Sowohl am Bauzaun als auch im Internet unter dem HAZ-Artikel vom Mittwoch wird das Thema kontrovers diskutiert. Die 4,50 Meter hohen und im Durchmesser gut zwei Meter breiten „Entrauchungsbauwerke“ werden nötig, weil durch den Umbau des Kröpcke-Centers mit Schließung des Passerellenloch der Bestandsschutz für die darunterliegende, größte U-Bahnstation Hannovers entfällt und daher die gesamte Brandschutztechnik modernisiert werden muss. Die Rauchabzüge allerdings waren in den bisherigen Plänen und Computeransichten für das 200 Millionen Euro teure Bauprojekt nicht abgebildet.
„Was erwartet uns noch an Enttäuschungen?“, fragte am Donnerstag nach der Veröffentlichung erster Bilder ein HAZ-Leser. Ein anderer merkte an, es habe „schon ein besonderes Geschmäckle, wenn bei der Präsentation eines nicht ganz unumstrittenen Projektes gewisse negative Aspekte retuschiert“ würden. Allerdings hatte sich die Bauverwaltung offenbar intern dafür stark gemacht, dass statt der großformatigen Säulen ebenerdige, begehbare Gitter als Rauchabzug montiert werden. Weil die im Brandfall herausströmende Luft aber zu heiß ist und Passanten gefährden könnte, gab es dafür keine Freigabe von Feuerschutzexperten.
Die Baupolitiker des Rates haben die Pläne weitgehend positiv aufgenommen. „Völlig unproblematisch“ nannte Thomas Hermann (SPD) die Säulen, auf denen künftig Veranstaltungen aus Stadt und Umland angekündigt werden sollen: Es werde „kaum groß auffallen, dass es keine normalen Litfaßsäulen sind.“ Auch Dieter Küßner (CDU) findet es „interessant, wenn sich zweckmäßiges mit Sinnvollem verbinden lässt und nicht nur einfache Rohre aus dem Boden kommen.“ Michael Dette (Grüne) findet die Entwürfe „zwar nicht wunderschön“, lobt aber genauso wie Hermann, dass die U-Bahnstation einen „Top-Sicherheitsstandard“ bekomme. Wilfried Engelke (FDP) freut sich über die „kostenlose Werbefläche für die Stadt“, drängt aber darauf, dass die Säulen auch beleuchtet werden: „Sonst stehen da nachts nur drei schwarze Rohre.“
Verägert ist hingegen der Verwalter des Wormland-Gebäudes in der Karmarschstraße – eine der drei großen Säulen steht nur etwa zehn Meter von dem Geschäftshaus entfernt. „Ich habe in den Plänen nur einen Kreis gesehen und versuche seit Wochen erfolglos bei der Stadt zu erfahren, was dort geplant ist“, sagt Helmut Radelfahr. Die Säulen finde er „kolossal“: „Wir sind überhaupt nicht glücklich.“
Kulturwissenschaftler Thomas Kaestle, der für die Stadt das Gutachten über Kunst im öffentlichen Raum gemacht hat, bedauert, dass bei derartigen Installationen „so selten Künstler und Architekten gemeinsam beauftragt“ werden. „Ohne Details des Entwurfs zu kennen lässt sich sagen: Ein Konzept, bei dem funktionale und künstlerische Aspekte in Einklang gebracht werden, kann den Stadtraum am besten bereichern“, sagt Kaestle.
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Kommentare
ins Gebäude integrieren Wolfgang – 19.06.09
Könnte man nicht die Entlüftung ins Gebäude integrieren? Dann wäre an ein paar Stellen halt die Schaufensterfront für ein kurzes Stück unterbrochen.Mogelei Stier – 19.06.09
Anscheinend wird weiter gemogelt. In der Computerzeichnung sind zwei Personen zu sehen, die vor der „Rauchsäule“ stehen. Vorausgesetzt, dass es sich bei den beiden nicht um Riesen handelt, hat die Rauchsäule proportional nur einen Durchmesser von rund 1,60 m und dürfte nur knapp 4,00 m hoch sein. Tatsächlich sollen der Durchmesser 2,20 m und die Höhe 4,50 m betragen.Schrecklich... Brockenviech – 19.06.09
...das heute alles idiotensicher gemacht werden muss.btw rukola..lustiges captcha
Ein erträglicher Kompromiss Karl Wilhelm – 19.06.09
Ich persönlich bin glücklich, wenn die Sünden der 70er Jahre nach und nach aus dem Stadtbild verschwinden. Tiefe Löcher in der Stadtmitte und mehrere Ebenen für Fußgänger waren mit schon immer ein Greuel. Für eine urbane und menschliche Stadtmitte gibt es keine Alternative zum Verschließen der unteren Ebene am Kröpcke. Was gelungener Stadtumbau bewirken kann, erleben wir gerade am Operndreieck.Die Mammut U-Bahn Station ist aber nun mal da und Sicherheit hat oberste Priorität. Deshalb halte ich die Säulen für den Brandschutz für einen erträglichen Kompromiss. Ich denke aber, daß die optische Hauptlast neben den Einwohnern der Stadt Hannover von den Gebäudeeignern des Kröpcke-Centers getragen werden sollte und nicht von anderen Anliegern.
Am allerschönsten wäre es eigentlich, wenn die ehemalige Passerelle und das Loch hinter dem Hauptbahnhof auch geschlossen worden wäre. Die jetzt angewandte Kosmetik hält allenfalls 20 Jahre.
Leser gestalten Kröpcke-Säulen Klaus – 19.06.09
Also, so ein Haus, das ist ja ganz schön groß. Und weil das so groß ist, gibts dafür einen Plan. Den macht ein Architekt. Und Bilder macht der auch. Da kann man das Haus schon vorher sehen. Die Bilder gucken sich alle an: Der Hausbesitzer, der Bürgermeister und Ihr auch! Aber der Architekt hier, der ist nicht fertiggeworden. Der hat ein paar Litfaßsäulen vergessen. Und weil der Architekt vergessen hat, Säulen zu malen, malt Ihr jetzt mal die Litfaßsäulen. Ganz viele bunte Litfaßsäulen! Da freut sich der Bürgermeister, und die Zeitung freut sich auch. Die druckt dann ganz viele bunte Litfaßsäulen. Der Bürgermeiser und der Architekt bauen dann was anderes.Kunstwerk Wolfgang – 18.06.09
Entscheidend ist doch, wie die Säulenfläche genutzt wird. Bloß keine Werbefläche, das wäre wirklich eine Verschandelung. Besser ein Objekt für Künstler, vielleicht eine Lichtinstallation mit wechselnden Effekten. Kunst im öffentlichen Raum ist zumindest in der Fußgängerzone Mangelware. Die Kosten dafür dürften im Vergleich zum Gesamtvolumen für den Umbau sehr gering sein.Intransparent prakin – 18.06.09
Aus stadtplanerischer Sicht hat die Verwaltung am Kröpke in der Vergangenheit hervorragend gearbeitet und einen Times-Square Charakter verhindert. Ich stelle es der Verwaltung nicht in Abrede für einen werbearmen Kröpke zu kämpfen.Es sind die intransparenten Entscheidungen, die ich kritisiere. Da sind die Werbesäulen nur eines von vielen Gliedern in einer langen Kette.
Beispiele:
Da war mal ein hoch umstrittener AWD-Pylon am Stadion geplant. Wie die Genehmigung mit Hilfe Schmalstiegs durchgeprügelt wurde, während die Petition gegen den Pylon in der Bauordnung versauerte bis die Genehmigung bereits stand.
Oder der Peppermint-Dome zum Maschseefest. Die Verwaltung hatte dem Betreiber signalisiert, er könne den Peppermint-Dome mit Werbung errichten, aber eine Genehmigung könne nicht erteilt werden.
Auf solche intransparenten Spielchen ließ sich der Betreiber nicht ein und es gab dann letztes Jahr keinen Peppermint-Dome.
Von einer seriösen, transparenten Verwaltung erwarte ich eine andere Art der Entscheidungsfindung.
Wieso waren in Plänen Kreise eingezeichnet, wenn man von Gittern im Boden ausging?
Wenn die Rauchsäulen nun mal notwendig sind, und das Gesamtobjekt trotzdem zu bejahen ist, dann soll man es machen, aber ohne die Bürger zu veralbern.
Künstlerische Gestaltung Christian – 18.06.09
Wenn man es tatsächlich schaffen würde, wie der Künstler es da sagt, die Dinger mal schön zu gestalten, ja ein Kunstwerk draus zu machen... dann würde ich meine Aussage mit der Enttäuschung zurückziehen.Dennoch geht es nicht, dass umliegende Händler nicht rechtzeitig informiert werden.
U-Bahn Schlote firefox – 18.06.09
Hm, und die Dinger stören auch nicht die Zufahrt der Feuerwehr rund um das Gebäude, oder?Wie ist das eigentlich in anderen Städten mit U-Bahn gelöst?