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Aus der Stadt Hannovers Schüler spicken jetzt digital
Hannover Aus der Stadt Hannovers Schüler spicken jetzt digital
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22:30 04.02.2012
Von Bärbel Hilbig
Tarnung ist alles: Das Federmäppchen ist als Versteck für Smartphone oder MP3-Player beliebt. Mützen, Ärmel oder Hefte tun es aber auch. Quelle: Finn
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Hannover

An der Leibnizschule elektrisierte vor Kurzem ein Gerücht die Schüler: Der Physiklehrer setze  ein Ortungsgerät für Handys und anderes elektronisches Spielzeug ein, so hieß es. Manche Kinder sahen schon die letzten Möglichkeiten schwinden, mal eben zwischendurch ein bisschen Musik zu hören. An dem Lister Gymnasium gilt ein striktes Verbot: Die Schüler dürfen Handys, iPods und andere digitale Speichermedien auf dem gesamten Gelände nicht einschalten. Einen Handydetektor hat Physiklehrer Tobias Remberg allerdings nicht entwickelt. „Es freut mich natürlich, dass so ein Gerücht um mich herumwabert, aber es gibt strengere Lehrer.“

Remberg gehört allerdings schon zu den Pädagogen, die ihre Schützlinge einigermaßen im Blick haben. Ganz sicher aber können Lehrer sich nie sein, ob sie alle Tricks ihrer Schüler durchschauen. Und mit einem internetfähigen Handy lässt sich schließlich jede Information beschaffen. Ein abgespeicherter Spickzettel oder eine Gedichtinterpretation aus dem Netz könnten in einer Klassenarbeit durchaus hilfreich sein.

Siebtklässlerin Lisa, die eigentlich anders heißt, lässt ihr Handy trotz Verbots im Unterricht gerne eingeschaltet, auf stumm gestellt, versteht sich, und versteckt im Stifteetui. Ums Schummeln geht es der Zwölfjährigen dabei aber nicht, das hat sie angesichts guter Noten gar nicht nötig. „Wenn etwas Wichtiges passiert, will ich es sofort erzählen.“ Dann wird schnell eine SMS an Freunde in der Nachbarklasse geschrieben. „Ich weiß, wer sofort zurückschreibt.“ Und so reißt der digitale Quasselstrom nicht ab, dessen Wichtigkeit für Erwachsene manchmal so schwer nachvollziehbar ist.

Andere Schüler nehmen ihren Schreibblock als Sichtschutz, wenn sie ihre neuen Nachrichten auf dem Smartphone abrufen wollen. Oder sie verstecken die Ohrstöpsel zum Musikhören unter Mützen, langen Haaren oder im Pulloverärmel. „Bei manchen Lehrern müssen wir die Mützen nicht abnehmen“, erklärt ein Siebtklässler. Den Schülern ist klar: Manche Lehrer sehen einfach nicht so genau hin. Bei anderen dagegen würden sie die Grenzüberschreitungen nicht so weit treiben. In der Pause verziehen sich einige Schüler dann auf die Toilette, weil sie unentdeckt Musik hören oder mit dem iPod spielen wollen. Oder sie checken schnell ihre Nachrichten, wenn das nicht klappte, während der Lehrer mit dem Beschriften der Tafel beschäftigt war.

Zum Schummeln dienen die Geräte nicht ganz so häufig. „Im Unterricht habe ich schon mal den Taschenrechner im Handy oder den Übersetzer für Vokabeln benutzt“, sagt ein Zwölfjähriger. In der Klassenarbeit setzt er keine elektronischen Helfer ein. „Das bringt nichts. Ich muss das am Ende doch selbst wissen.“ An den meisten Schulen sammeln die Lehrer die Geräte vor einer Klausur ein.

Das Verbot an der Leibnizschule zielt vor allem auf das Sozialverhalten der Kinder. Die Lehrer wollen verhindern, dass Schüler sich gegenseitig fotografieren, filmen oder mit dem Zeigen unangenehmer Bilder belästigen. „Man kann das nicht kontrollieren, wenn alle ihre Handys eingeschaltet haben dürfen“, sagt Schulleiter Kurt Veith. Bis vor Kurzem kassierte die Schule eingeschaltete Handys für eine Woche ein. Weil Eltern dagegen vorgingen, ist die Frist jetzt reduziert.

Auch an der Tellkampfschule sind alle elektronischen Geräte inzwischen selbst während der Pausen verboten. Die Lehrer sammeln bei Verstößen die Handys und iPods ein. Beim ersten Mal gibt es eine Ermahnung, beim zweiten Mal müssen die Schüler Sozialarbeitsstunden leisten „Besonders die Eltern waren der Meinung, dass ihre Kinder nicht ständig mit den Dingern herumspielen sollen“, sagt Schulleiterin Helma Kaienburg.

An anderen Schulen beschränken sich die Verbote auf den Unterricht. „Alles andere ist schwierig zu kontrollieren“, sagt Martin Thunich, Leiter der Wilhelm-Raabe-Schule. Wenn das Handy im Unterricht klingele, müssten die Eltern des Schülers es abholen. Schüler des Gymnasiums berichten allerdings, dass ihre Lehrer oft ein Auge zudrückten – schließlich klingele auch mal ein Lehrerhandy. Und an manchen Schulen gibt es offenbar auch Pädagogen, die Gespräche mit ihrer Autowerkstatt in aller Ruhe im Unterricht abwickeln. „Ich gehe davon aus, dass ein Lehrer im Unterricht nicht telefoniert. Wenn das Kind einer Lehrerin krank ist, ist das eine Ausnahme“, sagt Kurt Veith von der Leibnizschule.

An der Käthe-Kollwitz-Schule bereitet die digitale Aufrüstung der Kinder den Lehrern noch aus einem anderen Grund Sorgen: „Wir wollen keine Verantwortung für die teuren Geräte übernehmen“, sagt Oberstufenkoordinatorin Katharina Meinen. Die Eltern werden deshalb regelmäßig darauf hingewiesen, dass ihre Kinder den Kram zu Hause lassen sollen.

Doch die ersten Lehrer haben längst begonnen, Smartphones für die Recherche im Unterricht einzusetzen, wenn es keinen PC oder Laptop im Klassenraum gibt. „Ich verspreche mir viel davon, wenn die Tablets bald billiger werden“, sagt Physiklehrer Remberg. Auch Katharina Meinen hat kürzlich im Politikunterricht in der Oberstufe einen Schüler schnell mal das Oberhaupt von Birma im Netz suchen lassen.

Aber Birma hin oder her: Die Lümmel in der letzten Bank werden wohl dennoch weiter heimlich Filme gucken.

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