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Haus in Linden ist seit vier Jahren eingerüstet

Schwarzer Bär Haus in Linden ist seit vier Jahren eingerüstet

Es ist längst ein Schandfleck und ein unübersehbares Ärgernis: Seit mehr als vier Jahren ist das Haus am Schwarzen Bären 7 eingerüstet. Bis vor wenigen Tagen hing die Plane, die das stark sanierungsbedürftige, denkmalgeschützte Gebäude verhüllte, in Fetzen, jetzt wurde ein neues Netz gespannt. Der Besitzer handelt nicht.

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Nur die Graffitisprayer freuen sich über das eingenetzte Haus am Schwarzen Bären. Zum Ende der Woche hat das Gerüst eine neue Haut bekommen – doch sonst tut sich wenig.

Quelle: Villegas

Hannover. Immer wieder erklimmen Sprayer das Gestänge und beschmieren die marode Fassade und das Nachbarhaus. Geschäftsleute und andere Mieter beklagen die Zustände seit Langem. Ein Gastronom hat bereits aufgegeben. Alle Betroffenen warten darauf, dass der Eigentümer endlich saniert. „Es muss jetzt etwas passieren - das ist nicht mehr hinnehmbar“, sagt auch Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube.

Stadt ist 2013 eingeschritten

Die Stadt hatte das Haus 2013 einrüsten lassen, weil faustgroße Steinbrocken von der Fassade auf den Gehweg gestürzt waren. Weil der Besitzer damals nicht erreichbar war, wurde die Verwaltung, zuständig für die öffentliche Sicherheit, tätig. Seitdem stellt die Baubehörde dem Eigentümer die Kosten für das Gerüst in Rechnung.

Bezirksbürgermeister Grube kritisiert trotzdem: „Die Stadt hat nicht den Mut, richtig durchzugreifen.“ Sie könne durchaus notwendige Baumaßnahmen veranlassen und sich die Ausgaben später vom Hausbesitzer erstatten lassen. Nicht nur die Mieter litten unter der Situation. Auch Radfahrer und Fußgänger würden durch das Gerüst behindert und gefährdet. Die Gäste der Bar Bronco’s müssen sich ebenso ihren Weg durch das Gestänge bahnen wie die Kunden des Fotostudios in der ersten Etage.

„Der Schwarze Bär verkommt zum Getto durch dieses Haus“, empört sich der Besitzer des Nachbargebäudes. Die Wohnungen in seinem ebenfalls denkmalgeschützten Haus hat er modernisieren lassen. Es lohne aber nicht, die Fassade in Angriff zu nehmen: „Immer wieder wird auch mein Haus von Sprayern beschmiert, die auf das Gerüst klettern.“ Es sei nicht nachvollziehbar, warum die Stadt den Zustand dulde. „Jede Dachrinne, die dem Denkmalschutz nicht passt, muss wieder abgerissen werden - und hier verfällt ein denkmalgeschütztes Haus.“

„Kaum Kontakt zu Vermieter“

Die Stadt erklärt, sie sei regelmäßig tätig, „um im denkmal-, ordnungs- und verwaltungsrechtlichen Rahmen eine Sicherung und Sanierung des Gebäudes beim Eigentümer zu erwirken, damit anschließend das Gerüst abgebaut werden kann“. Inzwischen habe der Besitzer Vorbereitungen für notwendige Sanierungen veranlasst. Mieter berichten, zumindest hätten Arbeiten am undichten Dach begonnen.

Sie rätseln, warum der Vermieter die Gerüstkosten zahlt, statt das Geld in die Sanierung zu stecken. Für Anfragen sei er kaum erreichbar. „Ich habe hier seit 30 Jahren mein Fotostudio und ihn vielleicht dreimal gesehen“, sagt Fricke. Auch für die HAZ war Hausbesitzer Günter G., der eine Hausverwaltung am Klagesmarkt betreibt, auf Anfrage nicht zu sprechen.

Bei „Verunstaltung“ darf die Stadt handeln

Grundsätzlich darf die Bauaufsicht nicht eingreifen, nur weil ihr der Umgang eines Hauseigentümers mit seinem privaten Gebäude nicht gefällt. Nur wenn die öffentliche Sicherheit gefährdet ist und der Verantwortliche nicht reagiert, darf sie als sogenannte Ersatzvornahme handeln – so wie sie es 2013 getan hat, als sie das Gerüst aufstellen ließ. Die Kosten trägt der Eigentümer. Zahlt er nicht, kann die Stadt gegen ihn vorgehen.

Allerdings gibt es im Baurecht auch den sogenannten Verunstaltungsparagrafen. Wenn ein Hauseigentümer sein Gebäude so gestaltet (oder verkommen lässt), dass das öffentliche Straßenbild gefährdet ist, darf die Baubehörde eingreifen. Der Handlungsspielraum ist aber sehr eng, denn der Hauseigentümer hat das Recht, gegen Anordnungen vor Gericht vorzugehen. Die Stadt ist argumentativ in einer schlechten Position, weil sie selbst etliche baufällige Fassaden jahrelang mit Gerüsten verkleidet. Allerdings lässt sie ihre Gerüste nicht so verkommen wie der Hauseigentümer am Schwarzen Bären.     

Von Juliane Kaune und Conrad von Meding

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