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„Besseres Hannover“

Hannoversche Neonazis nehmen Hass-Video aus dem Netz

Von Vivien-Marie Drews

Eine Woche nachdem die Gruppe „Besseres Hannover“ einen fremdenfeindlichen Film im Internet veröffentlicht hatte, haben die hannoverschen Rechtsextremisten offenbar entschieden, das Video vorerst zu sperren – zumindest auf ihrer eigenen Internetseite.
Marc-Oliver M. (Mitte) im vergangenen Jahr auf dem „Tag der deutschen Zukunft“ in Hildesheim mit einem Schild von „Besseres-Hannover“.

Marc-Oliver M. (Mitte) im vergangenen Jahr auf dem „Tag der deutschen Zukunft“ in Hildesheim mit einem Schild von „Besseres-Hannover“.

© privat

Hannover. Seit Mittwoch kann der Film über den „Abschie-Bär“ dort nicht mehr abgerufen werden. Die Behörden hatten den Film nicht selbst sperren können, da der Film auf einem Server im Ausland liegt.

In dem Video ist unter anderem zu sehen, wie jemand in einem Bärenkostüm durch die Südstadt läuft und vor einem Döner-Imbiss den Arm zum „Hitlergruß“ in die Höhe streckt. Der „Abschie-Bär“, so die Botschaft, hat sich die Abschiebung von Ausländern zur Aufgabe gemacht. Am Dienstag durchsuchten Beamte die Wohnung und das Auto des 28 Jahre alten Marc-Oliver M. Der stadtbekannte Neonazi steht in Verdacht, den Film mit dem verbotenen „Hitlergruß“ produziert zu haben. Als gesichert gilt nach Angaben der Ermittler, dass er Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) sowie mehreren Ratsmitgliedern per E-Mail einen Link zu dem Video geschickt hat.

Die NPD, deren Vorsitzender in Hannover Marc-Oliver M. von 2008 bis 2010 war, geht unterdessen auf Distanz zu „Besseres Hannover“ – aber nicht eindeutig zu den Inhalten des Films. „Die Reaktionen sind hysterisch und übertrieben“, sagt der ehemalige Landesvorsitzende der NPD, Adolf Dammann. Rechtsextremisten müssten provozieren, „damit wir die Leute erreichen“.

Laut Dammann hat Marc-Oliver M. die NPD inzwischen gemeinsam mit anderen Parteimitgliedern verlassen. „Dieser Personenkreis hatte den Parteivorstand aufgefordert, mehr Militanz zu zeigen. Das war nicht tragbar“, sagt Dammann. Daraufhin habe M. sich mit anderen Rechtsextremisten zu der Gruppe „Besseres Hannover“ zusammengefunden. Die verteilte im Frühjahr 2010 die erste Ausgabe des einschlägigen Jugendmagazins „Bock“ vor hannoverschen Schulen. Als Kontaktdetails gaben die Rechtsextremisten das Postfach der NPD Hannover an. Auch in der zweiten und in der dritten „Bock“-Ausgabe wurde dieses Postfach genannt. „Zwischen der NPD Hannover und ,Besseres Hannover’ gibt es keinerlei Zusammenhänge. Das ist seit zwei Jahren strikt getrennt. Man muss eher von einer gegenseitigen Aversion sprechen“, sagt Dammann. Das Postfach sei „zweckentfremdet“ worden, die NPD habe sich ein neues zugelegt. In der Tat nennt die NPD Hannover im Internet inzwischen ein anderes Postfach. Inhaltlich hat Dammann aber nichts gegen den „Bock“ einzuwenden.

Wie berichtet, ist Marc-Oliver M. seit Jahren auch mit dem mutmaßlichen Terrorhelfer Holger G. bekannt, der eingeräumt hat, den Zwickauer Neonazis Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos seinen Führerschein und seinen Reisepass überlassen zu haben. G. sitzt seit einigen Wochen in Untersuchungshaft. Gemeinsam mit Marc-Oliver M. sah er 2005 in Garbsen einem Demonstrationszug gegen rechte Gewalt zu. Danach soll G. weiterhin in Kontakt mit der rechten Szene in Hannover gestanden haben.

Der Film, den „Besseres Hannover“ veröffentlichte und an dessen Entstehung M. vermutlich beteiligt war, steht in direktem Bezug zu den rechtsextremistisch motivierten Morden, die der „Zwickauer Zelle“ zugeordnet werden. In den Jahren 2000 bis 2006 soll diese neun Kleinunternehmer mit ausländischen Wurzeln getötet haben, darunter zwei Betreiber von Dönerlokalen.

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