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Aus der Stadt Hannovers vergessener Vizekönig
Hannover Aus der Stadt Hannovers vergessener Vizekönig
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00:18 24.11.2017
Adolph Friedrich Herzog von Cambridge Quelle: Archiv
Hannover

Der Trinkspruch hat ihm ein ehrendes Angedenken bewahrt: „Pütje, Pütje, Pütje, de Herzog von Cambridsche, hei kümmt, hei kümmt, hei kümmt – ob hei wohl einen nümmt?“ hieß es lange auf Hannovers Schützenfesten, ehe feierlich gepichelt wurde. Als volksnaher Lebemann galt Adolph Friedrich Herzog von Cambridge. Als jovialer, fürsorglicher Landesvater. 

Eva Catherina Heesen hat den Herzog in einem Studentenjob kennengelernt. Sie machte Führungen im Historischen Museum und kam dabei immer an seinem Porträt vorbei. „Da war mir noch nicht klar, wie interessant seine Geschichte ist“, sagt sie. Jetzt hat sie an der Leibniz-Uni eine Dissertation über den vergessenen Welfen geschrieben. Für die Doktorarbeit, gefördert von der VGH-Stiftung, recherchierte die 34-Jährige nicht nur im Landesarchiv, sondern – mit Genehmigung Ihrer Majestät, der Queen – auch in den Royal Archives in Windsor.

Zur Zeit der Personalunion – die Welfenherrscher residierten im fernen London –  schickte König Georg III. seinen Sohn Adolph Friedrich 1816 nach Hannover. Hier amtierte der englische Prinz bis 1837 als Generalgouverneur und Vizekönig – und als Fleisch gewordener Ausdruck der dynastischen Verbindung mit Großbritannien. Forschern galt Adolph Friedrich bislang eher als welfischer Grüßonkel, der vielleicht trinkfest, aber vor allem unpolitisch war. Doch das ist ein Irrtum.

„Er füllte seine Rolle mit wachsendem Selbstbewusstsein aus und zeigte großen Gestaltungswillen“, sagt Heesen. Kenntnisreich und gut lesbar beschreibt sie, wie der Herzog sich für Arme einsetzte. Er förderte Kultur und Wissenschaft, sah gerne Theaterstücke im Ballhof, engagierte sich im Historischen Verein und im Kunstverein.

Als es 1831 in Göttingen und Osterode zu Aufständen kam, ließ er das Militär aufmarschieren und zeigte eine harte Hand. Doch anschließend reiste er durchs Land und gab sich generös gegenüber der Bevölkerung, die teils in desolaten Verhältnissen lebte. Unter seiner Ägide entstand 1833 auch ein halbwegs liberales Staatsgrundgesetz. Vier Jahre darauf bestieg sein erzkonservativer Bruder Ernst August den Thron – und kippte dieses wieder. Zum Ärger von Adolph Friedrich. Dieser geriet allmählich in Vergessenheit. Eine Einkaufsgalerie wurde nach ihm nicht benannt. Und ein Brauhaus auch nicht. Obwohl das wohl ganz gut zu ihm gepasst hätte.

Eva Catherina Heesen: „Adolph Friedrich, Herzog von Cambridge als Generalgouverneur und Vizekönig von Hannover, 1816-1837“, Wehrhahn Verlag Hannover, 351 Seiten, 34 Euro.

Von Simon Benne

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