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Aus der Stadt Hannoversche Filmemacher feiern Weltpremiere
Hannover Aus der Stadt Hannoversche Filmemacher feiern Weltpremiere
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00:17 19.02.2015
Stoßen im Astor auf eine gelungene Premiere an (v.l.): Nordmedia-Chef Thomas Schäffer, Hauptdarstellerin und Produzentin Julia Dordel, Regisseur Guido Tölke sowie die Schauspieler Anita Reimer, Denise M’Baye und Hendrik Massute. Quelle: Link
Hannover

Zur Aufführung im prächtigsten Kinosaal, den Hannover zu bieten hat, kamen am Sonntag rund 350 Besucher ins Astor Grand Cinema– darunter auch viele Mitglieder des Filmteams aus Niedersachsen und Kanada. Auf der Kinoleinwand wird die actionreiche Miniserie um eine Forstwissenschaftlerin, die eine internationale Verschwörung der Energiewirtschaft aufdeckt, allerdings nicht mehr zu sehen sein. Die deutsch-kanadische Independentproduktion nimmt sich zwar Hollywood-Blockbuster zum Vorbild, muss angesichts eines bescheidenen Budgets von rund 200.000 Euro aber kleinere Brötchen backen.

Die Vermarktungsrechte für den von Nordmedia geförderten Film hat sich der unter Cineasten berühmt-berüchtigte Uwe Boll gesichert, der auch eine kleine Nebenrolle im zweiten Teil spielt. „Der Film wird international in Paketen verkauft“, sagt Regisseur Tölke. Es sei auch eine Veröffentlichung als Video-on-Demand im Internet geplant. „Wir hoffen, dass viele Vermarktungen zusammen kommen.“

Filmfreunde aus Hannover können darauf hoffen, dass der Zweiteiler somit nicht nur den Weg ins asiatische, sondern vielleicht auch ins deutsche Fernsehen findet. Denn obwohl die Handlung in Kanada, Südfrankreich, Hamburg und Berlin spielt, wurden zahlreiche Szenen in Hannover und Umland gedreht. Die Schauplätze verlagerten die Filmemacher zwar an die Spree, die Drehorte ließen sie aber aus Kostengründen an der Leine. So wird etwa das Annastift zur Charité, das bio-vegane Café Gleichklang in der Marienstraße zum Berliner Internetcafé und durch dessen Hinterausgang landen die Darsteller auf dem Hinterhof des Lindener Apollo-Kinos. Gedreht wurde darüber hinaus im Straßenbahnmuseum Wehmingen, im Kali-Bergwerk Sehnde und an der Windmühle Barsinghausen.

Wie bei Independentfilmen üblich, hat auch „Mission NinetyTwo“ nur einen kleinen Filmstab. Regisseur Tölke war gleichzeitig für Schnitt und Kamera verantwortlich. Julia Dordel agierte als Hauptdarstellerin und Produzentin. Die Drehbücher schrieben beide zusammen.

Filmprotagonistin Sonia Engelhardt (Julia Dordel, links) wandelt sich von der hilflosen Forstwissenschaftlerin zur kampferprobten Actionheldin und legt sich mit den Rockern der „Midnight Lighters“ (Hintergrund) an. Quelle: Dorcon Film

„Im ersten Teil wollte ich wissenschaftliche Inhalte neu verpacken und Leuten nahe bringen, die sich normalerweise nicht dafür interessieren“, sagt Dordel, die auch im echten Leben in Vancouver als Forstwissenschaftlerin promoviert hat. In der Fortsetzung waren dagegen eher die körperlichen Talente der früheren Zehnkämpferin gefragt, die bis 2008 mit dem kanadischen Olympia-Team trainierte. „In Teil zwei haben wir uns gesagt, jetzt wollen wir richtig Spaß haben – und Action und schöne Bilder zeigen“, sagt Dordel.

„Mission NinetyTwo“ hat nicht nur durch seine Darsteller und Drehorte viele Bezüge zu Hannover. Die kriminelle Rockerbande „Midnight Lighters“, mit denen sich die Protagonisten anlegen muss, basiert auf den Hells Angels. Im zweiten Teil baute Tölke aber die Energiewirtschaft zum eigentlichen Gegenspieler seiner Hauptdarstellerin auf. Diese sei als Antagonist auf der Leinwand einfach besser geeignet, meint der studierte Filmemacher.

„Leichte Popcorn-Unterhaltung“

Nachgefragt bei Guido Tölke – freier Regisseur, Kameramann, Drehbuchautor und Cutter. Der gebürtige Hamelner absolvierte ein Filmstudium an der Fachhochschule Hannover. Nach mehreren Kurzfilmen brachte er jetzt mit „Mission NinetyTwo“ seinen ersten Spielfilm auf die Leinwand.

Herr Tölke, für „Mission NinetyTwo“ hatten sie in etwa das Geld für einen Kurzfilm zusammen. Dann sind aber zwei 90-minütige Spielfilme entstanden. Wie hat das funktioniert?

Man muss wissen, welche Bilder man machen und welche man sich nicht leisten kann. Das Ergebnis sollte ja im besten Fall aussehen wie ein amerikanischer Kinofilm – aber mit dem Budget, das wir zur Verfügung hatten. Da geht es darum, wie kriege ich aus einer ganz kleinen Sache noch ein Bild heraus, das nach ganz großen Kino aussieht. Das ist eine Herausforderung, aber gerade das Tüfteln an den kleinen Details macht Spaß.

Hinter der Kamera waren Sie an fast allen Abläufen des Films beteiligt ...

Es ging oft gar nicht anders. Auch wenn wir nur wenig Geld hatten, wollten wir doch jedem im Team einen kleinen Tagessatz bezahlen. Also habe ich selbst mehr Aufgaben übernommen. Von Kamera über Schnitt bis zur Regie habe ich ja alles gelernt. Außerdem hatte ich so etwas mehr die kreative Kontrolle. Wenn man eine sehr genaue Vorstellung von dem hat, was man am Ende haben will, ist es einfacher zu sagen: Ich mach‘s selber. Die Gefahr dabei ist, dass man vielleicht von sich selbst enttäuscht wird.

Gedreht wurde unter anderem im Annastift, im Straßenbahnmuseum Wehmingen, im Kali-Bergwerk Sehnde und an der Windmühle Barsinghausen. War es denn immer leicht, die passenden Schauplätze zu finden?

Nein, Julia und ich haben lange nach einem passenden Internetcafé gesucht. Nachts um 23 Uhr haben wir dann das Café Gleichklang in der Marienstraße gefunden. Da saßen nur noch die beiden Besitzer und weil wir auch Veganer sind, haben wir uns gedacht, das passt. Also haben wir einen Deal gemacht: Ihr liefert uns das Essen für die Crew und wir dürfen bei euch drehen.

Wie fühlen Sie sich als Hannoveraner nach der Premiere ihres ersten Spielfilms im Astor?

Nachdem ich monatelang die Nächte am Schnitt und am Ton durchgearbeitet habe, fühlte ich mich so ein bisschen leer. Aber hier im Astor Grand Cinema zu stehen und den Film, den man nur auf einem kleinen Monitor gesehen hat, zum ersten Mal auf dieser riesigen Kinoleinwand zu betrachten, das ist eine ganz große Sache. Da füllt sich die ganze Leere mit blumigen Gedanken.

Welches Publikum wollen Sie mit „Mission NinetyTwo“ erreichen?

Es sollte ein Publikum sein, das dem normalen amerikanischen Unterhaltungsfilm frönt und mal eine leichte Popcorn-Unterhaltung haben will. Es ist kein Film, der problembezogene Stories liefert. Er nimmt sich auch manchmal nicht ernst und spielt damit, dass er sehr amerikanisch wirken will. Da muss man auch ein bisschen lachen können.     

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