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Aus der Stadt Die älteste Familie der Stadt
Hannover Aus der Stadt Die älteste Familie der Stadt
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21:18 07.06.2013
Von Sonja Fröhlich
Zwei der Volgers: „Senior“ und Familienforscher Wolfgang Volger organisiert mit seiner Frau Ilse das große Familientreffen in Hannover. Quelle: Surrey
Hannover

Heinrich Volger gilt als schwarzes Schaf der Familie. Als der Isernhagener 1973 mit 84 Jahren starb, stellte sich heraus, dass er seit 30 Jahren nicht mehr geheizt hatte und auch kein Radio besaß - alles, um Strom zu sparen. Bei dieser bescheidenen Lebensführung war es dem Knauser gelungen, mehrere Millionen Mark anzuhäufen. Auf skurrile Lebensgeschichten treffen die volgerschen Familienforscher immer wieder bei ihren Recherchen nach weiteren Angehörigen. Die Volgers gelten als älteste urkundlich erwähnte Familie der Stadt, ihre Geschichte lässt sich bis ins Jahr 1313 zurückverfolgen, als sich Stammvater Conradus Volghere ins Bürgerbuch der Stadt eintrug.

An diesem Wochenende treffen sich die Volgers zu ihrer 700-Jahre-Feier in Hannover. Natürlich können nicht alle kommen, aber immerhin 70 Angehörige und deren Familien reisen am Sonnabend und Sonntag in die Stadt ihres Stammvaters. Die Volgers aus Knysna in Südafrika kommen und auch die aus West Chester, einer US-amerikanischen Stadt in Pennsylvania. „Aber die meisten Volgers leben in Deutschland - rund um Hannover“, sagt Wolfgang Volger, Senior der Familie aus Bad Lippspringe, der das Amt des Familienforschers vor 15 Jahren übernahm.

Seither hat der 64-jährige IT-Fachmann all die auf Papier gesammelten Familiendaten in einen Computer eingegeben, eine Internetseite (www.volger-info.de) erstellt sowie fünf Bücher mit Stammbaumabläufen, Chroniken und Lebensläufen. Darunter die der bedeutenden Persönlichkeiten, auf die die Nachkommen stolz sind (siehe Kasten). Unter den Volgers waren Bürgermeister, Generale, Adjutanten, Welfen, Pastoren und Wissenschaftler, elf Ratsherren zählt die Familie Volger zwischen 1410 und 1674 in Hannover. Die Volgers haben viele Spuren in Hannover hinterlassen - und eine ist sogar begehbar: Der Volgersweg in der Oststadt erinnert an Otto Johann Heinrich Volger, von 1713 bis 1725 Bürgermeister. In eben jener Straße verzeichnete die Familie auch einigen Grundbesitz. Im hannoverschen Stadtarchiv zeugt ein Depositum mit 50 Kartons Schriften und Dokumente von der langen Familiengeschichte. Im Standesamt und in der Nikolaikapelle ist das Familienwappen aus Hirschgeweih und Lindenzweig zu sehen.

An diesem Wochenende treffen sich die Volgers zu ihrer 700-Jahre-Feier in Hannover. Natürlich können nicht alle kommen, aber immerhin 70 Angehörige und deren Familien reisen am Sonnabend und Sonntag in die Stadt ihres Stammvaters.

Mehr als 300 Volgers weltweit verzeichnet der 1899 gegründete interne Familienverband, der auch über eine Satzung und einen Präsidenten verfügt und sich alle zwei Jahre mit etwa 30 Personen trifft. Aber es waren mal mehr. „Gerade die Recherche nach Neu-Volgers wird immer schwerer“, begründet Wolfgang Volger. Zwar sei es durch das Internet einfacher geworden, Familienmitglieder aufzuspüren, doch gerade Jüngere beantworteten die Fragen des Familienforschers nicht, obwohl es dabei erst einmal nur um die Namen der Väter und den Geburtsort geht. „So gibt es leider eine ganze Menge Volgers, die wir nicht eindeutig zuordnen können.“

Berühmte Köpfe

Otto Johann Heinrich Volger hatte von 1713 bis 1725 das Amt des Bürgermeisters der Residenzstadt Hannover inne. Bekanntester Freigeist ist der in Lüneburg geborene Geologe Georg Heinrich Otto Volger (1822 bis 1897); er war Gründer des Freien Deutschen Hochstifts und Erhalter des Goethe-Hauses. Seine Vettern vom hannoverschen Zweig blieben ihr Leben lang der Monarchie treu. So diente Otto Karl Wilhelm Volger (1828 bis 1909) dem Herzog von Cumberland, Kronprinz Ernst August von Hannover. Der in Hildesheim geborene Ernst August Volger studierte in Göttingen Theologie und war von 1877 bis 1921 Pastor in Wettbergen an der Patronatskirche Volger. 1968 gab die Familie das Patronat der Kirche nach 444 Jahren Besitz auf.so

Der „Senior“ pflegt mittlerweile stolze 5000 Datensätze von jetzt über 30 Generationen, und er sagt: „Das ist ganz schön viel Arbeit.“ Vor allem auch deshalb, weil viele Familien Todesfälle, Hochzeiten und Geburten nicht mitteilten. Wolfgang Volger kennt fast alle bestehenden Volger-Familien aus seinem Datenschatz persönlich. Die Volgers aus Nienburg, die früher eine Spargelplantage bewirtschafteten. Die Geschwister Jürgen und Erika Volger, die als einzige noch in der Stadt Hannover leben. Oder die Volgers aus Südafrika, auf die er bei einer seiner letzten Recherchen stieß. Schließlich besuchten die Volgers aus Hannover die Volgers in Südafrika. Denn die wohnen ausgerechnet mitten an der Garden Route, dem touristischen Highlight im Süden Südafrikas.

Acht Volgers kamen in der für ihre frischen Austern so beliebten Küstenstadt Knysna zusammen. „Es war ein richtiger kleiner Familientag“, sagt Wolfgang Volger, „und danach haben meine Frau und ich eine Tour gemacht.“ Lediglich die Volgers aus den USA kennt der Hobbyforscher nicht; sie sind erstmals bei einem Familientreffen dabei. Auf dem Programm der Familienfeier stehen Stadtrundfahrt und Tagung. Gastredner sind Hannovers Bürgermeisterin Regine Kramarek und Carola Piepenbring-Thomas vom Stadtarchiv. Und am Sonntag stellt sich die Familie fürs Gruppenfoto vor dem Neuen Rathaus auf, so, wie sie es schon bei den vergangenen Jubiläen gemacht hat. Es werden ein paar neue Gesichter dabei sein, andere liebgewonnene Gesichter werden fehlen.

Bei der letzten großen Zusammenkunft im Juni 1988 war das damals älteste Familienmitglied, die 85-jährige May Reed 11000 Kilometer aus San Francisco angeflogen gekommen. Um mit ihren Vettern und Cousinen zu plaudern, hatte sie extra ein paar Brocken Deutsch gelernt. Ein paar Jahre später starb die reiselustige Dame, die sich in Hannover ein bisschen wie zu Hause gefühlt hatte.

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