Die Ingenieure müssen die Bohrungen für die Stützpfeiler und die Fundamente millimetergenau abmessen. Diese Experten kommen von einem der wenigen Spezialisten auf diesem Gebiet, der hannoverschen Firma Allsat.
Geschäftsführer Jürgen Rüffer hat die Firma 1991 zusammen mit seinem Kollegen Siegfried Krüger gegründet. „Wir bieten eine Mischung aus Vermessung und Navigationshilfe“, sagt Rüffer und nennt ein anschauliches Beispiel. Eine Werft im holsteinischen Wewelsfleth hatte im Juni vergangenen Jahres die neue Privatluxusjacht mit Kino, Pool und Hubschrauberlandeplatz für einen arabischen Emir gefertigt. Das Schiff ist 135 Meter lang und 22 Meter breit – und damit nur ganze vier Zentimeter schmaler als ein Sperrwerk auf der Überführungsroute. „Die Leute von der Werft hatten Angst, dass das Boot sich bei der Fahrt durch das Sperrwerk verkeilen und an der Außenhaut beschädigt werden könnte“, erzählt Rüffers. Also haben die Spezialisten zuerst das Sperrwerk exakt vermessen und dann des Emirs neue Jacht millimetergenau durch das Hindernis navigiert. Der Mann hat keinen Kratzer finden können.
Allsat ist einer der Pioniere der satellitengestützten Vermessung. „Wir haben früh erkannt, welches Potenzial darin liegt“, sagt Rüffers. Das Werkzeug, das Allsat benutzt, kennen viele. Autofahrer, Wanderer und Radfahrer verwenden GPS (Global Positioning System). Der kleine, aber feine Unterschied: Während herkömmliche Systeme je nach Wetterlage mit einem bis fünf Meter Abweichung arbeiten, bringt es das System GNSS auf Millimetergenauigkeit. Dazu nutzt es zwar dieselben Satelliten wie GPS, korrigiert aber mittels spezieller Empfangsgeräte und Software die Daten , bis sie präzise sind.
Die Anwendungsgebiete für diese Technik sind vielfältig. So hat Allsat, das 35 Mitarbeiter zählt und fünf Millionen Euro Jahresumsatz macht, zwischen 2001 und 2005 die 1300 Kilometer lange Grenze zwischen Saudi-Arabien und dem Jemen ebenso präzise eingemessen wie die zwischen Saudi-Arabien und Katar. „Da ging es darum, wem Ölfelder gehören – also um jeden Zentimeter“, erklärt Rüffers. Landmaschinen auf Spargel- oder Kartoffelfeldern werden von Allsat genauestens navigiert, damit Furchen und Dämme exakt verlaufen. Auf sämtlichen großen Verkehrsflughäfen hat Allsat die Landebahnen eingemessen, damit die Sicherheitstechnik funktionsgerecht arbeiten kann.
Allsat, das ein Zusammenschluss von drei Tochterunternehmen ist, will auch weiter wachsen, „stetig, aber langsam“, wie Geschäftsführer Rüffers sagt. Ein Tätigkeitsfeld der Zukunft sieht er im sogenannten Monitoring. Dabei werden Erdbewegungen beobachtet, auch solche im Millimeterbereich. Erdrutsche wie der im sachsen-anhaltinischen Nachterstedt mit drei Todesopfern lassen sich so vielleicht nicht vermeiden, aber man kann davor warnen. Auch die große Brücke über den Belt werden die Ingenieure aus Hannover über 2018 hinaus im Blick haben – nicht, dass sich ein Pfeiler setzt und am Ende ins Wasser fällt.
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Kommentare
Fehler GNSS-Interessierter – 01.09.09
Hallo HAZ!Zwei Dinge: Heißt der Herr nun Rüffer oder Rüffers?
Und recherchieren Sie bitte mal genauer und denken anschließend über diese Sätze nach:
"Während herkömmliche Systeme je nach Wetterlage mit einem bis fünf Meter Abweichung arbeiten, bringt es das System GNSS auf Millimetergenauigkeit. Dazu nutzt es zwar dieselben Satelliten wie GPS, korrigiert aber mittels spezieller Empfangsgeräte und Software die Daten , bis sie präzise sind."
Fehler HAZ.de – 01.09.09
Danke für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert."Milimeterarbeit"? oma – 01.09.09
Liebe Redaktion, es wird Zeit, dass für die Online-Ausgabe der HAZ endlich ein Korrekturleser eingestellt wird. Sie schießen wirklich einen Bock nach dem anderen - das unterscheidet Sie leider deutlich sichtbar von seriöseren Tageszeitungen.Verschändelung Udo Kalenberg – 31.08.09
Liebe Leute,Fehmarn war bis jetzt immer noch ein Stück "heile Welt". Gerade weil nur begrenzter Durchgangsverkehr vorherrscht gibt es dort noch richtig schöne Ecken. Ich finde es eine Schande, dass sich das in naher Zukunft ändern wird. Unsere nordischen Freunde können ja gerne zum Alkohol- und Süßigkeitenkauf via Fähre anreisen, aber auf den - aufgrund der neuen Brücke immens - ansteigenden LKW-Verkehr hätten wir wirklich verzichten sollen.
Euer Fehmarn-Fan,
Udo