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Hat Pelikan-Chef Beindorff Nazi-Gräuel unterstützt?

Kommission prüft Straßennamen Hat Pelikan-Chef Beindorff Nazi-Gräuel unterstützt?

Die Kommission zur Überprüfung von 500 hannoverschen Straßennamen hat getagt und will am Donnerstag vorstellen, welche Straßen umbenannt werden sollen, weil Namensgeber in Nazi-Gräuel verwickelt waren. Nach HAZ-Informationen ist die Fritz-Beindorff-Allee dabei.

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Täter? Fritz Beindorff am Schreibtisch.

Quelle: Repro

Hannover. Nachfahren des honorigen Inhabers der Pelikan-Werke und auch die heutige Firmenleitung sind entsetzt - vor allem vom Vorgehen der Stadt. Denn über die persönliche Verstrickung Beindorffs weiß die Forschung bis heute: nichts.

Fest steht, dass für und mit Pelikan schreckliche Zwangsarbeiterlager betrieben wurden - das haben Forschungen ergeben, die das Unternehmen bezahlt hat. Ein Lager war 1942 in Stöcken eingerichtet worden, ein zweites im April 1944 auf dem Pelikan-Gelände in der List. Es wurde von der Gestapo betrieben; die von den Historikerinnen Janet Anschütz (heute: von Stillfried) und Irmtraud Heike befragten Zeitzeuginnen schildern schlimmste Misshandlungen.

Doch wie stark Fritz Beindorff Senior in die Verbrechen verwickelt war und ob er mit seiner zunehmenden Demenz vor seinem Tod im Juni 1944 überhaupt davon gewusst hat, ist bis heute nicht erforscht. Bekannt ist, dass der damals bereits 80-Jährige zu Kriegszeiten nicht mehr in Hannover wohnte, weil sein Haus einen Bombentreffer hatte; er zog mit Familie auf das Gut Auermühle nach Celle.

Sein Enkel Johannes-Christoph Beindorff, der heute bei Hannover lebt, erinnert sich, dass der Großvater auf Gut Auermühle vom Balkon Reden an die angebliche Belegschaft hielt - da war die Demenz weit fortgeschritten. Ein Herr Dr. Funk hat damals bereits die Geschäfte in der Fabrik geführt, der als linientreuer Nazi galt.

„Es geht nicht darum, etwas zu beschönigen“, sagt Frauke Wandrey, Vorstand der Pelikan AG. „Dass aber Fritz Beindorff öffentlich an den Pranger gestellt wird, ohne dass die Firma oder die Angehörigen Chance zu einer Stellungnahme haben, ist unfassbar.“ Offenbar hat die zuständige Dezernentin Marlis Drevermann vor zwei Tagen vertraulich informiert, dass die Fritz-Beindorff-Allee zur Umbenennung vorschlagen werde - entscheiden muss später der Rat. Wandrey erstaunt dieser Umgang der Stadt mit „einem ihrer renommiertesten Bürger“.

Beindorff habe über Jahrzehnte zu den prägendsten Unternehmerpersönlichkeiten gezählt. Zu seiner Geschichte gehöre, dass er „insbesondere zu Beginn des Dritten Reichs der nationalsozialistischen Bewegung wohl zugetan war“. Andererseits arbeitete er mit Kurt Schwitters und El Lissitzky zusammen, half dem Sohn des jüdischen Continental-Direktors Seligmann, unterstützte die sogenannte „Entartete Kunst“. Pelikan-Vorstand Wandrey fordert, dass zunächst ein „transparenter Prozess“ zur Erforschung der Rolle Beindorffs gestartet werde, bevor sein Name öffentlich beschmutzt werde.

Umbenennungen: In diesem Jahr sind bereits der Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platz (ehemaliger Landtagspräsident) und die Elkartallee (ehemaliger Stadtbaurat) umbenannt worden.

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