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Aus der Stadt Hannovers Karneval: Kamelle im Schnee
Hannover Aus der Stadt Hannovers Karneval: Kamelle im Schnee
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21:27 14.02.2010
Waren im vergangenen Jahr noch 100. 000 Menschen zum Festumzug gekommen, zählten die Narren dieses Mal nur noch die Hälfte der Zuschauer an der Strecke Quelle: Martin Steiner

Schlimmer hätte es für die hannoverschen Karnevalsvereine nicht kommen können. Gerade als sich die Präsidentin des Komitees Hannoverscher Karneval, Angela Günther (51), mit den Organisatoren des 19. Festumzuges, Reinhard Kramer (72) und Erwin Hirsch (69), am frühen Sonnabend im „Broyhan Haus“ in der Altstadt zum letzten Organisationsgespräch vor dem großen Umzug durch die Innenstadt traf, setzte Schneeregen ein. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt verwandelten sich die Straßen zu Matschstrecken. Der Höhepunkt der Narrensaison: grau, nass, kalt. Doch die Präsidentin versteht beim Karneval wenig Spaß: „Vor zwei Jahren hat es gehagelt – dagegen ist dieser Schnee Geplänkel“, sagte Günther. Darauf wurde erst einmal angestoßen.

Eis und Schneetreiben haben die Narren nicht gebremst: Bei Minustemperaturen startete am Sonnabend um Punkt 15.11 Uhr der Karnevalsumzug vor dem Neuen Rathaus in Hannover. Mehrere Tausend Jecken trotzten dem Wetter und zogen durch die Innenstadt.

Doch das Geplänkel sorgte für einen deutlichen Besucherrückgang. Waren im vergangenen Jahr noch 100. 000 Menschen zum Festumzug gekommen, zählten die Narren dieses Mal nur noch die Hälfte der Zuschauer an der Strecke, die Polizei ging von nur 25. 000 Besuchern aus. „Mehr war bei diesen Witterungsverhältnissen nicht drin“, stellte Organisator Kramer etwas enttäuscht fest. Doch obwohl es ungemütlich schneite, regnete und die Schuhe der 2500 Karnevalisten im Matsch aufweichten, hielten die Narren durch und steckten mit ihrer guten Laune die Schaulustigen an. Diese bekamen für ihr fast zweistündiges Durchhaltevermögen auch einiges an Programm geboten.

Gleich 20 geschmückte Festwagen, 25 Musikkapellen und viele mal in phantasievollen Kostümen tanzende, mal in Trainingsanzügen nur winkende Fußgruppen sorgten für Volksfeststimmung, zwei Tonnen Kamelle und Karnevalskultur, die in Hannover sonst eher in Vereinssälen gepflegt wird. Mittendrin ein gut gelaunter Oberbürgermeister Stephan Weil (51) mit, wie er verriet, langer Unterhose unter dem Anzug. Kostüm? „Das ist mein Kostüm, die Leute sollten mal sehen, wie ich privat rumlaufe“, sagte Weil in offenkundiger Büttenredenlaune und verteilte fleißig Bonbons aus einem Cabrio heraus.

Auch andere hatten sich auf das nasskalte Wetter eingestellt. So tanzte die Garde der Eugenesen aus Mittelfeld in Regenjacken, der Prinz aus Braunschweig Manfred Wilhelm I. (70) trug eine transparente Mülltüte über dem Kostüm und die Fanfarenzugtrommler musizierten mit Handschuhen. „Karneval ist Wintersport“, hatte Organisator Kramer im Vorfeld gesagt. Und die Zuschauer gaben sich sportlich. Dicht gedrängt standen sie als Hexe, Sträfling und Gärtner verkleidet in der Altstadt, rund ums Schillerdenkmal und am Kröpcke und sangen „Da simma dabei“. Umjubelt wurde vor allem das hannoversche Prinzenpaar Yvonne (32) und Patrick Voltmer (30), dessen Wagen spät in der Nacht zum schönsten des Umzuges gewählt wurde – vermutlich weil das Paar statt Karnevalslieder auch wärmende Songs sang wie „Viva España“ und Prinzenrollen – also Kekse – verteilte.

Der Zug beeindruckte mit gleich mehreren Attraktionen. So feuerte die Funkenartillerie Blau-Weiß-Döhren aus einer Kamellekanone namens „Die fette Gerda“, Karnevalisten aus Einbeck schöpften aus einem Bierbrunnen für Jeckenfreunde und die Gruppe „Maske de Venezia“ vollführte einen anmutigen Maskenball. Zwischen den Narrengruppen suchten kleine Clowns, Piraten und Bienen auf der Suche nach Lutschern und Bonbons. Sie störte der Besucherrückgang nicht – weniger Konkurrenz.

Trotzdem waren einige Narren dann doch froh, als der Zug zum Stehen kam. „Das war hart an der Grenze“, erklärte der Präsident der Lindener Narren Martin Argendorf (55). „So kalt war es noch nie – aber das macht uns ja nichts aus.“ Und auch Weil klang später erleichtert: „Für so ein Sauwetter hat es richtig Spaß gemacht.“ Die Organisatoren zeigten sich jedenfalls zufrieden. „Keine Verletzten, alles gut“, sagte Kramer und auch Präsidentin Günther freute sich, dass doch mehr Besucher gekommen waren, als sie befürchtet hatte. Vor allem die After-Zug-Party, die erstmalig in der HBX-Brauerei stieg, kam gut an und soll im kommenden Jahr wiederholt werden. Dort wurde bis tief in die Nacht gefeiert, in angenehmer Raumtemperatur.

Jan Sedelies

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