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Jugendarmut

Hartz IV für 14.000 junge Hannoveraner

Von Andreas Schinkel

In der Region Hannover sind nahezu 14000 Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren auf Hilfe aus staatlichen Kassen angewiesen - der dritthöchste Wert im Vergleich bundesdeutscher Großstädte.
© dpa (Symbolfoto)

Hannover. Nur in Berlin und Hamburg leben noch mehr jugendliche Hartz-IV-Empfänger. Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) zum Armutsrisiko von Jugendlichen in Deutschland. Was die Quote der jungen Arbeitslosen angeht, rangiert Hannover im oberen Mittelfeld. 12,3 Prozent der jungen Menschen in der Region Hannover beziehen Hartz-IV-Mittel. Im Bundesdurchschnitt liegt die Zahl bei 8,8 Prozent.

Verglichen wurden die 20 größten Jobcenter im Bundesgebiet, sieben davon sind allein für verschiedene Gebiete Berlins zuständig. Addiert man die Zahlen der einzelnen Berliner Jobcenter, steht die Bundeshauptstadt mit mehr als 45760 jugendlichen Hartz-IV-Beziehern an der Spitze, gefolgt von Hamburg und Hannover.

Mit Erklärungen für die hohen Zahlen in Hannover tun sich die Experten schwer. „Wir haben erhebliche Defizite bei der Integration von Jugendlichen in den ersten Arbeitsmarkt“, sagt Dietmar Langer, Experte für Jugendarbeitslosigkeit beim Jobcenter Hannover. Der Arbeitsmarkt sei in bestimmten Branchen, etwa im Handwe rk sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe, angespannt. Auch übersteige in der Region Hannover die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen die Angebote. „Allein 2000 Jugendliche stecken derzeit in Qualifizierungsmaßnahmen“, sagt Langer. Besorgniserregend sei zudem, dass rund 1000 Alleinerziehende unter 25 Jahren auf Hartz IV zurückgreifen müssten. „Für diese Gruppe, die in der Regel keine Berufsausbildung hat, bieten wir jetzt Ausbildungsgänge in Teilzeit an“, sagt Langer.

Der hannoversche DGB-Regionsgeschäftsführer Andreas Gehrke sieht die Zahlen als Fingerzeig, den Übergang zwischen Schule und Berufe genauer unter die Lupe zu nehmen. „Viele Jugendliche mit schlechten Abschlussnoten werden einfach in Qualifizierungskurse abgeschoben“, sagt Gehrke. Der Dschungel solcher berufsfördernder Maßnahmen sei inzwischen undurchdringlich. „Das System muss völlig neu organisiert werden“, meint der DGB-Mann. Die hannoverschen Unternehmen fordert er auf, mehr Ausbildungsplätze anzubieten und die Anforderungen an die Jugendlichen zurückzuschrauben. „Es können eben nicht nur Bewerber mit Bestnoten eingestellt werden“, sagt er.

Der DGB will mit seiner Studie zeigen, dass die Erfolge beim Abbau der Jugendarbeitslosigkeit nicht die Armut verringert haben. In diesem Sommer wurden in Deutschland nur noch rund 300000 junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren arbeitslos gemeldet, auf Hartz IV waren jedoch fast doppelt so viele Jugendliche angewiesen.

Viele der hilfsbedürftigen jungen Erwachsenen nehmen an beruflichen Qualifizierungsmaßnahmen teil, andere sind in Ausbildung, besuchen noch die Schule oder gehen einer Erwerbstätigkeit nach, für die sie aber einen so geringen Lohn erhalten, dass sie auf staatliche Hilfe angewiesen sind.

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