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Aus der Stadt Glückwunsch, Herbert!
Hannover Aus der Stadt Glückwunsch, Herbert!
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20:25 07.06.2013
Von Conrad von Meding
Mit Leichtigkeit: Herbert Schmalstieg schaffte 1972 den Sprung ins Rathaus – und da blieb er 34 Jahre lang Stadtoberhaupt. Quelle: Archiv
Hannover

Am Sonnabend muss er mal lauschen, wenn die Gratulationsreden gehalten werden. Er wird ein kritischer Zuhörer sein – denn wenn in Hannover einer etwas davon versteht, wie man angemessenene Ehrungen vorträgt, dann ist es Herbert Schmalstieg. Tausende solcher Reden hat er selbst gehalten. Am Sonnabend, beim Festempfang der Stadt im Neuen Rathaus, darf der Ehrenbürger sich in dem sonnen, was da vorgetragen wird. Zurecht.

Er ist schon ein Phänomen, dieser Marathon-OB von Hannover. Mit 28 Jahren wurde der gelernte Sparkassenkaufmann erst jüngster OB Deutschlands, 34 Jahre später war er dienstältester OB des Landes: 34 Jahre Stadtregierung erst mit SPD-Mehrheit, dann mit rot-grüner Koexistenz. Wo gibt es das schon?

Kein anderer Bürgermeister einer deutschen Großstadt war so lange im Amt wie er: 34 Jahre lange stand Herbert Schmalstieg (SPD) an Hannovers Stadtspitze. Am Sonnabend wird der gelernte Sparkassenkaufmann 70 Jahre alt. Blicken SIe mit HAZ.de zurück auf eine außergewöhnliche Karriere.

Wenn es anstrengend wurde mit den vielen Terminen, hat er gelegentlich gesagt, er würde gerne mal wieder angeln gehen an den Ricklinger Kiesteichen. Dem Sonnenaufgang zuschauen, die Seele baumeln lassen. Und jetzt, nach gut sieben Jahren Ruhestand – wie oft war er denn nun schon wieder angeln? „Das habe ich in Hannover noch nicht geschafft“, gibt er zu und schiebt schnell nach: „Ich habe es mir aber fest vorgenommen.“

Ruhestand ist ohnehin kaum der richtige Begriff. Denn auch, wenn der Stressjob im Rathaus vorbei ist: Das Engagement von Herbert Schmalstieg auf sozialem und kulturellem, nationalem und internationalem Parkett ist ungebrochen. Immerhin schafft er es jetzt öfter, zu kochen (zuletzt aus einem mexikanischen Kochbuch) und zu lesen (zuletzt von Mario Vargas Llosa: „Alles Boulevard – Wer seine Kultur verliert, verliert sich selbst“). Doch in seinen Ehrenämtern ist er weiterhin gefragt. Schmalstieg ist Mitglied der Härtefallkommission des Landes. Er ist Vorsitzender der Wilhelm-Busch-Gesellschaft, Kurator der Stiftung des Fördervereins der Musikhochschule. Jüngst führte er wieder Besuchergruppen in das Dach der Marktkirche, weil er Kirchenvorstandsmitglied und Patron der zentralen Stadtkirche ist. Im Konflikt um die Herrenhausen-Gastronomie ist er als Schlichter tätig – und hofft, im Sommer Ergebnisse vorlegen zu können. Als Vorsitzender der Schlichtungskommission zur Diakonie ist ihm das gelungen, auch bei kommunalen Tarifkonflikten ist er als Schlichter gefragt.

'Ein Leben für Hannover'

Die Schmalstieg-Biografie „Ein Leben für Hannover“ von Michael Krische umfasst 196 Seiten. Sie ist für 19,90 Euro in allen HAZ-Geschäftsstellen und unter shop.haz.de sowie im Buchhandel erhältlich.

Und dann natürlich das internationale Engagement. Schmalstieg ist Ehrenbürger und Ehrendoktor in etlichen Ländern. Als Schirmherr der Malawi-Stiftung überlegt er derzeit mit seinen Mitstreitern, ob es weitere Projekte geben soll. Und jüngst war er in Sachen Kurdistan unterwegs, hat gemeinsam mit dem ehemaligen französischen Außenminister Bernard Kouchner bei der Gedenkveranstaltung zum 25. Jahrestag des Giftgasangriffs auf Halabdscha gesprochen.

Nur aus dem Senat der Stiftung Niedersachsen scheidet er jetzt aus. „In der Satzung steht, dass mit 70 Jahren Schluss ist“, sagt Schmalstieg und fügt trocken hinzu: „Dadurch sind da Gott sei Dank nicht so viele alte Leute.“  Gehört man etwa mit 70 zu den alten Leuten? Spätestens ab heute wird Schmalstieg das anders sehen und vehement dafür streiten, dass das Leben doch eigentlich erst mit 70 richtig beginnt.

Tatsächlich beginnt heute ein ganz neuer Abschnitt in seinem Leben. Wenn mehr als 100 Ehrengäste (darunter SPD-Urgestein Franz Müntefering – Parteichef Sigmar Gabriel hat ein Grußwort geschickt) im Mosaiksaal zu feierlicher Cellomusik der Festrede von Ministerpräsident und OB-Nachfolger Stephan Weil gelauscht haben werden, wird das Ölgemälde aus der Werkstatt von Johannes Heisig enthüllt und im Rathaus aufgehängt. Schmalstieg wird dann zumindest bildlich wieder täglich in dem Gebäude sein, das er über Jahrzehnte geprägt hat.

Dass das Bild bereits zu Lebzeiten in die Galerie der Stadtoberhäupter aufgenommen wird, ist schon etwas Besonderes. Aber schließlich ist auch der Geehrte etwas Besonderes. Und, wie der amtierende Rathauschef Hans Mönninghoff richtig sagte: „Der 70. Geburtstag ist ein würdiger Anlass für solch eine Würdigung.“

Ein Gruß vom Parteichef

Schmalstieg war nicht nur ein bedeutender Oberbürgermeister, dessen Rat noch heute in kommunalen Spitzenverbänden bis hinauf zur internationalen Ebene gefragt ist. Er hat von Hannover aus auch die Sozialdemokratie der letzten Jahrzehnte geprägt. Wir dokumentieren das Grußwort seines Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel.

Seit über 50 Jahren hältst du unserer Partei die Treue, hast in zahlreichen Wahlkämpfen für uns gekämpft – oft in vorderster Reihe. Du hast in deiner Heimat Hannover in beeindruckender Weise immer wieder das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger verdient und gewonnen. Als Deutschlands jüngster Oberbürgermeister bist du gestartet, als dienstältester Oberbürgermeister hast du dein politisches Berufsleben beendet. Du hast in Hannover deutliche Spuren hinterlassen, die Stadt mit Grün und mit moderner Kunst bereichert, wichtige Ereignisse und Entwicklungen geprägt.

Weit über deine Stadt hinaus hast du der Kommunalpolitik ein bekanntes und geachtetes Gesicht gegeben: An der Spitze des Niedersächsischen Städtetags, des Deutschen Städtetags, der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik. Dieses große Engagement verdient großen Dank, auch dafür möchte ich den heutigen Anlass nutzen.

Sigmar Gabriel, 
SPD-Bundesvorsitzender

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