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Aus der Stadt 64 Prozent mehr Taschendiebstähle am Hauptbahnhof
Hannover Aus der Stadt 64 Prozent mehr Taschendiebstähle am Hauptbahnhof
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00:15 03.02.2016
Von Bernd Haase
Taschendiebe nutzen das dichte Gedränge aus. Quelle: Rainer Surrey (Archiv)
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Hannover

Taschendiebe suchen das Gedränge - und finden es immer häufiger im Hauptbahnhof Hannover. Die für diesen Bereich zuständige Bundespolizeiinspektion Hannover beobachtet seit einem Jahr einen drastischen Anstieg der Deliktzahlen. Verantwortlich dafür sind nach Einschätzung von Sprecher Martin Ackert in erster Linie junge Männer aus nordafrikanischen Ländern, die sich bandenähnlich organisieren. „Wir haben Erkenntnisse, dass Mehrfachtäter unterwegs sind und zwischen Großstädten in Europa pendeln“, sagt er.

Taschendiebe aus Nordafrika waren schon mit der Masche des sogenannten Antanzens in die Schlagzeilen geraten. Dabei suchen sie in Diskotheken oder auf der Straße körperliche Nähe zu ihren Opfern, lenken sie gleichzeitig ab und langen zu. „Im Hauptbahnhof können sie sich das Antanzen sparen. Dort ist das Gedränge ohnehin groß genug“, erklärt Ackert. Täglich halten sich im Durchschnitt 300.000 Menschen dort auf - entweder als Zugreisende, als Passanten oder als Einkäufer.

Diebe stehlen vermehrt Gepäck

Die Taschendiebe sind nach Erkenntnissen der Bundespolizei in allen Ecken und Winkeln des Bahnhofs unterwegs, bevorzugt allerdings in der Ladenpassage sowie im Gleisbereich, wenn Reisende an haltenden Zügen ein- und aussteigen. Auch reisen sie mit. „Die Diebstähle von und aus Reisegepäck während der Fahrt nehmen ebenfalls zu“, sagt Ackert.

Im gesamten Bereich der Bundespolizeidirektion Hannover, der auch Städte wie Braunschweig oder Hildesheim umfasst, wurden im vergangenen Jahr 3054 Diebstahlsdelikte angezeigt; das sind knapp 28 Prozent mehr als 2014. Etwas mehr als 1500 Fälle entfielen auf Taschen- und Gepäckdiebstähle in Bahnhöfen oder Zügen, das entspricht einer Steigerung von gut 50 Prozent. Und schließlich: 625 dieser Diebstähle wurden von Betroffenen im Hauptbahnhof Hannover gemeldet - macht beachtliche 64 Prozent Zunahme im Vergleich zu 2014. Gestohlen wird nach Angaben der Polizei alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Lieblingsbeute der Täter sind Geld, Smartphones und iPads.

Viele Verdächtige sind nicht registriert

Aufschlussreich ist auch der Blick auf die Herkunft der Diebe. Von den 93 Verdächtigen, die die Bundespolizei im Vorjahr ermitteln konnte, stammen 38, also weit mehr als jeder Dritte, aus Algerien. Zweitgrößte Gruppe waren die Deutschen mit 27. Zudem wurden 13 Bosnierinnen ermittelt - laut Ackert Mitglieder einer Frauenbande. Und schließlich stehen auf der Liste noch zwölf Marokkaner und drei Polen.

Fälle aufzuklären ist die eine Sache, Täter festzustellen eine andere. Viele der Verdächtigen aus Nordafrika sind nicht registriert, haben keine Papiere und wechseln ihre Wohnorte genauso wie ihre Identitäten. Ackert berichtet von einem Mann, der Anfang der Woche die Mitarbeiterin eines ICE-Bordbistros bestohlen hat. Er wurde mithilfe von Überwachungskameras identifiziert, allerdings nur auf Grund seines Aussehens. In den Polizeiakten gab es ihn wegen begangener Diebstähle schon vorher: Einmal als 31-jährigen Libyer, einmal als 32-jährigen Algerier.

Ermittlungsgruppe der Polizei für Taschendiebstähle

Wie die Entwicklung in Sachen Taschendiebstählen im Stadtgebiet Hannovers außerhalb des Bahnhofs aussieht, will die dafür zuständige Polizeidirektion erst Anfang Februar berichten, wenn sie ihre Kriminalitätsstatistik veröffentlicht. Sprecherin Martina Stern sagt lediglich, dass die Tendenz auch hier steigend sei, gemessen an den 2220 Fällen im Jahr 2014.

Bei der Polizeidirektion ist vor gut zwei Jahren eine Ermittlungsgruppe eingerichtet worden, die sich ausschließlich mit der Aufklärung von Taschendiebstählen befasst. Die Bundespolizei kündigt an, häufiger als bisher Streifen durch den Hauptbahnhof zu schicken und die Videos aus den Überwachungskameras akribischer auszuwerten.

So schützen Sie sich gegen Taschendiebe

Die Zahl der Taschendiebstähle könnte geringer sein, wenn es manche Opfer den Tätern nicht so leicht machen würden. „Generell gilt, Vorsicht walten zu lassen, wenn fremde Menschen versuchen, Tuchfühlung aufzunehmen“, rät die Bundespolizei. Wer Taschendieben das Geschäft zumindest erschweren will, trägt Portemonnaies oder Smartphones möglichst nah am Körper – also beispielsweise nicht in Außen-, sondern in Innentaschen von Kleidungsstücken.

Gefährlich ist es auch, Wertsachen in Rucksäcken zu verstauen und diesen dann auf dem Rücken zu tragen. Handtaschen oder Aktenmappen sollten immer verschlossen sein, die Verschlüsse sollten von ihren Besitzern im Blickfeld gehalten werden.

Bei Reisegepäck mahnt die Polizei ständig, es nicht unbeaufsichtigt zu lassen. Im Zug empfiehlt sie ebenfalls eine Aufbewahrung in Körpernähe, also beispielsweise zwischen den Beinen vor dem Sitz, wenn es denn möglich ist. Wer seinen Platz im Abteil in Richtung Speisewagen oder Zugtoilette verlässt, sollte Wertgegenstände mitnehmen und Sitznachbarn bitten, während der Abwesenheit auf Gepäckstücke aufzupassen.     

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