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Studenten testen "Zwihuhn" in der Mensa

Projekt in Hannover Studenten testen "Zwihuhn" in der Mensa

Bilder von zusammengepferchten Hühnern und Puten in Massenställen haben vielen Menschen die Lust auf Geflügel verdorben. Die Tierärztliche Hochschule Hannover hat jetzt ein Projekt für mehr Tierwohl auf dem Hühnerhof gestartet – und die Studenten dürfen in der Mensa probieren.

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Tiermedizin-Studentin Selina Reinhardt  gehört zu den ersten, die das Zweinutzungshuhn probieren.

Quelle: Eberstein

Hannover . Das halbe Hähnchen auf dem Teller hat beachtliche Ausmaße. 280 Gramm Fleisch, dazu noch die großen Knochen. Üblich sind sonst eher 210 Gramm Fleisch. „Das macht nichts, das schaffe ich schon“, meint die zierliche Kim Langner strahlend. Was die Studenten in der Mensa Caballus an der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) und den anderen Mensen des Studentenwerks am Donnerstag vorgesetzt bekamen, stammt von besonderen Tieren. Keine Masthähnchen wie üblich, die Vögel sind von Wissenschaftlern auf dem Versuchsgut Ruthe mit viel Sorgfalt aufgezogen worden.

Die Tierärztliche Hochschule hat ein groß angelegtes Projekt für mehr Tierwohl in der Geflügelhaltung gestartet. Im Mittelpunkt steht das sogenannte Zweinutzungshuhn. In den Mensen wird jetzt vorgekostet.

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„Um Eier und Fleisch zu einem möglichst günstigen Preis anbieten zu können, werden Hühner bislang für einen bestimmten Zweck gezüchtet: Ziel ist, dass sie entweder besonders viele Eier legen oder besonders viel Fleisch ansetzen“, erklärt TiHo-Präsident Gerhard Greif. Für männliche Küken aus Legehennenrassen bedeutet das ein kurzes Leben: Sie werden nach dem Schlüpfen aussortiert und getötet.

Das Projekt unter der Leitung von Professorin Silke Rautenschlein versucht nun in gewisser Weise die Zeit zurückzudrehen. Die Forscher wollen Hühner testen, bei denen die Hähne sich gleichzeitig für Mast und die Hennen fürs Eierlegen eignen. Das, was in früheren Zeiten normales Federvieh war, heißt heute Zweinutzungshuhn oder auch Zwihuhn. Für ihr Projekt hat Rautenschlein eine Zuchtlinie ausgesucht, die Ökobauern bereits seit Längerem einsetzen. „Es ist aber etwas anderes, ob man eine Nische oder einen größeren Markt bedienen möchte“, erläutert die Projektleiterin. Die Tiere sollen zu einer besonders gesunden Rasse gehören, deren Immunabwehr gegen Krankheitserreger gut funktioniert, sodass sich der Einsatz von Medikamenten reduzieren lässt. Die Forscher unterstützen das mit stressarmen Haltungsbedingungen. „Diese Tiere sind wirklich entspannter, das könnte sich auf ihre Gesundheit auswirken“, sagt Christian Sürie, Leiter des Versuchsguts.

Die Testessen in der Mensa mit Umfrage sind ein wichtiger Teil des Projekts. Denn nur, wenn Eier und Hähnchen bei potenziellen Kunden ankommen, besteht Hoffnung auf eine spätere Vermarktung. Die Mensa-Köche haben sich eigens auf die speziellen Hähnchen eingestellt. „Die Fasern sind viel länger, deshalb haben wir länger und schonender gegart“, sagt Jens Grabig, Leiter der Hauptmensa. „Die Verbraucher sind maßgeblich für den Erfolg des Tierschutzprojekts“, betont Rautenschlein. Kleine Eier und von der Anlage her dünne Hähnchen passen vielen Kunden jedoch nicht. Vor allem, weil der Preis für die gesünderen Tiere im Vergleich höher ausfällt.

Konventionelle Masthähnchen brauchen rund 38 Tage bis zur Schlachtung. Die Zwihühner aus Ruthe durften 75 Tage Futter picken. Ein echter Kostenfaktor, denn in dieser Zeit wachsen besonders Knochen, Kamm und Schnäbel. Sürie schätzt, dass seine Hähnchen im Verkauf 14 Euro kosten müssten – gegenüber 4 Euro für das schnell gezogene Masthähnchen in Normgröße. Damit die betriebswirtschaftliche Bilanz am Ende besser ausfällt, sind die Forscher auf der Suche nach der optimalen Futtermischung für die Tiere. Zu den Handicaps zählt auch das dunkle Fleisch an der Keule. „Es zeigt, dass die Tiere viel Bewegung hatten. Aber gefragt ist weißes Fleisch“, weiß Sürie.

Immerhin wächst in Teilen der Bio-Szene das Interesse. Die Bruderhahn-Initiative verlangt 4 Cent Aufschlag pro Ei, die in Aufzucht und Vermarktung männlicher Tiere fließen. Der Öko-Laden Biologisch hat den Eierverkauf komplett umgestellt. Eier mittlerer Größe kosten dort 46 Cent. „Wir hatten mit negativen Auswirkungen gerechnet“, erinnert sich Inhaber Manfred Dust. Stattdessen stieg der Verkauf um 25 Prozent.

Rautenschlein erwartet, dass auch konventionelle Betriebe reagieren müssen. „Es wird dazu kommen, dass das Töten männlicher Küken verboten wird.“ In Ruthe kommt im Sommer die nächste Generation in den Stall. Zuvor werden die ersten Hennen am Ende ihrer Legephase geschlachtet. Wie sie vermarktet werden, ist noch nicht sicher. In der Mensa stehen die Zwihühner aus Ruthe noch am 28. Januar und 4. Februar auf dem Speiseplan, allerdings besonders dünne Tiere einer Legehuhnrasse. Rautenschlein ist gespannt. „Vielleicht sagen die Studenten ja, das geht auch.“

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