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Aus der Stadt Hannovers ungelöste Kriminalfälle
Hannover Aus der Stadt Hannovers ungelöste Kriminalfälle
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06:15 21.09.2012
Inka Köntges verschwand am Morgen des 10. August 2000 in der Eilenriede. Ihr Ehemann suchte in dem Waldstück mit Handzetteln nach Zeugen. Quelle: Henning Schaffner
Hannover

Was geschah mit Inka Köntges?

Die seit mehr als zwölf Jahren verschollene Biologin soll auf Antrag ihrer Zwillingsschwester jetzt offiziell vom Amtsgericht für tot erklärt werden.

Die Ermittlungen sind längst eingestellt, die Aktendeckel schon seit Jahren geschlossen. Und doch nimmt in dieser Woche einer der spektakulärsten Kriminalfälle der Stadt eine weitere Wendung. Die Familie von Inka Köntges, jener jungen Frau, die vor mehr als zwölf Jahren am helllichten Tag auf ihrem Weg zur Arbeit spurlos verschwand, will die Verschollene nun für tot erklären lassen. Ein entsprechender Antrag liegt dem Amtsgericht Hannover vor.

Das öffentliche Aufgebot hängt in der Eingangshalle des Gerichtsgebäudes. Am Donnerstag verstreicht die Frist, innerhalb der sich die vermisste Frau selbst bei den Behörden melden müsste oder andere Menschen ihre Aussagen über den Verbleib der Gesuchten machen können. Geschieht dies nicht, wird eine Richterin Inka Köntges nach dem Verschollenheitsgesetz offiziell für tot erklären. „Als Todeszeitpunkt gilt dann der 10. August des Jahres 2000, der Zeitpunkt ihres Verschwindens“, sagt Gerichtssprecher Jens Buck.

Was genau an diesem Tag mit der damals 29-jährigen Biologin, die in der Eilenriede verschwand, geschah, hat die Polizei nie herausbekommen. Dass sie es bei dem Fall mit einem außergewöhnlich mysteriösen Vorgang zu tun hatte, war den Beamten allerdings schnell klar. „Der Fall fällt aus der Norm heraus. Merkwürdig ist die Tageszeit. Vormittags ist die Gefahr, in der Eilenriede gesehen zu werden, sehr groß“, sagte Hans-Hermann Tilmanns, der Leiter der damaligen Mordkommission, in einem Zeitungsinterview. Hinzu komme, dass nicht nur die Frau, sondern auch ihre persönlichen Gegenstände verschwunden seien, so der Fahnder. „Um einen Menschen mit einem Fahrrad verschwinden zu lassen, braucht man mindestens ein Auto. Das müsste jemand gesehen haben“, erklärte Tilmanns.

Nach Aussage ihres Mannes Marc verließ Inka Köntges am Tag ihres Verschwindens gegen 8 Uhr die gemeinsame Wohnung in der Lister Bronsartstraße. An diesem warmen Sommertag schwang sie sich auf ihr silbernes Damenfahrrad und wählte für ihren Weg zur Medizinischen Hochschule, wo die Wissenschaftlerin arbeitete, eine Strecke durch die Eilenriede. An der Schneckenbrücke, einem steilen Übergang über den Schnellweg, soll sie zum letzten Mal gesehen worden sein. Dann verliert sich ihre Spur. Noch in der Nacht gab der Ehemann der Verschwundenen bei der Polizei eine Vermisstenanzeige auf. Zwei Tage später machte er alle Zeitungsredaktionen der Stadt auf das Schicksal seiner Frau aufmerksam. In den folgenden Wochen unterstütze Marc Köntges die Ermittler, wo immer er konnte. Er verteilte Handzettel mit einem Foto seiner Frau in der Eilenriede, um weitere Zeugen ausfindig zu machen. Er setzte eine Belohnung von 20.000 Euro für Hinweise auf den Verbleib der 29-Jährigen aus. Vergebens. Seit dem 10. August des Jahres 2000 gab es kein Lebenszeichen mehr von Inka Köntges. Es gab keine Abhebungen von ihrem Konto, weder das Fahrrad noch andere persönliche Gegenstände tauchten je wieder auf. Auch ein Leichnam wurde nie gefunden, obwohl die Polizei die Eilenriede viermal mit einem Großaufgebot an Beamten durchkämmte. Die Ermittler gingen sogar Hinweisen nach, denen zufolge sich die sehr gläubige Baptistin in ihrer Gemeinde versteckt halte. Doch auch diese Nachforschungen mündeten nicht in eine heiße Spur. Kopfzerbrechen bereitete den Ermittlern ein anonymer Anrufer. 440-mal meldete er sich per Mobiltelefon bei der Behörde und behauptete: „Ich habe Inka.“ Doch als die Kripo versuchte, über die Handynummer des Anrufers an den Mann heranzukommen, war es zu spät. Durch einen Fehler beim entsprechenden Mobilfunkanbieter waren alle Daten des Handynutzers gelöscht worden. Doch selbst die Veröffentlichung der Handynummer des Anrufers führte nicht zum Durchbruch in dem Fall. Ende 2002 stellten die Behörden die Ermittlungen ein.

Nach all den Jahren möchte die Familie von Inka Köntges jetzt offenbar auch für sich einen Schlussstrich unter die Angelegenheit ziehen. „Die Zwillingsschwester der Vermissten hat beantragt, Inka Köntges nun für tot erklären zu lassen“, sagt Amtsgerichtssprecher Buck. Nach dem Gesetz könne ein solcher Antrag frühestens nach Ablauf des Jahres gestellt werden, in dem die Betroffene zehn Jahre lang als verschwunden gilt. Köntges’ Ehemann Marc, der nie verdächtigt wurde, etwas mit dem Verschwinden seiner Frau zu tun zu haben, hatte sich bereits 2005 per öffentlichem Aufgebot scheiden lassen. Auch zog er damals die ausgelobte Belohnung zurück.

tm 

Der Fall Çiçek Ö.

Im Oktober 2010 verschwand die damals 19-jährige Çiçek Ö. aus Burgwedel. Sie verabschiedete sich an einem Montag in der elterlichen Wohnung von ihrer Mutter und brach anschließend auf, um eine Cousine in der Nachbarschaft zu besuchen. Doch dort kam sie nie an.
Die Polizei ging zunächst davon aus, Çiçek Ö. habe ihre Familie aus freien Stücken verlassen. Erst sechs Wochen nach ihrem Verschwinden stießen die Ermittler auf Hinweise, dass die junge Frau Opfer einer Straftat geworden sein könnte. Die Polizei hatte zuvor Dateien auf dem Computer der 19-Jährigen ausgewertet und festgestellt, dass Çiçek Ö. über soziale Netzwerke im Internet zahlreiche Kontakte hatte. Im Netz benutzte sie allerdings nicht ihren richtigen Namen, sondern nannte sich „Martha“. Durch die Auswertung der Daten stießen die Beamten auf einen 29-jährigen Mann aus der Region Hannover, den sie schließlich vorläufig festnahmen. Schon bald aber mussten die Beamten den Mann wieder laufen lassen – für den Verdacht, er habe etwas mit dem Verschwinden der jungen Frau zu tun, fanden sich trotz intensiver Ermittlungen keine Beweise. Der Tatverdächtige hatte von Anfang an seine Unschuld beteuert.

vmd

Der Fall Jenisa Muja

Seit dem 7. September 2007 wird die achtjährige Jenisa Muja vermisst. Das Mädchen verließ am frühen Nachmittag die Wohnung seiner Eltern an der Wittekindstraße in Linden, um seine Tante im etwa 800 Meter entfernten Ihme-Zentrum zu besuchen. Dort kam sie niemals an; eine Zeugin gab aber später gegenüber der Polizei an, sie habe das Mädchen noch im Fahrstuhl des Hochhauses gesehen. Drei Tage nach Jenisas Verschwinden wurden Kleidung und Schuhe des Mädchens an einer Autobahnauffahrt in Wunstorf entdeckt – von diesem Zeitpunkt an ging die Polizei fest von einem Verbrechen aus.

Als Hauptverdächtiger galt Jenisas Onkel. Der damals 37-Jährige wurde einige Tage nach dem Verschwinden des Mädchens wegen des Verdachts des Totschlags festgenommen. Der Fall schien gelöst, zumal sich der Verdächtige in einer ersten Vernehmung in Widersprüche verstrickte und kein Alibi hatte. Auffällig war auch, dass der Mann seinen VW Golf wenige Tage nach dem Verschwinden des Mädchens an einen Autohändler in Minden verkaufte. Die Tat konnte ihm aber nicht nachgewiesen werden. Der Verdächtige kam frei und zog in eine andere Stadt.

vmd

Der Fall Karen Gaucke

Sechs Jahre nach dem Doppelmord an Karen Gaucke und ihrer kleinen Tochter Clara kann die Polizei die Ermittlungsakten noch immer nicht schließen. Um den Fall endgültig klären zu können, fehlen weiterhin die Leichen der damals 37-jährigen Frau und ihrer sieben Monate alten Tochter. Die Chancen, dass die sterblichen Überreste noch gefunden werden, sind gering: Der wegen Tötung verurteilte ehemalige Lebensgefährte von Karen Gaucke starb im Februar 2012 an den Folgen einer Krebserkrankung im Gefängnis – einen Hinweis darauf, wo er die Leichen versteckte, hinterließ er nicht.

Michael P. war aufgrund eindeutiger Indizien zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Unter anderem fand die Polizei an seinen Turnschuhen Blutspuren, die Karen Gaucke zugeordnet werden konnten. Michael P. selbst hat die Tat nie eingeräumt, sondern bis zu seinem Tod geschwiegen. In der Hoffnung, die Leichen doch noch zu finden, hat die Polizei in den vergangenen Jahren immer wieder groß angelegte Suchaktionen im Bereich Burgdorf und Peine durchgeführt und auch speziell ausgebildete Hunde, sogenannte Mantrailer, eingesetzt. Alle Bemühungen brachten keinen Erfolg.

vmd

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