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Der Herr der Boote geht

Ruhestand Der Herr der Boote geht

Hans Gerhardt gibt nach rund 40 Jahren seinen Bootsverleih am Nordufer des Maschsees in neue Hände. Die Nachfolger des gebürtigen Borkumers wollen die Segelschule stärken. Und Gerhardt will erst einmal festen Boden unter den Füßen bekommen – und ans Nordkap.

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Abschied: Hans Gerhard segelt künftig durch die Welt. Foto: Schacht

Hannover. Lernt man das Spiel von Wasser, Wind und Wellen lieben, wenn man damit aufwächst? Bei Hans Gerhardt, dem langjährigen Leiter von Segelschule und Bootsverleih am Maschsee-Nordufer, war dies zweifellos der Fall. Er ist ein Kind der Küste, auf Borkum zur Welt gekommen, wo der Großvater Leuchtturmwärter und der Vater Krabbenfischer war. „Es war ein Traum von einer Kindheit“, sagt der gebürtige Insulaner. Und erst recht hat ihn das Spiel mit Wasser, Wind und Wellen zu faszinieren begonnen, als die Familie nach Hamburg zog und er Außenalster und Elbe als Segelreviere kennenlernte.

„Gelernt habe ich erst einmal Außenhandelskaufmann“, sagt der 68-Jährige. Doch gleich, ob er in Hamburg oder Amsterdam arbeitete: „Gesegelt bin ich auch damals schon immer - und ich wollte daraus einen Beruf machen.“ Damals hatte er den Plan, von Hamburg aus gen Süden ans Mittelmeer zu gehen und dort Segellehrer zu werden. Doch dann ist er wegen seiner Frau, die in Hannover eine Ausbildung absolvierte, an der Leine gelandet - und am Maschsee. „Ein kleines, aber mit seinen Windverhältnissen durchaus anspruchsvolles Segelrevier“, sagt Gerhardt. Er hat zunächst bei Hannes Bondesen angeheuert, der schon in den Sechzigerjahren das Leben als Kapitän auf hoher See für den Maschsee aufgegeben hatte und dessen Yachtschule in Höhe Altenbekener Damm damals wie heute Seglerschülern den Umgang mit Pinne und Schot zeigt. Dort hat Hans Gerhardt eine Ausbildung zum Segellehrer absolviert. Und sich 1977 mit seinem Bootsverleih mit Segelschule am Nordufer des Maschsees selbstständig gemacht.

Konkurrenz belebt das Geschäft, dieser Satz galt jedenfalls in jenen Jahren. Hans Gerhardts Segelschule hat Ausbildungskurse von der Binnenfahrt bis zum Hochseesegeln angeboten. In den Achtzigerjahren, während der allenthalben überschwappenden Surfmodewelle, kam eine Surfschule dazu, ein zweiter Standort fürs Küstensegeln auf Fehmarn, der Bootsverleih lief sozusagen nebenher. Doch seit der Jahrtausendwende, sagt Gerhardt, habe sich das allmählich wieder umgekehrt. Schon lange sei der Bootsverleih am Maschsee die eigentliche Existenzgrundlage. „Deshalb habe ich den Bootspark am Maschsee auch immer wieder auf den neuesten Stand gebracht“, sagt Gerhardt. Vor allem die Käfer-Tretboote seien „sehr beliebt“ bei den Maschseetouristen.

Nun, Gerhardts Nachfolger wollen jetzt vor allem in die Segelausbildung investieren. Sie richten eigene Schulungsräume ein und wollen über den vorhandenen Bootsbestand hinaus neue Segelboote anschaffen: Lis-Jollen für Erwachsene, für Kinder Teeny-Jollen, mit denen man vom Spinnaker- bis zum Trapezsegeln alles ausprobieren kann, was das Seglerherz begehrt - und was der Wind am Maschsee zulässt. Das sogenannte Ansegeln, also der Start der Segelsaison, das bei Bondesens Yachtschule schon am Osterwochenende stattgefunden hat, war am Nordufer erst für das vergangenen Wochenende geplant.

Und was macht Hans Gerhardt jetzt? „Ich muss erst einmal lernen loszulassen“, sagt er - und beginnt dann, von seinen Reiseplänen zu erzählen. „Zusammen mit meiner Lebensgefährtin Sabine Riemenschneider will ich den Sommer über bis ans Nordkap fahren“, verrät der 68-Jährige. „In Hannover würde ich ja doch nur am Maschsee sitzen.“ Statt dessen wolle er nun das Land hinter den Häfen kennenlernen, doch das solle kein Ende des Segelns sein. „In den Niederlanden habe ich an der Zuiderzee noch meinen Katamaran liegen - den will ich nach Wismar verlegen, damit ich ihn in der nächsten Saison häufiger nutzen kann.“ Na denn, Mast- und Schotbruch!

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