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Aus der Stadt Sind Hannovers Wochenmärkte noch zu retten?
Hannover Aus der Stadt Sind Hannovers Wochenmärkte noch zu retten?
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00:16 13.06.2016
Von Andreas Schinkel
Hier trifft sich der halbe Stadtteil: Der Markt am Stephansplatz in der Südstadt ist freitags stets gut besucht. In anderen Vierteln ist das jedoch längst anders. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Etliche Stände mit frischem Obst und Gemüse, ungewöhnliche Leckereien, Zeit für Nachbarschaftsplausch – so sieht der ideale Wochenmarkt aus. Doch in Hannover ist er immer seltener anzutreffen. Auf dem Jahnplatz in Vahrenwald lichten sich die Reihen der Marktstände, ebenso auf dem Davenstedter Markt und auf dem Bemeroder Rathausplatz. „Die Konkurrenz ist zu groß geworden“, sagt Arthur Armbrecht, Präsident des Marktbeschicker- und Schaustellerverbands Niedersachsen. Supermärkte böten oft am gleichen Ort billigere Ware, zudem gebe es allzu viele Verkaufsbuden, die am Rand der Wochenmärkte stehen. „Der Druck wächst“, sagt Armbrecht.

FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke glaubt, dass die Zeiten der Wochenmärkte vorbei seien. „Die Öffnungszeiten sind ungünstig. Wenn die Menschen von der Arbeit zurückkehren, ist der Marktplatz leer“, sagt er. Diesem Argument will Rot-Grün mit einem neuen Markt begegnen. „Nach Hamburger Vorbild könnte man in Hannover einen Nachtmarkt erproben“, schlägt Grünen-Wirtschaftsexpertin Elisabeth Clausen-Muradian vor.

Der Nachtmarkt auf dem Spielbudenplatz auf St. Pauli gehört inzwischen zu den Touristenattraktionen. Einmal wöchentlich bauen Händler ihre Stände mit frischem Gemüse, Antipasti und Käse auf, von 16 bis 23 Uhr. Bands geben kleine Konzerte, für viele Arbeitnehmer bietet der Nachtmarkt eine Möglichkeit, einzukaufen und den Feierabend in geselliger Runde zu verbringen.

Marktbeschicker-Präsident Armbrecht ist nicht abgeneigt. „Ein Nachtmarkt muss aber mit den Händlern besprochen werden“, sagt er. Nicht leicht dürfte es sein, einen geeigneten Standort zu finden. „Er sollte nicht am Rande der Stadt liegen, aber auch nicht mitten im Zentrum, denn dort ist abends unter der Woche nichts los“, sagt Armbrecht.

Rot-Grün dringt derweil noch auf andere Maßnahmen. So fordern die Fraktionen die Stadtverwaltung auf, mehr Werbung für die Wochenmärkte zu machen. „Wir wollen den Märkten auf die Sprünge helfen“, sagt Clausen-Muradian. Auf der Internetseite der Stadt sollten die Wochenmärkte leichter zu finden sein und attraktiver dargestellt werden, so die Forderung.

Unabhängig davon reagiert auch die Stadtverwaltung und startet eine Plakatkampagne, um Hannovers Wochenmärkte anzupreisen. An 32 Stellen in der Stadt soll plakatiert werden, weitere Maßnahmen werden folgen. In den anderen Parteien überwiegt die Skepsis. Die CDU will sich noch einmal beraten, bevor sie über die rot-grünen Vorschläge entscheidet. „Eigentlich ist es nicht Sache der Stadt, die Wochenmärkte zu bewerben“, sagt CDU-Ratsherr Lars Pohl.

Nicht alle Wochenmärkte in Hannover sind in der Krise. Auf dem Stephansplatz in der Südstadt trifft sich jeden Freitag der halbe Stadtteil, Gleiches gilt für den Markt auf dem Moltkeplatz in der List und für den Lindener Markt. „Wichtig sind Angebote von Spezialitäten“, sagt Clausen-Muradin. Aber der Erfolg habe auch mit der Kaufkraft zu tun. In wirtschaftlich schwächeren Vierteln wie Mühlenberg achteten die Bewohner nicht auf Biokost von regionalen Erzeugern, sondern schlicht auf den Preis. „Wenn es nicht anders geht, müssen wir auch den Mut haben, einen Markt einzustellen“, sagt die Grünen-Ratsfrau.

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