen. Ihre Hilferufe hört ein Nachbar, der daraufhin die Feuerwehr rief.

Die Tat ist kein Einzelfall: Siebenmal haben Brandstifter im vergangenen Jahr Kinderwagen angezündet, die in Hausfluren abgestellt waren. „Das entspricht dem Durchschnitt von weniger als zehn Feuern dieser Art pro Jahr“, sagt Polizeisprecher André Puiu. Bei den gefährlichen Bränden wurde glücklicherweise niemand ernsthaft verletzt.

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