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Aus der Stadt Hannovers Müllberg wird abgeschält
Hannover Aus der Stadt Hannovers Müllberg wird abgeschält
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21:17 04.06.2010
Von Conrad von Meding
Zeigen die Sperrschichten aus speziellen Abdichtungsmatten: aha-Geowissenschaftlerin Beate Vielhaber (von links), Abteilungsleiter Roland Middendorf und aha-Chefin Kornelia Hülter. Quelle: Ralf Decker

Es ist ein Projekt von nahezu unvorstellbaren Ausmaßen: In Lahe beginnt der kommunale Abfallwirtschaftsbetrieb aha mit der Rekultivierung des „Monte Müllo“, des großen hannoverschen Müllbergs. Die gesamte, durch natürlichen Bewuchs längst ergrünte Oberfläche wird gerodet und dann förmlich abgeschält. Anschließend werden mehrere künstliche Schutzschichten aufgebracht, bevor alles wieder begrünt wird. Bis 2015 dauert das Projekt, 290.000 Quadratmeter werden mit einer Art riesiger Teppichverlegemaschinen in mehreren Lagen systematisch abgedeckt. Der Berg wird seine Farbe mehrfach ändern: Vom aktuellen Grün zunächst zu Braun (freigelegte Erdschichten), dann Weiß (lehmhaltige Bentonitmatten) und Schwarz (Wurzelsperren aus Kunststoff), bis er schließlich wieder braun (Abdeckung mit Erde) wird und dann allmählich ergrünt. Seit Jahren werden von jedem Euro Müllgebühren 1,6 Cent zurückgelegt für die Rekultivierung der Deponien. Allein die Arbeiten am „Monte Müllo“ sind mit 27 Millionen Euro veranschlagt.

aha-Chefin Kornelia Hülter machte am Freitag keinen Hehl daraus, dass das Projekt eine Belastung für die Anlieger wird. „Auf so einer Großbaustelle ist es laut, es staubt und ist auch optisch eine starke Veränderung.“ Immerhin: Schadstoffe sollen durch die Arbeiten nicht freigesetzt werden. Auch eine Geruchsbelastung soll es nicht geben, denn der Müll der Hannoveraner, der von 1930 bis 1980 dort abgeladen wurde, bleibt bis auf kleine Stellen durchgehend mit Erdschichten bedeckt. Am Ende soll sowieso alles besser werden. Bislang entweicht aus dem Berg in großem Stil und unkontrolliert Methan. Wenn die Deckschichten fertig sind, wird das Gas durch Drainagerohre abgeleitet und zur Energiegewinnung genutzt. Doch bis es 2015 so weit ist, steht zunächst viel Arbeit an.

1,15 Millionen Kubikmeter Erde müssen auf den mit 122 Metern schon jetzt höchsten Berg Hannovers aufgebracht werden. In der Spitze erhöht er sich dadurch zwar nur um einen Meter, an einigen Stellen werden es aber bis zu elf Meter sein. Die Fachleute nennen das Profilierung: „Die Böschungen besonders am Südhang sind zu steil“, sagt Abteilungsleiter Roland Middendorf. Mit verschiedenen Vlies-, Gewebe-, Industrielehm- und Kunststoffmatten sowie Drainageschichten will aha-Geowisenschaftlerin Beate Vielhaber sicherstellen, dass künftig kein Sickerwasser mehr in den Berg eindringt und keine Gase mehr entweichen können. „Wir machen den Berg damit zukunftsfähig“, sagt Chefin Hülter.

Dazu zwingt der Gesetzgeber: 30 Jahre hatte der „Nordberg“ Zeit zum Setzen und Sacken, jetzt muss er gesichert werden. Weitere 30 Jahre trägt aha die Verantwortung, überwacht den Berg und kontrolliert das Grundwasser. Dann übernimmt der Steuerzahler die Verantwortung. Wie lange die Sicherung hält, ist unklar. Die Industrie, die die Dichtmatten herstellt, gibt 100 Jahre an – folgende Generationen erhalten also möglicherweise ein teures und gefährliches Erbe der Abfallpolitik der vergangenen Jahrzehnte. Denn was genau im Berg liegt, weiß keiner – früher wurde weder sortiert noch dokumentiert. Öle, Asbest, dioxinbelastete Abfälle, PCB, Säuren: Der Berg gärt weiter vor sich hin. Bei aha aber ist man sicher, alles Machbare für die Sicherheit zu tun: „Die Methoden sind erprobt und funktionieren.“

Derzeit laufen die Ausschreibungen für das Bauvorhaben. Im November sollen die Rodungen auf dem Berg starten. Dann wird in vier Bauabschnitten gearbeitet. „Das Projekt ist zu groß, um es in einem Durchgang abzuschließen“, sagt Bauplanerin Vielhaber. Spezielle, wenige Zentimeter dicke Bentonitmatten erleichtern den Geologen die Arbeit: Sie sind ein Industrieprodukt aus feinem Ton. Gäbe es sie nicht, müsste eine halbmeterstarke Tonschicht aufgetragen werden. Größtes Problem wird voraussichtlich das Beschaffen von 320.000 Kubikmetern hochwertiger Erde für die oberste Schicht. „Zurzeit wird wenig gebaut, da ist dieses Material rar“, sagt Hülter.

Anlieferung geht weiter: Die Anlieferung von Müll, Wertstoffen und Sonderabfällen ist von der Rekultivierung des Nordbergs nicht betroffen. Der Wertstoffhof bleibt ebenso wie das Erdlager und andere Einrichtungen weiterhin geöffnet.

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