Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Amoklauf in München: Llorens flüchtete in Arztpraxis
Hannover Aus der Stadt Amoklauf in München: Llorens flüchtete in Arztpraxis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 27.07.2016
Von Michael Zgoll
Der hannoversche Geschäftsmann José Luis Llorens erlebte die Panik um den Amoklauf in München hautnah mit. Quelle: dpa/Llorens
Anzeige
Hannover/München

500 Jahre Reinheitsgebot – das ist das Festival, das José Luis Llorens, der seit sechs Jahren in einem Dorf nahe Fürstenfeldbruck lebt, und einen Freund am Freitag nach München gelockt hat. Gegen 18 Uhr wollen sich die beiden auf den Heimweg machen, doch die U-Bahn-Station Odeonsplatz ist schon gesperrt. Sie gehen weiter Richtung Marienplatz. Sein Bruder ruft ihn aus Hannover an, auf seinem Handy. Ob er schon von der Schießerei in München gehört habe? Dann, nahe der Frauenkirche, hört es der 43-jährige Nutzfahrzeughändler zweimal knallen. „Es waren sicher keine Fehlzündungen. Für mich als Laien hätten es durchaus Schüsse sein können.“ Die Tische der Lokale rundherum sind gut besetzt, nun springen die Gäste auf, schreien, Tische fallen um. „Runter von der Straße“, brüllt jemand. Alle laufen irgendwohin, suchen Schutz.

Zur Galerie
Bei einer Schießerei im Olympia-Einkaufszentrum in München sind offenbar mehrere Menschen ums Leben gekommen.

Llorens ist in einem Pulk von 80 Menschen. Sie alle stürmen in ein Geschäftshaus am Frauenplatz. Auch der Hannoveraner bekreuzigt sich, keiner kann sich der Panik entziehen. Die Büros sind leer, doch im zweiten Stock, wo ein Zahnarzt seine Praxis hat, macht eine Putzfrau just sauber. Ob des Lärms öffnet sie die Tür, sieht sich Dutzenden verängstigter Menschen gegenüber. Alle drängen in die Praxisräume. Hocken sich auf den Boden, auf Schemel und Stühle. Nur der Behandlungsstuhl bleibt leer. Einige Menschen weinen, andere hyperventilieren, blasen in Tüten. „Ein paar Touristen aus Argentinien und den USA musste ich erst einmal auf Spanisch und Englisch erklären, warum wir überhaupt in diese Räume geflüchtet sind“, berichtet der Geschäftsmann.

Über die Straße gellen immer wieder die Rufe von Polizisten. Wer sich ans Fenster wagt, sieht Trupps schwerbewaffneter Beamter. Mal hier, mal da. In der Luft knattert ein Hubschrauber. Das geht zwei Stunden so. „Ich bin mir sicher, irgendwas muss da draußen passiert sein“, glaubt Llorens bis heute.

Aus der Zahnarztpraxis, wohin Llorens mit anderen geflüchtet war, machte er dieses Foto. Quelle: Llorens

Draußen ist es noch 25 Grad warm, „drinnen gefühlte 200“. Nach einer Stunde öffnet Llorens ein Fenster, muss sich aber heftiger Kritik erwehren: „Ich habe den Leuten versucht zu erklären, dass ein Attentäter doch genauso gut durch die Scheiben schießen könnte.“

Irgendwann meldet sich die Putzfrau zu Wort. Sie hat den Zahnarzt angerufen, der hat ihr aufgetragen, sofort alle ungebetenen Gäste aus seiner Praxis zu bugsieren. Die verschreckten Menschen sind bestürzt, weigern sich jedoch zu gehen. Die Putzfrau jammert, der Arzt habe ihr mit Kündigung gedroht. Man tauscht Visitenkarten aus – sollte die Frau Schwierigkeiten bekommen, will man sich später für sie einsetzen. Es herrscht Ausnahmezustand, das muss der Doktor doch verstehen.

Nach zwei Stunden hält es Llorens nicht mehr aus, geht mit seinem Freund auf die Straße. Nichts fährt, kein Bus, keine Bahn, kein Taxi. Doch 35 Kilometer ins Heimatdorf zu laufen, ist unrealistisch. „Es war ein schreckliches Gefühl, plötzlich nicht mehr mobil zu sein“, sagt der 43-Jährige. Schließlich finden die beiden Männer Unterschlupf in einem Versicherungsgebäude, wo die Freundin von Llorens ausharrt. Dort ist eine After-Work-Party abrupt beendet worden.

Erst gegen Mitternacht gibt die Polizei Entwarnung, beginnt der Verkehr wieder zu rollen. Eine Bekannte seiner Freundin ist so nett, alle mit dem Auto nach Hause zu fahren. Kurz nach eins schließt Llorens seine Haustür auf – und ist grenzenlos erleichtert, ohne ernsthafte Blessuren davongekommen zu sein.

Hier lesen Sie alle Texte über den Amoklauf.

Es war ein großer Glücksfall für das hannoversche Kulturleben. Die Aufführung von "La Traviata" verzauberte rund 22.000 Zuhörer bei NDR Klassik Open Air und konnte mit seinen Künstlern voll und ganz überzeugen, meint Stefan Arndt in seiner Kritik.

Stefan Arndt 27.07.2016

Ein letztes Glas beim Weinfest, ein Blick auf das Training von Hannover 96, vielleicht noch Karten fürs Kleine Fest ergattern, einem Vortrag zu einer Ausstellung lauschen – das und noch Einiges mehr kann man am Sonntag in Hannover machen.

24.07.2016

Das Wetter konnte sich halten - und so erlebten am Sonnabend 20.000 Opernfans einen zauberhaften Abend mit "La Traviata" am Rathaus.  Für die Aufführung selbst gab es schon lange keine Tickets mehr, deshalb war es im Maschpark umso voller.

24.07.2016
Anzeige