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Das sind Hannovers ungelöste Kriminalfälle

Pink Panther, Hochzeitsmord, Kanalleiche Das sind Hannovers ungelöste Kriminalfälle

Manche Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft ziehen sich über Monate, sogar Jahre hin – und enden gelegentlich dennoch mit keiner Festnahme. Hier finden Sie eine Übersicht der bekanntesten ungelösten Kriminalfälle in Hannover.

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Viele Fälle, viel Arbeit: Bei der Suche nach Jenisa Muja half eine Braunschweiger Polizei-Hundertschaft.

Quelle: dpa

Hannover . Eine Woche nach dem Unfall eines Lamborghini in der City hat die Polizei die Halterin des Autos ermittelt, kennt den Besitzer des Wagens mit dem der Unfallverursacher flüchtete und hat diverse Zeugen befragt. Der Raser, der eine Radlerin umfuhr, drei Autos rammte und einen Schaden von etwa 160 000 Euro verursachte, ist dennoch weiterhin auf freiem Fuß. Ein Grund für den noch ausstehenden Fahndungserfolg könnte sein, dass der Lamborghini-Fahrer nicht der einzige Täter ist, nachdem derzeit gefahndet wird.

Um rund ein Dutzend spektakuläre Verbrechen müssen sich Polizei und Staatsanwaltschaft in Hannover bereits seit Anfang des Jahres kümmern. Einige, wie zum Beispiel der blutige Streit in Laatzen, bei dem ein 55-Jähriger seinen Untermieter erschoss, konnten schnell aufgeklärt werden. In anderen Fällen liegen die Akten bereits bei der Staatsanwaltschaft, die zum Beispiel die Anklage gegen Daniel F. vorbereitet. Er hatte im Februar Vanessa M., seine Ex-Freundin, mit Säure schwer im Gesicht verletzt. Weitere Fälle wie etwa der des Messerangriffs einer 15-jährigen mutmaßlichen IS-Sympathisantin auf einen Bundespolizisten hat mittlerweile die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe übernommen.

Das sind die bekanntesten ungelösten Kriminalfälle der letzten sechs Jahre in Hannover.

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Und dann gibt es die ungelösten Fälle, in denen die Polizei noch immer Täter sucht – und dafür gern mehr Personal einsetzen würde. Aber die Kapazitäten der Behörde sind begrenzt. Und die Zahl der Straftaten, um die sich die Beamten kümmern müssen, nimmt seit Jahren zu. Es sind allerdings vor allem unspektakuläre Delikte , die immer wieder kurzfristig das Personal im Streifendienst und vor allem im Büro binden. Das wird bei einem Blick in die aktuelle Kriminalstatistik deutlich. Werden Tatbestände wie das Erschleichen von Leistungen und Ladendiebstahl sowie die Verstöße gegen das Aufenthalts- und Asylverfahrensgesetz ausgeklammert, ist die Zahl der Straftaten im Bereich der Polizeidirektion Hannover mit 98 304 Fällen im vergangenen Jahr erstmals seit 2011 wieder gesunken. Werden die genannten Delikte hingegen dazugezählt, erreicht die Zahl der Taten den Rekordwert von 121 119.

Auch bei der Staatsanwaltschaft wurden 2015 mehr als 100 000 Fälle bearbeitet. Viele davon können schnell abgehakt werden. Andere bereiten den Ermittlern Kopfzerbrechen. „Natürlich würden wir wie im Fernsehen auch gerne immer nach eineinhalb Stunden einen Täter mit Geständnis präsentieren“, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. „Wir sind hier aber nicht beim Tatort.“ Alle Fälle würden mit Hochdruck bearbeitet, sagt Klinge. Leider gebe es aber auch Ermittlungen, die trotz aller Bemühungen ins Stocken gerieten und manchmal sogar überhaupt nicht mehr weiterführten.

Der Fall des ermordeten Rentners Bernd M., von dessen Leiche Teile im Mittellandkanal gefunden worden sind, ist eine aus dieser Kategorie. Erst in der vergangenen Woche entschlossen sich die Ermittler daher, über die Fernsehsendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ an die bundesweite Öffentlichkeit zu gehen und um Hinweise zu bitten. „Das bedeutet jedoch nicht, dass wir nicht auch Fälle lösen, deren Ermittlungen sich über einen längeren Zeitraum hinziehen“, sagt Klinge.

Bestes Beispiel dafür ist der Mord an der achtjährigen Jenisa Muja. Im Jahr 2007 war sie spurlos verschwunden. Den Tatverdächtigen Ibrahim B., der kurz darauf festgenommen wurde, mussten die Ermittler aus Mangel an Beweisen wieder laufen lassen. Erst Mitte 2014, als B. wegen des Mordes an einem fünfjährigen Jungen aus Herford bereits im Gefängnis saß, entlockten ihm dort zwei Mitinsassen ein Geständnis, das die Polizei zur Leiche von Jenisa führte. Im Oktober 2015 wurde Ibrahim B. zu lebenslanger Haft verurteilt.

Eine Übersicht der spektakulärsten ungelösten Fälle in Hannover:

Der Lamborghini-Unfall

26. März 2016: Gegen 16.30 Uhr biegen ein gelber Lamborghini Murcielago und ein weißer Porsche von der Schmiedestraße nach Links auf die Karmarschstraße ab. Kurz darauf gibt der Fahrer des italienischen Sportwagens so stark Gas, dass er die Kontrolle über sein Fahrzeug verliert. Das Auto rast auf die Gegenspur und erfasst eine 27 Jahre alte Radfahrerin, die glücklicherweise nur leicht verletzt wird. Der Lamborghini prallt gegen drei geparkte Autos und richtet nach Schätzungen der Polizei einen Schaden von etwa 160 000 Euro an. Der Fahrer flüchtet – er steigt bei dem Porsche-Fahrer mit ein, und beide brausen davon. Wenig später meldet sich ein junger Mann bei der Polizei und gibt an, der Unfallfahrer zu sein – eine Lüge.  Auch die Halterinnen der beiden Sportwagen, die die Polizei befragt, geben die Identität der Fahrer nicht preis.

Bei einem illegalen Autorennen in der Innenstadt von Hannover ist ein Lamborghini gegen einen Fiat 500 geprallt.

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Der Fall Sefin N.

13. März 2016: Auf einer kurdischen Hochzeitsfeier im Star Event Center in Vahrenheide schießt der 22 Jahre alte Sefin Nahmann Pesso auf seine Cousine Shilan H.. Die 21-jährige Jesidin bricht schwer verletzt zusammen und stirbt noch am selben Abend in einem Krankenhaus. Nahmann Pesso soll seine Cousine mit dem Einverständnis seines Vaters und anderer männlicher Verwandter getötet haben, weil sie sich angeblich weigerte, ihn zu heiraten. Shilans Vater Ghazi H. wirft seinen Brüdern vor, die Zwangsehe gegen seinen Willen arrangiert zu haben. Nahmann Pesso  schafft es nach der Tat, mithilfe eines Cousins zu flüchten. Am Tag nach den tödlichen Schüssen durchsucht ein Spezialeinsatzkommando eine Wohnung in Burgdorf – ohne Erfolg. Seit vergangenen Donnerstag fahnden Polizei und Staatsanwaltschaft öffentlich nach dem Täter.

In Vahrenheide sind Schüsse auf einer Hochzeitsfeier gefallen, eine 21-Jährige starb.

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Der Fall Annika B.

27. November 2011: Die  20 Jahre alte Studentin Annika B. wird in ihrer Wohnung in der Kohlrauschstraße von einem unbekannten niedergestochen, der ihr dort offensichtlich aufgelauert hatte. Die Mutter eines kleinen Mädchens war kurz zuvor Zigaretten holen gewesen. Obwohl es eine Beschreibung von drei Männern gibt, die den Täter auf der Flucht gesehen haben, die Polizei einen Gentest mit 1000 Männern durchführt und eine Belohnung von 5000 Euro auf die Ergreifung des Täters aussetzt, beschließen die Mordermittler die Akte Ende 2013 zu schließen. Auch eine heiße Spur nach Rostock ändert daran nichts. Auf diese war die Polizei durch ein Gespräch von Annika mit ihrer Mutter gestoßen, in dem die damals 20-Jährige von einem Mann aus den neuen Bundesländern berichtete, der angekündigt habe, sie zu holen und umzubringen.

Der Fall der getöteten Studentin Annika B. ist nach wie vor ungelöst. Die Polizei wendete sich immer wieder mit der Bitte um Zeugenhinweise an die Öffentlichkeit. Auf Plakaten, die in der Innenstadt und am Tatort ausgehängt wurden, hatte die Polizei neun konkrete Fragen zu dem Fall formuliert, auf die sich die 15 Mitarbeiter der Mordkommission Antworten erhoffen.

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Der Fall Monika P.

4. Januar 2010: Spaziergänger finden die Beine und den Oberkörper der 24 Jahre alten Monika P. unter der Legionsbrücke in der Ihme. Seitdem versuchen die Behörden das Rätsel um den gewaltsamen Tod der Gelegenheitsprostituierten aus Linden zu lösen. Ähnlich wie im Fall des verschwundenen Rentners aus Herrenhausen suchten die Ermittler das Gewässer ab, lobten eine Belohnung von 3000 Euro aus und wandten sich über die Fernsehsendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ an die breite Öffentlichkeit. Doch weder da, noch ein Massen-Gentest, den die Polizei in Linden durchführte, brachten eine heiße Spur. Erst Ende vergangenen Jahres lenkte die Polizei erneut die Aufmerksamkeit auf den Fall, als sie ein dreiminütiges Video mit allen Informationen veröffentlichte, die die Ermittler in den vergangenen sechs Jahren gesammelt haben.

Im Fall der ermordeten Monika P. setzt die Polizei Hannover verstärkt auf die Öffentlichkeit.

Im Fall der ermordeten Monika P. setzt die Polizei Hannover verstärkt auf die Öffentlichkeit.

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Der Pink-Panther-Überfall

29. Februar 2016: Gegen 19.20 Uhr passen vier Männer eine Mitarbeiterin des Juweliergeschäfts Huth an ihrer Wohnung in Badenstedt ab. Sie zerren die 73-Jährige in einen gestohlenen VW-Bulli, fesseln und knebeln sie. Mit einer Waffe zwingen sie die Frau, den Schlüssel und die Sicherheitscodes für das Geschäft am Kröpcke herauszugeben. Dann fahren sie mit ihrem Opfer in die City, wo einer der Täter in das Juweliergeschäft einbricht. Dabei löst der 32-Jährige jedoch stillen Alarm aus und wird kurz darauf von mehreren Polizisten gestellt, auf die er mit einer Waffe schießt, die er im Laden gefunden hat. Die Beamten schaffen es dennoch, ihn festzunehmen. Von seinen Komplizen, von denen die Polizei vermutet, dass sie genau wie der 32-Jährige zur sogenannten Pink-Panther-Bande gehören, fehlt weiterhin jede Spur. Die Geisel bleibt unversehrt.

Brandanschlag in Barsinghausen

23. Januar 2016: Eine Autofahrerin entdeckt im Vorbeifahren, dass aus dem Rohbau einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Barsinghausen Flammen schlagen. Als die Feuerwehr den Brand kurz darauf löscht, entdecken die Einsatzkräfte mehrere aufgeschraubte Gasflaschen im Inneren. Offenbar wollten die Täter das Gebäude mit dem explosiven Material in die Luft sprengen, das sie zuvor aus einem Baucontainer entwendet und in den Rohbau geschleppt hatten. Fünf Tage später kommt es offenbar zum nächsten Angriff. Wenige Stunden nach einer Demonstration gegen den Fremdenhass der Brandstifter gehen drei Autos der Stadtverwaltung vor dem Sitz der Behörde in Flammen auf.

In einem Rohbau an der Hannoverschen Straße hat es gebrannt. In dem Gebäude sollen nach Fertigstellung Flüchtlinge untergebracht werden.

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Die Leiche im Kanal

28. Juli 2015: Unbekannte töten den 70 Jahre alten Rentner Bernd Mokijewski in seiner Wohnung in der Haltenhoffstraße in Herrenhausen. Anschließend zerstückeln sie die Leiche, verpacken sie in Plastiksäcken und transportieren sie offenbar sogar mit dem Auto ihres Opfers zum Mittellandkanal. Dort werfen sie die Extremitäten ins Wasser. Fast eine Woche später entdecken Mitarbeiter der Wasser- und Schifffahrtsamts Braunschweig die Säcke nahe der Noltemeyerbrücke. Später stellt sich heraus, dass Hände, Füße und Kopf des Toten fehlen. Auch das Motiv der Täter gibt der Polizei weiterhin Rätsel auf. Eine anonyme Anruferin berichtete davon, dass sie M. am Tag seines Todes beobachtete, wie er mit zwei Männern stritt. Die Mordkommission „Kanal“ hat mittlerweile eine Belohnung von 3000 Euro für Hinweise ausgelobt, die zur Ergreifung des Täters führt.

Die Polizei hat Fotos von Bernd M. veröffentlicht und bittet die Bevölkerung um Hinweise.

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Der Molotow-Cocktailwurf

5. Februar 2016: Ein Unbekannter wirft am Freitagabend zwei Molotowcocktails vom Parkdeck der Ernst-August-Galerie. Die mit Benzin gefüllten und einer Lunte versehenen Flaschen schlagen vor dem Eingang des Einkaufscenters auf. Wie durch ein Wunder wird niemand verletzt. Als die Polizei kurz darauf am Tatort eintrifft, finden die Beamten zwei weitere Molotowcocktails, die der Täter auf dem Vordach der Ernst-August-Galerie zurückgelassen hat. Die Ermittler suchen auch alle umliegenden Gebäude und Dächer nach dem Täter ab, jedoch ohne Erfolg. Der Brandstifter ist weiterhin auf freiem Fuß. Unklar ist bislang auch, ob es sich bei dem Anschlag um einen gezielten Angriff oder die Tat einer geistig verwirrten Person gehandelt hat. Zeugen werden gebeten, sich an die Polizei unter der Telefonnummer (05 11) 1 09 55 55 zu wenden.

Ein bislang unbekannter Täter hat zwei Molotow-Cocktails vom Dach der Ernst-August-Galerie in der City geworfen. Eine der der Flaschen schlug vor dem Haupteingang des Einkaufszentrums auf.

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