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Was wird aus dem Schwesternhaus?

Studentenwohnheim Was wird aus dem Schwesternhaus?

Hannovers einzigem selbstverwalteten Studentenwohnheim droht perspektivisch das Aus. Hohe Erbpacht- und Darlehenszinsen sowie immense Instandhaltungskosten für das mehr als 100 Jahre alte, denkmalgeschützte Gebäude machen es dem Betreiberverein schwer. „Das frisst uns auf“.

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Der Eingang zum Schwesternhaus.

Quelle: Krajinović

Hannover. Wenn man einmal da ist, will man nie mehr weg“, sagt Jana. Die 20-jährige Tiermedizinstudentin wohnt erst seit einem halben Jahr im Wohnheim Schwesternhaus. Aber sie fühlt sich hier richtig wohl. In neun Jahren könnte Schluss sein mit der Heimeligkeit, denn Hannovers einzigem selbstverwalteten Studentenwohnheim droht das Aus. Dann läuft der Erbbaupachtvertrag aus, den der gemeinnützige Betreiberverein mit dem Land 1990 geschlossen hat.

Rund 60.000 Euro Erbpachtzins muss der Verein jährlich zahlen, hinzu kommen die Zinsen für ein Darlehen von einst 2,8 Millionen Mark. „Diese Summe wird sich bis 2024 nach unseren Schätzungen auf rund 7 Millionen Euro gesteigert haben“, sagt Thomas Leveringhaus vom Schwesternhausverein am Dienstagabend bei einer von der Konrad-Ade­nauer-Stiftung organisierten Podiumsdiskussion um die Zukunft des Wohnheims. Wilfried Engelke, FDP-Ratsherr und Handwerksmeister, schätzt allein die Sanierungskosten mit Kennerblick auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. „Das frisst uns auf“, sagt Leveringhaus.

Bewohner helfen bei der Instandhaltung

Dabei schätzen die 120 Bewohner gerade das Gemeinschaftsgefühl. Wie Tobias (25). „Es ist nicht so anonym wie in anderen Wohnheimen“, sagt er. „Als ich mit meinem Anhänger ankam, habe ich gleich Bewohner getroffen, die mir geholfen haben, meine Sachen hochzutragen.“ Arian (30) stammt aus dem Iran. „Ich hatte Angst, alles zurückzulassen, meine Heimat, meine Familie, aber im Schwesternwohnheim haben wir ein neues Zuhause gefunden“, sagt sie. Mit „wir“ meint sie sich und ihre Katze.

Tiere sind hier genauso willkommen wie Kinder, eine Kita ist gleich im Haus. Im Gegenzug zu den günstigen Mieten – 226 Euro kostet eine kleine Zwei-Zimmer-Wohung ohne Bad – leisten die Bewohner, meist Tiermedizinstudenten, freiwillig Arbeitsstunden, um das denkmalgeschützte Gebäude instand zu halten.

„In unserer Familie gibt es viele Kinder, eine andere Unterkunft hätte ich mir gar nicht leisten können. Gut, dass es diese Möglichkeit der Gegenleistung gibt“, sagt Félice (22). Ob Wände verputzen, streichen oder Lampen montieren – „man wird hier auf ganz andere Art selbstständig“, sagt Lisa (20).

Kein Geld vom Studentenwerk

Das Land könnte sich nach Angaben des Finanzministeriums durchaus eine Verlängerung des Erbbaupachtvertrags vorstellen, dann würden allerdings jährlich rund 80.000 Euro Pacht fällig werden. „Das können wir nicht leisten“, betont Leveringhaus. Der Verein, der sich größtenteils über die Mieten finanziert, habe derzeit nur ein Jahreseinkommen von 250.000 Euro. Die Mieten müssten massiv angehoben werden, aber das würde dem Grundkonzept des Schwesternhauses widersprechen. Schon jetzt bleiben dem Betreiberverein nur 35.000 Euro jährlich für die laufende Instandsetzung übrig. Für ein mehr als 100 Jahre altes Gebäude ist das nicht viel.

Vom Studentenwerk Hannover kommt zwar Lob, aber kein Geld. Geschäftsführer Eberhard Hoffmann sagt, man habe genug mit der Sanierung der eigenen Wohnheime im Stadtgebiet zu tun, die oft mehr als 60 Jahre alt seien. Grundlage von jeglicher Zukunftsdiskussion sei, dass der Betreiberverein ein tragfähiges wirtschaftliches Konzept vorlege, meint Jörg Hillmer, Wissenschaftsexperte der CDU-Landtagsfraktion. Der Betreiberverein sollte eine Petition an den Landtag richten.

„Jetzt haben wir ganz viel über Geld, aber nicht über die weichen Faktoren geredet“, sagt eine Zuhörerin zum Schluss. Dabei sei gerade der Gemeinschaftsgeist das, was das Wohnen im Schwesternhaus ausmache. „Das Land muss entscheiden, wie viel ihm dies wert ist“, sagt Grünen-Ratsherr Michael Dette. Schließlich sei das Schwesternhaus auch ein Kulturzentrum.

Entwicklung des Schwesternhauses

  • 1897: Das Schwesternhaus im Stadtteil Bult wird 1897 als Damenstift gegründet.
  • 1943: Den Ersten Weltkrieg übersteht es relativ unbeschadet, im Zweiten Weltkrieg erleidet es massive Brand- und Bombenschäden, am schlimmsten in der Nacht vom 9. Oktober 1943.
  • 1971: Fast 30 Jahre lang steht das Gebäude leer. Dann ziehen die ersten Studenten ein, Duschen gibt es keine, nur eine Ölheizung. Das Haus ist heruntergekommen und genauso ist auch sein Ruf. Vom „Salmonellenpuff“ und „Kommunistenwohnheim“ ist die Rede. Man rechnet  fest mit dem Abriss.
  • 1974: Das Schwesternhaus wird unter Denkmalschutz gestellt
  • 1981: Der Schwesternhausverein wird gegründet, und die Bewohner starten mit Sanierungsarbeiten in Eigenregie.
  • 1990: Der Verein schließt mit dem Land Niedersachsen einen Erbbaurechtsvertrag ab, der bis 2024 gilt. Die Grundsubstanz wird in den nächsten vier Jahren renoviert, dafür erhält der Verein ein Darlehen vom Land über 2,8 Millionen Mark. Rund 10 000 freiwillige Arbeitsstunden erbringen die Bewohner im Jahr für den Erhalt des Gebäudes seitdem.
  • 1995/96: Die im Zweiten Weltkrieg zerstörten Spitzdächer werden wieder aufgebaut, es entstehen 13 Wohngemeinschaften für insgesamt 37 Bewohner. Eine Regenwassernutzungsanlage wird installiert, ein Blockheizkraftwerk für Strom eingerichtet, die erste Kindertagesstätte zieht in das Gebäude.
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