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Aufnahmestopp für Pflegeheime verhängt

Zu wenig Fachkräfte Aufnahmestopp für Pflegeheime verhängt

Immer mehr Pflegeheime haben große Probleme, Personal zu finden und die gesetzlich geforderte Fachkraftquote einzuhalten. Die städtische Heimaufsicht hat sich jetzt für einen harten Kurs entschieden und verhängt in solchen Fällen einen Aufnahmestopp.

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Fachpersonal für Pflegeheime ist schwer zu finden.

Quelle: Patrick Pleul

Hannover. Wird bei einer der jährlichen Prüfungen festgestellt, dass nicht jede zweite Betreuerin eine Fachkraft ist, wird das Heim mit einem sofortigen Aufnahmestopp sanktioniert. In dieser Woche traf es eine Dana-Senioreneinrichtung in der List.

Geschäftsführer Yazid Shammout hält das Vorgehen für skandalös. „Weil eine qualifizierte Mitarbeiterin fehlt, darf kein neuer Bewohner einziehen.“ Auch Reservierungen müssten storniert werden. Nach Informationen des Unternehmens sind zwei weitere Heime in Hannover gezwungen, aufgrund eines Beschlusses der Ordnungsbehörden Interessenten abzuweisen.

Shammout fühlt sich zu Unrecht „bestraft“. In seinem Pflegeheim an der Waldstraße arbeiten 16,64 Mitarbeiter. Laut Personalplan, der mit den Pflegekassen vereinbart wurde, müssten nur 15,28 Stellen besetzt sein. Das Problem: Das Heim beschäftigt mehr Helfer, aber zu wenig qualifizierte Pflegerinnen. Statt 7,6 examinierte Altenpflegerinnen sind es nur 6,4; die Fachkraftquote liegt damit bei knapp 42 Prozent statt 50 Prozent. „Dies entspricht nicht den gesetzlichen Vorgaben“, heißt es in der schriftlichen Anordnung der Heimaufsicht, die gestern der Pflegeheimleitung zugestellt wurde.

Die Behörde räumt in dem Bescheid ein, dass die Verhängung eines dreimonatigen Aufnahmestopps eine Ermessensfrage ist. Es müsse jedoch vermieden werden, dass das Heim „wirtschaftliche Vorteile gegenüber anderen Mitbewerbern am Markt erzielt“, die höhere Kosten haben, weil sie sich an die vorgeschriebene Zahl an Fachkräften halten. Außerdem gehe es um den Schutz der Bewohner.

Die Heimaufsicht habe ihm mündlich mitgeteilt, dass man die Gesetze jetzt „rigoros durchziehen“ werde, berichtet Shammout. Als vorbildlich sei auf einen bayerischen Erlass verwiesen worden, der Sanktionierungsregeln formuliert. Shammout versichert, dass er seit Längerem neue qualifizierte Mitarbeiter sucht. Mittlerweile sei er auch bereit, einen „Willkommensgruß“ von 3000 Euro zu zahlen. Das Heim an der Waldstraße bietet 66 Plätze für Senioren an, derzeit sind zehn nicht besetzt.

Über Fachkräftemangel klagt die Altenpflege bereits seit Jahren. Viele Einrichtungen werben mittlerweile mit Antrittsprämien oder Dienstwagen. Auch werden verstärkt ausländische Pflegerinnen ins Land geholt. Neu ist, dass sich die Ordnungsbehörden gezwungen sehen, Altenheime zu sanktionieren. Die Heimaufsicht habe keine andere Möglichkeit, als Verstöße zu ahnden, teilte gestern ein Sprecher der Stadt auf Anfrage mit.

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