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Aus der Stadt Hannoversche Expedition klärt über Aids auf
Hannover Aus der Stadt Hannoversche Expedition klärt über Aids auf
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12:00 20.07.2011
Von Felix Harbart
Drei Monate lang schlafen die elf Stammkräfte und ihre Gäste in Autos oder Zelten. Gestern erholte sich die Mannschaft am Maschsee. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Joachim Franz macht so etwas von Beruf. Im Schlamm stecken bleiben, Reifen wechseln, im Auto schlafen. Der Mann ist Abenteurer, Aids-Aktivist, Motivationstrainer, er verkauft sich und seine Geschichte. Seit zehn Jahren bereist Franz im Rahmen seiner „aids awareness expedition“ die Welt und weist auf die Gefahren von HIV und Aids hin, und seit zehn Jahren unterstützt ihn der hannoversche Autobauer VW Nutzfahrzeuge dabei. Und so ist der frühere VW-Bandarbeiter aus Wolfsburg über die Jahre zu einer Marke geworden. Franz steht für eine gute Sache, für staubige Straßen und lachende Kinder. Der ideale Imageträger also für VWN, einen Hersteller von modernen Lasteseln aller Art.

Derzeit befindet sich Franz mit einer elfköpfigen Stammbesetzung auf einer Reise, die er „Move the World Tour“ genannt hat. 62.000 Kilometer will die Truppe am Ende in ihren fünf VW Amarok zurückgelegt haben, am Dienstag machte sie bei Kilometer 55.900 halt in Hannover, um dem Sponsor einen Besuch abzustatten. Alles in allem wollen Franz und seine Freunde in 95 Tagen 49 Länder durchfahren und dabei fünf Millionen Euro für die Aids-Aufklärungsarbeit sammeln. Die Route legt sich über die Weltkarte wie ein großes W: angefangen in Nord- und Südamerika, Europa, Afrika und Osteuropa. Nach ihrem Zwischenstopp in Deutschland fliegen die Abenteurer in den kommenden Tagen nach Australien, um dort ihre Tour zu beenden – und einen Punkt hinter das W zu machen.

Schon im Vorfeld allerdings hatte Franz einiges in seinen Plänen umwerfen müssen. Die Atomkatastrophe von Fukushima verhinderte die Fahrt durch Japan, die Revolutionen im arabischen Raum ließen Tunesien und Syrien von der Fahrtroute verschwinden. Auf der Fahrt schließlich verweigerte Saudi-Arabien die Durchreise mit dem Verweis auf das unerwünschte Thema Aids, und in Kolumbien begleitete die eigens von der deutschen Botschaft organisierte Polizeieskorte den Konvoi nur bis zur Grenze des Rebellengebiets der Farq. „Von da an war es für Polizeifahrzeuge zu gefährlich“, sagt Franz. Im Kongo wiederum quälte sich die Expedition über eine Straße, die Nationalstraße heißt, aber eine gemeine Buckelpiste ist.

Wo auch immer die Franz-Truppe hinkommt, organisiert sie Gesprächsrunden mit regionalen Verantwortungsträgern oder Prominenten, die ihre Botschaft weitertragen sollen. Aus der Perspektive des Aids-Aktivisten liegen die größten Sorgenkinder dabei nicht mehr im südlichen Afrika, auch wenn auch dort die Infektionsrate nach wie vor zu hoch ist. „Die höchsten Raten haben wir mittlerweile in Osteuropa und Zentralasien“, sagt Franz. „Es gibt Länder, die derzeit in Sachen Aids-Prävention total zusammenbrechen.“ Anderswo seien Erfolge sichtbar – etwa in Marokko, wo sich zahlreiche Imame im Kampf gegen die Krankheit engagierten.

In diesen Tagen aber haben die Abenteurer ein bisschen Pause. Die Nacht zu gestern verbrachten sie – nach drei Monaten im Auto, Zelt oder in bescheidenen Hostels – endlich wieder in weichen Betten. Mit im Franz-Tross sind Menschen wie Guido Althausen, der heute bei einer Computerfirma arbeitet, aber früher jahrelang Safaris durch Afrikas Wüsten gemacht hat. Oder Andreas Reichwein, der ein Gästehaus in Kapstadt betreibt. „Dass man für eine gewisse Zeit wieder auf das Notwendigste zurückgeworfen ist, das ist eine besondere Erfahrung“, sagt er.

Derweil freut sich VWN-Vorstand Harald Schomburg, dass sein neuer Amarok den Härtetest bestanden hat. „Als ich das Filmmaterial von der Expedition zum ersten Mal sah, habe ich die Hände vor die Augen geschlagen vor Schreck“, sagt er. „Das ist ein Belastungstest, wie wir ihn künstlich kaum herbeiführen können.“ Und einer, der Bilder liefert vom echten Abenteuer im Amarok.

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