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Hat die DFL zu viel Macht über Polizei und Politik?

Kommentar zum Niedersachsen-Derby Hat die DFL zu viel Macht über Polizei und Politik?

Rund 2600 Polizisten müssen heute das Niedersachsenderby schützen - und das an einem Osterwochenende. Warum eigentlich? Politik und Polizei dürfen sich von der Deutschen Fußball-Liga nicht alles gefallen lassen, meint Peer Hellerling in seinem Kommentar – und hofft, dass heute die friedlichen Fans eine tragende Rolle spielen.

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Derby-Szenen der vergangenen Jahre: Polizisten vor der HDI-Arena in Hannover.

Quelle: dpa

Hannover. Die südliche Innenstadt wird heute einer Festung gleichen. Mehr als 2600 Polizisten schützen die Stadt mit Wasserwerfern und im Zweifelsfall auch Schlagknüppeln vor 1500 gewaltbereiten Fußballchaoten. Am Hauptbahnhof werden Batterien von Einsatzwagen stehen, die Üstra verlegt Bahnen in den Untergrund. Was für ein überflüssiges, ärgerliches Spektakel an einem Osterwochenende.

Warum eigentlich? Bevor man die Gründe bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und der Politik sucht, muss als Erstes festgehalten werden: Verursacher der Misere sind die Chaoten, die sich nicht an die Regeln halten. Lust auf Randale, Krawall, Zerstörung sind die Triebfedern. Mit Fußball hat das Ganze nur am Rande zu tun.

Keine Hasstransparente

Deshalb kommt heute allen echten Fans eine besonders wichtige Rolle zu. Anfeuern: ja. Den Gegner verunglimpfen: nein. Ein Stück weit darf heute die folkloristische Fehde zwischen Hannover und Braunschweig zurückstehen zugunsten eines fairen Spiels mit fairem Publikum. Auf Hass­transparente und Einsatz von Pyrotechnik darf gern ein besonders lautes Pfeifkonzert durch das Stadion schallen.

Trotzdem: Natürlich war es ein Fehler, der DFL ihre Terminwahl durchgehen zu lassen. Vergeblich hat die Politik gewarnt, die Polizei protestiert. Der Karsonnabend zwischen den Feiertagen bedeutet für die Beamten maximale Belastung und für verfeindete Fangruppen maximale Zeit zur Vorbereitung ihrer Aktionen. Ganz nebenbei ist der Termin auch für Hannovers Handel ein Ärgernis. Am umsatzstärksten Tag der Woche gibt Hannover ein Wagenburg-Bild ab.

Polizei und Politik sollten über DFL stehen

Als Beobachter staunt man, dass die Polizei das alles akzeptiert hat. Wenn Rechtsradikale in den vergangenen Jahren ihre Aufmärsche an kritischen Wochenenden planten, dann ist es der Polizei immer wieder gelungen, den Termin mit Blick auf die Sicherheitslage abzusagen. Eine Verschiebung der zwei brisanten Nordderbys aber - heute Hannover gegen Braunschweig, morgen Bremen gegen Hamburg - war nicht durchsetzbar. Das zeigt, welche kommerziellen Kräfte beim Fußball wirken. Aber sollten Politik und Polizei nicht eigentlich über der DFL stehen? Beide müssen sich fragen lassen, wie lange sie noch tatenlos zusehen wollen.

Ungeachtet der Personalstärke wird nun der komplette Sicherheitsapparat hochgefahren: Hunderte Beamte, Sprengstoffspürhunde, Wasserwerfer, verschärfte Eingangskontrollen, kein Alkoholausschank im Stadion, reduzierte Zuschauerzahl, Rucksackverbot. Hannovers Polizeivizepräsident Jörg Müller bezeichnete es als „Herkulesaufgabe“, alle Fanströme zu lenken und zu trennen.

Es ist eine traurige Demonstration der Macht, die rund um das Niedersachsen-Derby sichtbar wird. Die Liga will ein Fußballspiel zu ihren Konditionen haben? Vielleicht ist es an der Zeit, erneut das Thema Kostenübernahme durch die Vereine oder die DFL auf den Tisch zu bringen - zumindest für Hochrisikospiele. Wer Millionen mit Fernsehrechten einnehmen und für Spieler ausgeben kann, der sollte auch in der Lage sein, die über das Maß hinaus entstehenden Einsatzkosten zu tragen.

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