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Hilfe statt Protest

Ezidische Akademie Hilfe statt Protest

Hatab Omar, Vorsitzender der Ezidischen Akademie in Hannover, glaubt nicht, dass ständige Demonstrationen, Mahnwachen oder gar Angriffe auf Polizeiwagen der richtige Weg sind. Er will den Opfern der Gewalt im Nordirak helfen - mit Spenden.

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Leise Stimme: Hatab Omar, Vorsitzender der Ezidischen Akademie.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Es ist in Hannover fast unmöglich, zufällig auf die Ezidische Akademie zu stoßen. Sie hat Räume in einem Hinterhof in Döhren, vorne der Weltkonzern Siemens, um die Ecke die Etage der Jesiden, Wegweiser ist ein Blatt Papier. Die versteckte Adresse steht symbolisch für eine Organisation, die in diesen Tagen regelmäßiger Proteste zu den leisen Stimmen zählt.

Ihr Vorsitzender Hatab Omar, Dolmetscher von Beruf, ist ein ernster Mann, der sich fragt, wie man den verfolgten Jesiden im Nordirak am besten helfen könne. Er hat Verständnis, dass Kurden und Jesiden demonstrieren. Menschen, die jeden Tag hören und sehen, wie es Angehörigen ergeht, seine eigene Familie habe, bis auf das Leben, alles verloren.

Omar glaubt nicht, dass ständige Demonstrationen, Mahnwachen oder gar Angriffe auf Polizeiwagen der richtige Weg sind. „Viele zeigen sich dort aus Wichtigtuerei, um Propaganda für ihre eigene Sache zu machen“, sagt Hatab Omar. Er habe sich deshalb an Kundgebungen nicht beteiligt und nur am Rande das Geschehen beobachtet.

Die Ezidische Akademie versteht sich als Organisation, die Menschenrechte und religiöse Minderheiten schützen will. Frauen arbeiten im Vorstand mit, es gibt deutliche Stellungnahmen etwa gegen Ehrenmorde. Die Akademie hilft bei Asylfragen und beruflicher Integration. Omar erklärt, man sei eine „kosmopolitische Gruppe“, in Hannover etwa 60 Mitglieder stark.

Würde die Akademie zu einer Demonstration aufrufen, kämen wohl nicht viel mehr Teilnehmer zusammen, schätzt ihr Vorsitzender. Er sorgt sich, dass alle Jesiden in einen Topf geworfen werden könnten: religiöse Fundamentalisten, PKK-Leute, Chaoten, die Polizeiwachen stürmen - und Jesiden der Akademie, die sich doch als Teil der deutschen Gesellschaft fühlen.

Am Rande einer Demonstration hat Hatab Omar Oberbürgermeister Stefan Schostok angesprochen, der seit Längerem Kontakt zur Akademie hält. Sie will Spenden sammeln, sie hat ein Konto eingerichtet und dessen Nummer auf ihrer Homepage veröffentlicht. Medikamente, eine Ambulanz, Lebensmittel, Dinge zum Überleben sollen gekauft und zu den Flüchtlingen gebracht werden. Omar sagt, das sei wichtiger, als jeden Tag zu demonstrieren.

Ali Rasho, Akademiemitglied aus Bielefeld und Gast in Hannover, erzählt von seiner Familie. Zwei Brüder auf der Flucht, vom dritten, 75 Jahre alt, hört er seit Tagen nichts. Frauen würden wie Vieh versteigert und auf ihren Betten vergewaltigt von Terroristen des „Islamischen Staates“. Er sagt: „Wir werden auf unserem eigenen Gebiet gedemütigt.“

Für den 17. August ist um 18 Uhr in der Marktkirche ein interreligiöses Friedensgebet geplant.

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