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Aus der Stadt Hannoversche Taxifahrer: „Das ist unerträglich“
Hannover Aus der Stadt Hannoversche Taxifahrer: „Das ist unerträglich“
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06:15 10.08.2012
Hannoversche Taxifahrer sorgen sich um ihren Ruf. Quelle: Rainer Surrey
Hannover

Dass einer ihrer Kollegen vor acht Tagen eine Frau in seinem Wagen überwältigt und zweimal vergewaltigt haben soll, war am Dienstag vorherrschendes Gesprächsthema an den Taxiständen der Stadt. Die Fahrer sind sich sicher, dass der Vorfall die gesamte Branche in Verruf bringt. „Dabei nehmen wir unsere Fürsorgepflicht sehr ernst. Wir wollen, dass der Fahrgast sich bei uns im Wagen sicher fühlt“, sagte ein Fahrer.

Der in Verdacht stehende Taxifahrer ist bereits einschlägig aufgefallen. Wie die Staatsanwaltschaft bestätigte, war Ibrahim T. im Jahr 2002 wegen sexueller Nötigung angeklagt. „Das Verfahren wurde damals gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt“, erklärt Staatsanwältin Kathrin Söfker. Damit gilt der 48-Jährige nicht als vorbestraft.

Unklar ist, warum T. trotz dieser Anklage seinen Personenbeförderungsschein behalten durfte. „Wir wussten davon nichts, sonst hätten wir den Mann nicht bei uns fahren lassen“, empört sich Wolfgang Pettau, der Geschäftsführer der hannoverschen Taxizentrale 3811. Weder die Polizei noch die Stadt habe über den Vorfall informiert. Bei der Stadt sah man vor zehn Jahren offenbar keine Handhabe, den P-Schein des 48-Jährigen einzuziehen. „Ein Verfahren, das gegen Geldbuße eingestellt wird, findet im Führungszeugnis keinen Eintrag“, sagte Stadtsprecher Udo Möller. Nach dem Vorfall in der vergangenen Woche wird die Polizei nun bei der Fahrerlaubnisbehörde den Antrag stellen, dass Ibrahim T. der P-Schein entzogen wird.

T., der ein einjähriges Kind haben soll, arbeitete seit Jahren mit der Taxizentrale zusammen. „Er war immer freundlich, sprach gut Deutsch, es gab so gut wie keine Beschwerden“, berichtet Pettau. Einige Taxifahrer sagten gestern, sie wollten T. nicht vorverurteilen. Es sei nun an den Behörden, zu ermitteln, was genau geschehen sei. „Wer zu nächtlicher Stunde mit dem Taxi unterwegs ist, erlebt so einiges. Das kann sich niemand vorstellen“, sagte ein Fahrer vom Stephansplatz. So komme es durchaus vor, dass betrunkene weibliche Fahrgäste anbieten, die Rechnung mit körperlichen Gegenleistungen zu begleichen. „Ich sage nicht, dass es so war. Aber ich sage, dass alles möglich ist.“

Nach Einschätzung der Polizei stellt sich der Fall allerdings eindeutig dar: Die Frau war am Dienstag vor einer Woche gegen 4.30 Uhr in das Taxi des Tatverdächtigen gestiegen. Auf dem Weg zur Wohnung des Opfers soll T. seinen Wagen zweimal gestoppt und sich an seinem Fahrgast vergangen haben. Erst im Herrenhäuser Kirchweg ließ er die Frau aussteigen. Die 38-Jährige schaltete umgehend die Polizei ein; dem Vernehmen nach hatte sie zum Zeitpunkt der Vergewaltigung einen Atemalkoholgehalt von drei Promille. Drei Tage nach den mutmaßlichen Übergriffen nahmen die Beamten Ibrahim T. fest. Er sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

Vivien-Marie Drews und Tobias Morchner

Frühere Übergriffe

Die Ermittlungen gegen den 48-jährigen Taxifahrer rufen Erinnerungen an das Jahr 2010 wach. Damals wurde einem 30-jährigen Taxifahrer in Hannover vorgeworfen, sich an einer 21-Jährigen, die er von der Raschplatz-Diskothek „Zaza“ nach Hause bringen sollte, vergangen zu haben. Vor dem Amtsgericht räumte er die Tat ein und wurde zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Die Fachberatungsstelle gegen sexuellen Missbrauch, Violetta, teilte damals mit, dass ihr in den vergangenen drei Jahren zwei weitere Übergriffe von Taxifahrern bekannt geworden seien.

Im September 2008 verletzte ein 39-jähriger Taxifahrer in Ronnenberg zwei seiner Fahrgäste mit seinem Wagen. Zwischen dem Fahrer und den Gästen war es zum Streit über den Fahrpreis gekommen. Der Chauffeur hatte seine Kundschaft nach dem Aussteigen angefahren. Die beiden Männer schleuderten auf die Motorhaube des VW Touran, stießen mit den Köpfen gegen die zersplitternde Windschutzscheibe und prallten zurück auf die Straße.

tm

Voraussetzung für den P-Schein

Wer in Hannover Taxi fahren will, benötigt einen Personenbeförderungsschein, den sogenannten P-Schein. Die Fahrerlaubnisbehörde der Stadt stellt dieses Dokument aus. Für die Beantragung des Scheins sind folgende Dinge notwendig:

  • Die Vorlage eines gültigen Personalausweises oder Reisepasses.
  • Ein gültiger Führerschein.
  • Sollte der Führerschein nicht in Hannover ausgestellt worden sein, muss auch die Abschrift der Karteikarte der ausstellenden Fahrerlaubnisbehörde vorgelegt werden.
  • Ein Sehtest, der nicht älter als zwei Jahre sein darf.
  • Die Bescheinigung einer ärztlichen Untersuchung.

Zusätzlich gilt für die Beantragung des P-Scheins ein Mindestalter von 21 Jahren. Die angehenden Taxifahrer müssen eine Ortskundeprüfung erfolgreich bestehen und darüber hinaus ein aktuelles polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

Ein P-Schein hat eine Gültigkeit von fünf Jahren. Nach Ablauf der Gültigkeit müssen alle Unterlagen neu vorgelegt werden. So auch das erweiterte polizeiliche Führungszeugnis. Taxifahrer, die älter als 60 Jahre alt sind, müssen sich bei der erneuten Beantragung des P-Scheins zudem einem Reaktionstest unterziehen.

Die Fahrerlaubnisbehörde kann den P-Schein unter bestimmten Bedingungen wieder einziehen. „Das kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn der Taxifahrer seinen Führerschein verliert oder wenn allgemeine Gründe dafür vorliegen, dass er für die Beförderung von Personen nicht mehr geeignet ist“, sagt Stadtsprecher Udo Möller.

Taxifahrer, die sich dem hannoverschen Taxiruf 3811 anschließen, müssen zusätzliche Prüfungen absolvieren. Erst nach dem erfolgreichen Abschluss einer internen Schulung erhalten sie die sogenannte Fahrerkarte. Sie gilt ein Jahr lang. Bei gutem Engagement und der Teilnahme an Lehrgängen können die Fahrer den Status ihres Wagens zu einem sogenannten Plus-Taxi verbessern. Diese Fahrzeuge bekommen von der Zentrale die lukrativen Aufträge, etwa bei den Hotels, zugesprochen. Wer sich etwas zuschulden kommen lässt, muss ein Bußgeld bezahlen.

tm

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