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Hannovers Uni-Präsident Barke zeigt Verständnis für Proteste

Bildungsstreik Hannovers Uni-Präsident Barke zeigt Verständnis für Proteste

Uni-Präsident Erich Barke zeigt im Interview Verständnis für die Protestaktionen der Studenten und deren Unmut über die Bachelorstudiengänge.

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Uni-Präsident Erich Barke

Quelle: Rainer SurreyArchiv

Herr Barke, was sagen Sie dazu, dass Studenten das Audimax besetzt haben?
Grundsätzlich habe ich großes Verständnis für die Proteste der Studierenden. Es ist unstrittig, dass es bei den BachelorStudiengängen Verbesserungspotenzial gibt. Zur Besetzung möchte ich mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht äußern.

Die Studenten sagen, die neuen Studiengänge seien nahezu unstudierbar. Sie klagen über Leistungsdruck und Unmengen von Prüfungen.
Das ist von Fakultät zu Fakultät unterschiedlich. Bei den Geisteswissenschaften etwa macht sich die Zunahme der Prüfungen besonders bemerkbar. Bei Ingenieur- und Naturwissenschaften gab es schon immer mehr Leistungskontrollen. Ich bin aber der Meinung, dass die Zahl der Prüfungen beim Bachelor generell reduziert werden sollte. Damit würde mehr Freiraum für Auslandsaufenthalte geschaffen – was eines der Ziele der Studienreform war. Auch für Praktika und studentische Nebenjobs wäre mit weniger Prüfungen mehr Zeit. Allerdings haben die Hochschulen gemäß den Vorgaben der Kultusministerkonferenz (KMK) in diesem Punkt nur wenig Spielraum für Veränderungen.

Ein weiteres Problem ist der Übergang zum Masterstudium, der durch einen Numerus clausus beschränkt wird.
Auch hier müssen die Hochschulen eine Vorgabe umsetzen. Es gibt einen Erlass des Wissenschaftsministeriums, der für 50 Prozent der Bachelor-Absolventen Kapazitäten in einem Master vorsieht – dies gilt für jeden Studiengang. Politisches Ziel ist es, die Bachelor-Studierenden früher in das Berufsleben zu entlassen. Der Bachelor ist aber teilweise so gestaltet, dass er für eine Berufsfähigkeit nicht zufriedenstellend studiert werden kann.

Woran liegt das?
Das Kernproblem ist die KMK-Vorgabe, die vorsieht, dass die neuen Studiengänge insgesamt nur fünf Jahre dauern dürfen. Meist wurden für den Bachelor sechs und für den Master vier Semester vorgesehen. So kommt es, dass das Bachelorstudium mit sehr viel Lernstoff in vergleichsweise kurzer Zeit angefüllt werden muss. Ich plädiere darum für mehr Freiraum bei der Gestaltung der Studiendauer. Möglich wäre es, die Obergrenze auf vier Jahre Bachelor- und zwei bis drei Jahre Masterstudium hin zu öffnen. In den USA und China ist das so.

Was können die Hochschulen verändern?
Sie müssen überprüfen, wie die Studiengänge besser studierbar werden können. An der Leibniz Universität haben wir schon damit angefangen. Es gibt ein Modellprojekt bei den Architekten, das je nach Neigung der Studierenden zwischen sechs und acht Semestern Bachelor vorsieht. Es wird aber nicht möglich sein, alle Studiengänge schlagartig zu verändern. Eine Reform der Reform kann bis zu fünf Jahre dauern.

Studenten kritisieren, dass sich trotz Studiengebühren die Lehre nicht verbessert hat.
Die Studienbeiträge werden künftig noch spürbarer als bisher in eine bessere Betreuung der Studierenden fließen. Bisher gab es unter anderem rechtliche Probleme bei der Finanzierung von Professorenstellen. Hier konnte nun eine Lösung gefunden werden.

jk

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