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Hannovers Schulabgänger feiern ihre Abi-Bälle

Die zweite Reifeprüfung Hannovers Schulabgänger feiern ihre Abi-Bälle

Ein großer Tag steht bevor: In der kommenden Woche feiern Hannovers Schulabgänger ihre Abi-Bälle – und die lange zuvor gestarteten Vorbereitungen gehen jetzt in die finale Phase.

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Generalprobe: Anne-Sophie Lucas (rechts) und Maren Frahm von der Käthe-Kollwitz-Schule haben ihre Ballgarderobe schon mal anprobiert.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Die Brandschutzordnung B1 ist Schuld. Wegen der Richtlinien der Feuerwehr müssen Ronja Feldmann, Inga Wendt und ihre Mitschülerinnen Dutzende Bogen Backpapier zuschneiden, falten und schließlich zu einer Tüte zusammenkleben. Viel lieber hätten sie für die Tischdekoration ihres Abi-Balls einfach fertige Butterbrottüten über die gut 200 sauber ausgespülten, mit Teelichtern bestückten Marmeladengläser gestülpt. B1 hat das verhindert. Das beschichtete Backpapier aber ist erlaubt, weil es schwerer entflammbar ist. Dafür lässt es sich umso mühsamer verarbeiten. Auf jeden Fall musste das Ballkomitee nun die abendliche Bastelstunde in der Käthe-Kollwitz-Schule einschieben.

Verglichen mit dem, was bereits hinter den Schulabgängern liegt, ist der Spontaneinsatz ein Klacks. Bereits vor einem Jahr haben die Vorbereitungen für das Großereignis begonnen, das für die Käthe-Kollwitz-Schüler am kommenden Sonnabend im Kuppelsaal des Hannover Congress Centrums (HCC) ansteht. Vom Kartenvorverkauf über die Auswahl von Musikband, Lichttechnik und Blumendeko bis zur Gestaltung des Abendprogramms haben die Schülerinnen und Schüler die gesamte Organisation in die eigenen Hände genommen – und gleichsam eine zweite Reifeprüfung bestanden. Die Logistik an eine externe Agentur zu vergeben, wie es in Großstädten wie München oder Berlin inzwischen üblich ist, kommt für Hannovers Abiturienten offenbar nicht infrage. „Dann wäre es ja nicht mehr unsere eigene Feier“, sagt die 19-jährige Sonja Berlinecke, die zum Ballkomitee der Käthe-Kollwitz-Schule gehört.

An anderen hannoverschen Gymnasien hat der Trend zur Fremdvergabe ebenfalls noch nicht Einzug gehalten, wie verschiedene Schulleiter bestätigen. Dass die Gefahr besteht, schwarzen Schafen der Branche auf den Leim zu gehen, hat ein Vorfall in Berlin gezeigt: Rund 150.000 Euro hatten Abiturienten mehrerer Schulen im guten Glauben an eine Kreuzberger Event-Agentur überwiesen – die mietete aber nicht die Ballsäle an, sondern machte sich mit dem Geld aus dem Staub.

Die hannoverschen Pädagogen begrüßen das Eigenengagement der Abiturienten auch aus anderen Gründen: „Die Schüler tragen eine hohe Verantwortung – dabei lernt man fürs Leben“, ist Winfried Baßmann, Rektor des Kurt-Schwitters-Gymnasiums, überzeugt. Schließlich geht es um immense Summen – und ein großes Risiko: Mit bis zu 40.000 Euro kalkulieren die Schüler für einen Abi-Ball mit Stil, Saalmiete und Catering sind dabei die größten Posten. Der Großteil der Kosten soll über den Verkauf der Karten, die meist zwischen 35 und 45 Euro kosten, wieder in die Kasse kommen. Um für den Ball bereits möglichst viel Geld im Vorfeld einzunehmen, haben fast alle Schulen im vergangenen Jahr Abi-Partys veranstaltet, deren Erlös gespart wurde. „Wir haben auch Kuchen und Waffeln in der Schule verkauft oder Basare veranstaltet“, sagt Ramona Lüdke von der St.-Ursula-Schule.

Zum teuren Vergnügen ist der krönende Abschluss der Schulzeit schon seit einigen Jahren geworden. Das Aula-Ambiente wurde durch andere Räumlichkeiten ersetzt – in Hotels, im Alten Rathaus oder auch mal im Gartensaal des Neuen Rathauses wird nun gefeiert. Dass dieses Jahr für den Ball derart tief in die Tasche gegriffen werden muss, liegt am Doppel-Abi-Jahrgang. Weil so viele Gymnasiasten die Schule verlassen, ist die Zahl der Ballgäste auf jeweils 600 bis 900 gestiegen. „Doppelter Jahrgang, doppelte Kosten“ – auf diese Faustformel bringt es Elke Kantian, stellvertretende Leiterin der Käthe-Kollwitz-Schule.

Allzu viele Veranstaltungsorte, die diese Personenmengen fassen, gibt es in Hannover nicht. Allein für acht Abi-Bälle ist in diesem Jahr das HCC gebucht, für sieben der Feiern ist der Kuppelsaal vergeben, mit 4530 Quadratmetern der größte der verfügbaren Säle. „Das gab es bisher nicht“, sagt HCC-Direktor Joachim König. Zwar hat er bereits in den vergangenen Jahren eine „Renaissance des Festlichen“ bei den Abi-Bällen festgestellt, doch eben nicht in der aktuellen Größenordnung. Wer es weniger pompös mag, quartiert sich – wie die Schiller- und die Tellkampfschule – im „Star Event Center“ in Vahrenheide ein, wo sonst gern türkische Hochzeiten mit üppigem Familienanhang gefeiert werden. Auch der VIP-Bereich der AWD-Arena oder der Hangar no. 5 in Döhren sind für Bälle gebucht.

Den Kuppelsaal hat Elke Kantian bereits 2009 reserviert. Weil seinerzeit noch viele der heutigen Abiturienten unter 18 waren, mussten die Eltern ihre Signaturen unter die Vorverträge setzen. Damals stellte sich heraus, dass die St.-Ursula-Schule, die Goetheschule sowie das Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium ebenfalls in den Kuppelsaal wollten. Kurzerhand entschloss man sich, eine Organisationsgemeinschaft zu gründen – mit dem Ziel, Kosten zu sparen und Ideen auszutauschen. Nun wird hintereinander weg gefeiert: Die St.-Ursula-Schule macht am 23. Juni den Anfang, an jedem der Folgetage ist eines der drei anderen Gymnasien an der Reihe. Damit das Mammutprojekt den Schülern nicht über den Kopf wächst, gab es professionelle Unterstützung, die nicht auf Profit ausgerichtet ist: Die Kommunikationswirtin Jessica Prieß, Bekannte einer Schulmutter, stellte sich als Koordinatorin zur Verfügung. Seit September 2010 berät sie die Schüler bei allen Fragen rund um die Abi-Aktionen – dazu gehören auch die Sponsorenakquise oder Layoutschulungen fürs Jahrbuch.

Die von der Goetheschule gestaltete Balldekoration darf jede der vier Schulen nutzen: Größen der Geschichte hat die Kunst AG aus Sperrholz gesägt – von Einstein bis zu Elvis. Das Motto jedes Balles aber ist ein individuelles. Die Käthe-Kollwitz-Schule nimmt Anleihen bei der Glücksspielmetropole Las Vegas – und münzt dies passend auf den Doppeljahrgang: „Abi Vegas – wir verdoppeln den Einsatz.“

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