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Leibniz-Bibliothek

Hannoversche Erfindung soll Bücher retten

Die Leibniz-Bibliothek hat ein System zur Evakuierung von wertvollen Schriften und Büchern entwickelt und darauf auch gleich ein Patent angemeldet.

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Die rote Rettungsrutsche ist aufgeblasen, das Team bringt sich in Position. Die Feuerwehr ist auch vor Ort. Die Evakuierung kann beginnen. Es könnte eine Übung im Trainingszentrum der Lufthansa sein. Doch über die Rettungsrutsche werden keine Menschen, sondern Bücher evakuiert.

Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek stellte am Donnerstag eine neue Erfindung vor, um wertvolle Bücher und Schriften bei Wassereinbruch oder Feuer schnellstmöglich in Sicherheit bringen zu können. „Diese Bücherbergungsrutsche ist für die Bibliothek sehr wichtig – auch wenn ich hoffe, dass wir sie nie brauchen werden“, sagt der Leiter der Bibliothek, Georg Ruppelt. Die Bergungsrutsche hat Martin Brederecke, Restaurator an der Bibliothek, gemeinsam mit der Firma „Planen Müller“ entwickelt. Es gebe alle möglichen Arten von Rettungsrutschen, aber keine sei für die Bergung von Büchern geeignet, erläutert Philipp Müller als Vertreter des Unternehmens.

Also hat die Firma eine eigene Konstruktion entworfen, die sie im Juni auch zum Patent angemeldet hat. Die Rutsche könne aber immer erst dann eingesetzt werden, wenn die Feuerwehr das Gebäude im Ernstfall freigebe, erklärt Brederecke, der auch Mitglied in der Arbeitsgruppe „Notfallverbund Kulturgutschutz“ ist. Denkbar sei in etwa der Fall, dass zwar ein Teil eines Gebäudes brenne, die Feuerwehr aber die Evakuierung von Büchern aus anderen Gebäudebereichen für möglich halte. Für solche Fälle sei die Konstruktion gedacht. „Wenn das ganze Gebäude brennt, nützt die Rutsche auch nichts mehr“, sagt Brederecke.

Einige Kollegen aus anderen Bibliotheken hätten bereits Interesse an der Rutsche gezeigt. In Serie könne das Rettungsgerät jedoch nicht produziert werden, da es immer an die speziellen Gegebenheiten eines Gebäudes angepasst werden müsse. Die Rutsche für die Leibniz-Bibliothek ist in einer Tasche an einem ausklappbaren Gestell befestigt, das direkt an der Gebäudefassade angebracht ist. So bleibt das Gerät immer vor Ort. Die Position für die Rutsche wurde mit Bedacht ausgewählt: Es ist das Fenster der Handschriftenabteilung, in der die zum Weltdokumentenerbe erklärten Leibniz-Briefe in Tresoren lagern.

Im Notfall wird das Gestell ausgeklappt, die Tasche geöffnet und die Rutsche, die aus PVC-Plane und Kautschuk hergestellt wurde, mittels Druckluft aufgeblasen. Die zwölf Meter lange Rutsche, die mit einer Plane abgedeckt ist, um die Bücher vor Löschwasser oder Regen zu schützen, mündet in ein Auffangbecken, in dem die Bücher landen. Das Entfalten und Befestigen der Rutsche dauert zwischen acht und zehn Minuten. Die Konstruktion ist so gebaut, dass sie die etwa 20 Kilogramm schweren Archivboxen mit Leibniz-Briefen trägt. Brederecke erklärt der Feuerwehr den Evakuierungsplan für die Bücher. Für den Ernstfall ist vorgesehen, dass Retter die Bücher oben aus dem Fenster in die Rutsche geben. Ein Helfer nimmt sie unten an, im Idealfall erfasst ein weiterer die Bücher in Listen, und ein Dritter packt sie auf Paletten.

von Sarah Pancur


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