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Hannovers Uni-Präsident verzichtet auf Räumung des Audimax

Studentenproteste Hannovers Uni-Präsident verzichtet auf Räumung des Audimax

Uni-Präsident Prof. Erich Barke ist zurückgerudert: Das von protestierenden Studenten besetzte Audimax hat der Hochschulchef am Montag nicht räumen lassen. Stattdessen nahm er das Gesprächsangebot der Besetzer an.

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Uni-Präsident Erich Barke im vollbesetzten Audimax.

Quelle: Rainer Surrey

Uni-Präsident Prof. Erich Barke erschien am Abend mit seinen Präsidiumskollegen Prof. Gabriele Diewald, Prof. Klaus Hulek und Horst Bauer in dem zentralen Hörsaal am Welfenschloss, um mit mehr als 650 Studenten über ihre Forderungen wie die Abschaffung der Studiengebühren und eine Reform des Bachelorsystems zu diskutieren – und sagte Verbesserungen zu.

„Solidarisieren Sie sich mit uns!“, rief ein Student. Mit Emphase fügte er hinzu: „Holen Sie sich einen Schlafsack, dann sind Sie ein ganz toller Hecht und nicht mehr der Lakai des Gesetzes.“ Damit spielte er auf Barkes Bemerkung an, dass diesem bei einem Großteil der studentischen Forderungen die Hände gebunden seien, weil der Gesetzgeber die Rahmenbedingungen geschaffen habe. Mit einer Solidaritätsadresse für die Besetzer tat sich Barke schwer: „Ich habe einen anderen Standpunkt, aber wir verfolgen gemeinsame Ziele.“ Zumindest sicherte er zu, die Einnahmen aus Studiengebühren von zwölf Millionen Euro pro Jahr spürbarer als bisher in Lehrpersonal zu investieren – so habe es bei der Einstellung von Professoren rechtliche Probleme gegeben, die nun ausgeräumt seien.

Zu dem von den Studenten kritisierten Numerus clausus beim Übergang vom Bachelor zum Master bezog Barke eine klare Position: „Hier kämpfen wir absolut auf einer Seite. Es ist kein Wunsch unserer Hochschule, Schwellen in das Studium einzubauen.“ Und er fügte hinzu: „Der Master sollte der universitäre Regelabschluss bleiben.“ Vize-Präsidentin Diewald erklärte, aus ihrer Sicht seien die obligatorischen Anwesenheitslisten in den Lehrveranstaltungen nicht nötig – das solle den Dozenten nun per Mail mitgeteilt werden. Bei den Leistungsnachweisen für den Bachelor werde sich das Präsidium für flexiblere Lösungen einsetzen, versprach sie.

Barke will sich zudem für eine Verbesserung der Raumsituation einsetzen. Studenten hatten kritisiert, dass die Philosophische Fakultät unter drastischer Enge leide. „Einigen Fakultäten geht es besser als anderen“, sagte er. Es sei aber auch möglich, fakultätsübergreifend Hörsäle und Seminarräume zu nutzen. Wie das funktionieren kann, zeigt sich während der Besetzung. In einem Arbeitskreis „Vorlesungsverlegung“ haben sich die Besetzer in Rücksprache mit den betroffenen Dozenten um Ersatzräume bemüht. Nach ihren Angaben ist es in den allermeisten Fällen bisher gelungen, keine Lehrveranstaltungen ausfallen zu lassen.

Barke, der sich die Planungen gestern Nachmittag erläutern ließ, konnten die Ausweichlösungen zwar nicht vollends überzeugen, doch er signalisierte eine Kooperation. Er sagte zudem zu, am Mittwochabend wieder mit den Studenten zu diskutieren und auch Probleme Einzelner ernst zu nehmen, wenn diese sich bei ihm meldeten – was das Plenum gestern mit Applaus quittierte. Sollte es aber dazu kommen, dass Vorlesungen nicht verlegt, sondern verhindert würden, sei die Drohung mit Räumung wieder aktuell.

„Eine Eskalation des Protestes nützt niemanden“, betont Anke Frühbis-Krüger. Die Privatdozentin hält für 600 Erstsemester eine Grundlagenvorlesung in Mathematik – und hat das Angebot der Aktivisten akzeptiert, auf einen Hörsaal in der Bismarckstraße auszuweichen. „Sie haben vernünftige Vorschläge gemacht und berücksichtigt, dass ihre Kommilitonen die wichtigen Einführungsveranstaltungen nicht verpassen wollen.“ Es müsse sich aber noch herausstellen, ob die Lösungen die Erstsemester zufriedenstellen. Auch ein Dozent der Elektrotechnik will sich auf die „Zwischennutzung“ einlassen. „Eine Dauerlösung können die Verlegungen nicht sein“, erklärt Maschinenbauprofessor Gerhard Poll.

Grundsätzlich hätten die Lehrenden großes Verständnis für die Proteste, betont Mathematiker Prof. Marcel Erné. Allerdings gingen die Aktionen an die falsche Adresse: „Ein Protest am Landtag wäre zielgerichteter.“ Schließlich habe die Politik die Bedingungen im Bildungssystem zu verantworten.

Von Juliane Kaune und Julia Sellner

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