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Amoklauf in München: Llorens flüchtete in Arztpraxis

Hannoverscher Geschäftsmann Amoklauf in München: Llorens flüchtete in Arztpraxis

Diesen Tag wird der hannoversche Geschäftsmann José Luis Llorens nicht so schnell vergessen: Llorens hielt sich während der dramatischen Stunden des Amoklaufs in München auf, bekam die Panik rund um die Frauenkirche hautnah mit und flüchtete mit vielen anderen in eine Arztpraxis, wo er mehrere Stunden ausharrte.

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Der hannoversche Geschäftsmann José Luis Llorens erlebte die Panik um den Amoklauf in München hautnah mit.

Quelle: dpa/Llorens

Hannover/München. 500 Jahre Reinheitsgebot – das ist das Festival, das José Luis Llorens, der seit sechs Jahren in einem Dorf nahe Fürstenfeldbruck lebt, und einen Freund am Freitag nach München gelockt hat. Gegen 18 Uhr wollen sich die beiden auf den Heimweg machen, doch die U-Bahn-Station Odeonsplatz ist schon gesperrt. Sie gehen weiter Richtung Marienplatz. Sein Bruder ruft ihn aus Hannover an, auf seinem Handy. Ob er schon von der Schießerei in München gehört habe? Dann, nahe der Frauenkirche, hört es der 43-jährige Nutzfahrzeughändler zweimal knallen. „Es waren sicher keine Fehlzündungen. Für mich als Laien hätten es durchaus Schüsse sein können.“ Die Tische der Lokale rundherum sind gut besetzt, nun springen die Gäste auf, schreien, Tische fallen um. „Runter von der Straße“, brüllt jemand. Alle laufen irgendwohin, suchen Schutz.

Bei einer Schießerei im Olympia-Einkaufszentrum in München sind offenbar mehrere Menschen ums Leben gekommen.

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Llorens ist in einem Pulk von 80 Menschen. Sie alle stürmen in ein Geschäftshaus am Frauenplatz. Auch der Hannoveraner bekreuzigt sich, keiner kann sich der Panik entziehen. Die Büros sind leer, doch im zweiten Stock, wo ein Zahnarzt seine Praxis hat, macht eine Putzfrau just sauber. Ob des Lärms öffnet sie die Tür, sieht sich Dutzenden verängstigter Menschen gegenüber. Alle drängen in die Praxisräume. Hocken sich auf den Boden, auf Schemel und Stühle. Nur der Behandlungsstuhl bleibt leer. Einige Menschen weinen, andere hyperventilieren, blasen in Tüten. „Ein paar Touristen aus Argentinien und den USA musste ich erst einmal auf Spanisch und Englisch erklären, warum wir überhaupt in diese Räume geflüchtet sind“, berichtet der Geschäftsmann.

Über die Straße gellen immer wieder die Rufe von Polizisten. Wer sich ans Fenster wagt, sieht Trupps schwerbewaffneter Beamter. Mal hier, mal da. In der Luft knattert ein Hubschrauber. Das geht zwei Stunden so. „Ich bin mir sicher, irgendwas muss da draußen passiert sein“, glaubt Llorens bis heute.

Aus der Zahnarztpraxis, wohin Llorens mit anderen geflüchtet war, machte er dieses Foto.

Quelle: Llorens

Draußen ist es noch 25 Grad warm, „drinnen gefühlte 200“. Nach einer Stunde öffnet Llorens ein Fenster, muss sich aber heftiger Kritik erwehren: „Ich habe den Leuten versucht zu erklären, dass ein Attentäter doch genauso gut durch die Scheiben schießen könnte.“

Irgendwann meldet sich die Putzfrau zu Wort. Sie hat den Zahnarzt angerufen, der hat ihr aufgetragen, sofort alle ungebetenen Gäste aus seiner Praxis zu bugsieren. Die verschreckten Menschen sind bestürzt, weigern sich jedoch zu gehen. Die Putzfrau jammert, der Arzt habe ihr mit Kündigung gedroht. Man tauscht Visitenkarten aus – sollte die Frau Schwierigkeiten bekommen, will man sich später für sie einsetzen. Es herrscht Ausnahmezustand, das muss der Doktor doch verstehen.

Nach zwei Stunden hält es Llorens nicht mehr aus, geht mit seinem Freund auf die Straße. Nichts fährt, kein Bus, keine Bahn, kein Taxi. Doch 35 Kilometer ins Heimatdorf zu laufen, ist unrealistisch. „Es war ein schreckliches Gefühl, plötzlich nicht mehr mobil zu sein“, sagt der 43-Jährige. Schließlich finden die beiden Männer Unterschlupf in einem Versicherungsgebäude, wo die Freundin von Llorens ausharrt. Dort ist eine After-Work-Party abrupt beendet worden.

Erst gegen Mitternacht gibt die Polizei Entwarnung, beginnt der Verkehr wieder zu rollen. Eine Bekannte seiner Freundin ist so nett, alle mit dem Auto nach Hause zu fahren. Kurz nach eins schließt Llorens seine Haustür auf – und ist grenzenlos erleichtert, ohne ernsthafte Blessuren davongekommen zu sein.

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